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Uraufführung am BE : Bereit für die Rückkehr der Saurier

  • -Aktualisiert am

Claude de Demo und Dennis Svensson in „Der Weg zurück" von Dennis Kelly am Berliner Ensemble Bild: ©Matthias Horn

Noch nicht ganz ausgepackt und schon angestaubt: „Der Weg zurück" von Dennis Kelly, uraufgeführt am Berliner Ensemble von David Bösch.

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          Wie dem Programmheft zu entnehmen ist, hat der britische Dramatiker Dennis Kelly sein Stück „Der Weg zurück“ vor mehr als zwei Jahren als Auftragsarbeit an das Berliner Ensemble geschickt. Wegen der Corona-Pandemie konnte es allerdings erst jetzt auf der kleinen Bühne im Neuen Haus uraufgeführt werden. Rein inhaltlich hat die Wartezeit dem Werk nicht geschadet, im Gegenteil: Themen wie die Ablehnung von Aufklärung, Wissenschaft, Freisinn erscheinen im Spannungsfeld von Verschwörungstheo-retikern, Impfgegnern und Elektrosensiblen gerade ziemlich aktuell. Doch auf die künstlerische Ausgestaltung hat sich der Verzug leider nicht positiv ausgewirkt, sie ist verschmockt und bieder geblieben und hat nur noch zusätzlich Staub angesetzt.

          Die fünf losen Szenen handeln mehr oder weniger davon, dass die Menschen, obwohl sie individuelles Glück und höchste Liebe erfahren können, die Erde zerstören werden, weswegen sie den Weg, den sie bisher zivilisatorisch verfolgt haben, entschieden wieder zurückgehen sollten, um erneut bei Null anzufangen. Ein von Gerrit Jansen beamtenhaft gespielter Witwer in Cordhose und Strickjacke (beides zu groß geraten), dessen über alles geliebte Frau bei der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Dawn verstarb, wird zum Begründer der Bewegung „The Regression“, die absolut nichts „nach vorne bringen“ möchte.

          Der Kampf um kurze Wörter

          Später wird sie von Claude De Demo als Dawn angeführt, und 2055 ist „The Regression“ zur terroristischen Organisation geworden, die planmäßig Gewalttaten verübt. Dawns vergötterter Liebhaber Jonathan – smart: Dennis Svensson – stirbt, als er einen Bombenanschlag verübt. Philine Schmölzer und Jonathan Kempf als ihre Zwillingskinder vertreten dann bereits den mittlerweile herrschenden „Nationalen Regressionsrat“, der sämtliche Bereiche des Alltags von Technik über Justiz bis zur Sprache regelt: „Worte mit mehr als zwei Silben sollen verboten werden. Benutzt sie nie.“

          Am Ende aller Zukunftshoffnung: Dennis Svensson in „Der Weg zurück“
          Am Ende aller Zukunftshoffnung: Dennis Svensson in „Der Weg zurück“ : Bild: ©Matthias Horn

          Philine Schmölzer tritt schließlich im Jahr 2102 als nächste Dawn auf – eine Schülerin, die gegen das einschüchternde System und seine Einschränkungen protestiert, heimlich mehrsilbige Worte benutzt und mit ihrer Freundin aus all den Zwängen und Fesseln abhauen möchte. Dazwischen gibt es eine rührselige Video-Episode um einen Jungen, dessen Mutter ebenfalls bei seiner Geburt verstarb und der von der Stadtgesellschaft als untragbar empfunden und getötet wird. Der Regisseur David Bösch, der auch schon mal inspirierter wirkte, lässt die von Monologen dominierte, von Kitsch angesäuerte Dystopie frontal zum Publikum ablaufen. Das ist nicht sehr ergiebig und bald langweilig.

          Patrick Bannwart hat die nach allen Seiten offene Bühne mit Elektroschrott, Sperrmüll und ein paar aluminiumumwickelten Rohren locker zugemüllt. Die Darsteller suchen meist den direkten Blickkontakt zu den Zuschauern, duzen sie und beziehen sie ein. Manches ist ja ganz lustig, was da rhetorisch passiert, die Kabbeleien zwischen den Geschwistern etwa oder die Andeutungen der zweiten Dawn, wie sie sich mit ihrer Freundin über einige der strengen Regeln hinwegsetzt. Ansonsten freilich wird emsig doziert, tapfer erläutert, lang und breit erzählt, was nicht gezeigt wird – Zerstörung, Chaos, die Diktatur der brutal Rückwärtsgewandten.

          Doch die Figuren sind oberflächlich gepackte Plappertaschen, die Konflikte arg aufgeblasen, und die theatralische Situation ist insgesamt so porös wie unüberzeugend. Regisseur David Bösch findet keine szenischen Mittel, um den papierenen Charakter dieser zweitklassigen Science-Fiction-Groteske umzukodieren und plastisch zu zeichnen. Sie raschelt trist vor sich hin, selbst wenn am Schluss im Videofilm die Saurier wieder die Erde übernommen haben und durch den frisch erblühten Dschungel jagen. Fast zwei Stunden dauert Dennis Kellys „Der Weg zurück“, spreizt und müht sich und hat doch nicht mehr mitzuteilen als 1983 der Neue-Deutsche-Welle-Barde Andreas Dorau in seinem sarkastischen Drei-Minuten-Song: „Die Welt ist schlecht / Das Leben schön / was ist daran / nicht zu verstehen?“

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