https://www.faz.net/-gqz-389g

Unwort des Jahres : Ein "Topterrorist", der Bin Ladin

  • Aktualisiert am

Welches Wort wird "Unwort des Jahres"? FAZ.NET-Leser sprechen sich für Wörter aus, die mit dem 11. September zu tun haben.

          Seit 1991 veranstaltet der Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser jedes Jahr die Aktion „Unwort des Jahres“. An diesem Montag ist Einsendeschluss für die diesjährigen Vorschläge.

          Gesucht werden Wörter und Wendungen aus der öffentlichen Kommunikation, die im zurückliegenden Jahr besonders negativ aufgefallen sind, weil sie einen Gegenstand, eine Person oder einen Vorgang unangemessen wiedergegeben und dabei womöglich sogar ethische Normen verletzt haben.

          Aus den bislang eingegangenen Vorschlägen nennt die Jury beispielhaft „Topterrorist“ als Verharmlosung Bin Ladins, „Gotteskrieger“ als religiöse Verbrämung von Terroristen, „vorsorgliches Keulen“ für die Massentötung von Rindern zur „Marktbereinigung“ oder „verpartnern“ als bürokratische Umschreibung der standesamtlichen Bestätigung nichtehelicher Lebensgemeinschaften.

          Besonders häufig seien bisher sprachliche Fehlleistungen zum Afghanistan-Krieg wie „humanitäre Bombardements“ oder das Kanzlerwort „uneingeschränkte Solidarität“ eingereicht worden, das derzeit auf Platz zwei der Vorschlagsliste liegt. Es sei aber auch weniger Brisantes vorgeschlagen worden, das die Sprachgemeinschaft verwirrt, heißt es auf der Website der Aktion. Am häufigsten sei der Börsenbegriff „Gewinnwarnung“ genannt worden.

          Die K-Frage - auch sie ein Ärgernis

          Auch die Nutzer von FAZ.NET haben in einem Forum am häufigsten Begriffe vorgeschlagen, die mit den Anschlägen vom 11. September zu tun haben: "Schläfer", "uneingeschränkte Solidarität" (mit Amerika), "Grenzenlose Gerechtigkeit", "Anti-Terror-Krieg" und "Gotteskrieger", "Kreuzzug" und "Milzbrandalarm".

          Mit dieser Diskussion in Zusammenhang steht die wiederaufgeflammte Debatte um die „Spaßgesellschaft“. Auch der Begriff „K-Frage“ störte einen Leser von FAZ.NET.

          Der sechsköpfigen Jury des "Unworts des Jahres" gehören diesmal außer vier Sprachwissenschaftlern der Journalist Klaus Bresser (vormals ZDF) und die Moderatorin Maybrit Illner („Berlin Mitte“) an.

          Weitere Themen

          Mediziner warnen vor voreiligen Schlüssen Video-Seite öffnen

          Babys mit Fehlbildungen : Mediziner warnen vor voreiligen Schlüssen

          In einer Klinik in Gelsenkirchen sind in nur wenigen Wochen drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Mediziner der Universitätsklinik Mainz raten dazu, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Sie sprechen sich für ein Geburtenregister in Deutschland aus.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.