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Unterwegs in der Antarktis : Tausende Tonnen Stahl gegen eine Wand aus Eis

  • -Aktualisiert am

In dieser Saison bleibt es beim Modell: Neumayer III Bild: Alfred-Wegener-Institut

Die neue deutsche Forschungsstation Neumayer III ist Wochen später als geplant in der Antarktis angekommen. Acht Meter hohes Eis trennt sie noch vom geplanten Bauplatz. Karoline Stürmer beobachtet den Kampf gegen die Naturgewalten.

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          Goldgelb von der Mitternachtssonne, hängt der Himmel über der „Polarstern“, als der deutsche Eisbrecher, immerhin der größte Forschungseisbrecher der Welt, mit vier Maschinen plus Hilfsdiesel gleichzeitig beschleunigt und das Schiff innerhalb weniger Minuten auf neun Knoten bringt. Bei voller Fahrt schiebt sich die „Polarstern“ seitlich auf das Eis, sie ruckt und bebt, rutscht und wird schließlich von der Schneeauflage gebremst. Ein leises Knacken und Knarren ist zu hören, wenn der Stahl das Eis zerdrückt und lange Risse zeichnet. Wieder ein paar Meter gewonnen. Mit voller Kraft zurück, ein neuer Versuch.

          Die letzten Meter sind die leichtesten. Wie ein Hobel arbeitet sich das Schiff die letzten zweihundert Meter durchs Eis. Zweieinhalb Stunden nach Mitternacht erreicht die „Polarstern“ die Schelfeiskante. Ein mehr als drei Kilometer langer Festeisrücken mit einer Mächtigkeit von mindestens acht Metern hatte ihr den Zugang versperrt. Acht Tage lang. Jetzt ist die Rinne frei und das Ziel in der Atka-Bucht erreicht. Der Plan von Kapitän Uwe Pahl ist aufgegangen, Hauptsache voran, wenn auch zentimeterweise.

          Acht Meter Eis und kein Platz zum Rammen

          „So dichtes Eis ist in der Atka-Bucht im antarktischen Sommer in den letzten sechzehn Jahren nicht mehr vorgekommen“, sagte Ulrich Bathmann mit Blick auf die Schelfeiskante, von der sich das aufgebrochene Eis nach dem Kraftakt der „Polarstern“ in großen Brocken ablöst. Das war Anfang Januar. Bathmann ist Meereskundler am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Er koordiniert als wissenschaftlicher Fahrtleiter die Expedition ANT-XXIV/2. Und das ist nicht wenig, denn die „Polarstern“ hat auf dieser Fahrt neben der wissenschaftlichen eine historische Mission zu erfüllen. Sie soll Anlieferung und Aufbau der neuen deutschen Antarktisstation - Neumayer III - sicherstellen. Es gilt, das dänische Frachtschiff „Naja Arctica“ sicher durch das Eismeer zu leiten. Dieses hat die Einzelteile der Neumayer-III-Station sowie die Wohncontainer für das Camp des 45 Mann starken Bauteams an Bord.

          Zimmer mit Ausblick: So soll Neumayer II einmal aussehen

          Die schlechten Eisbedingungen machten der Besatzung in den vergangenen Wochen allerdings das Leben schwer. Wäre alles nach Plan verlaufen, würden die rund vier Dutzend Bauarbeiter und Ingenieure schon seit Wochen die neue Polarstation aufbauen. Bereits für Mitte Dezember war die Entladung der Naja Arctica geplant. Das ganze Material muss auf eine zwölf Meter hohe Schelfeiskante des Nordanlegers gehievt werden.

          Aber alles kam anders: Zum anvisierten Termin war in der Atka-Bucht an ein Durchkommen selbst für die „Polarstern“ nicht zu denken. Die Bucht war komplett von bis zu acht Meter mächtigem Eis bedeckt. Für Rammaktionen gab es kein freies Wasser. Eine Situation, die bei allen an Bord Ratlosigkeit erzeugte.

          240 Tonnen Arktis-Diesel - aber nicht übers Eis

          Zuerst wurden die Lebensmittelcontainer mit dem Proviant für die alte Neumayer-Besatzung von der „Polarstern“ entladen, das war auf dem Meereis und noch ziemlich am Rande der Atka-Bucht. Das dänische Frachtschiff kämpfte sich da noch durch mehr als tausend Kilometer mehr oder weniger dichtes Meereis heran. Uwe Pahl dirigierte das Frachtschiff, wertete ständig aktuelle Satellitenaufnahmen aus, die Informationen über die Intensität und den Bedeckungsgrad des Meereises enthielten.

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