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Unterwegs in der Antarktis : Tausende Tonnen Stahl gegen eine Wand aus Eis

  • -Aktualisiert am

Sturm kommt auf - aber nicht zu Hilfe

Mit zwanzigtausend Pferdestärken schiebt sich die „Polarstern“ auf das Eis und lässt es unter ihrem Gewicht von zwölftausend Tonnen zerbersten. Ihre doppelt verstärkte Außenhülle aus jeweils 58 Millimeter dickem Stahl ermöglicht ihr außerdem die Rammfahrt, wo andere Schiffe passen müssen. Drei Stunden geht es gut vorwärts. Dann wird es zäh. Der Schnee auf dem Eis absorbiert die Energie der Rammstöße wie ein Kissen und bremst das Fortkommen. Drei Tage geht das so. Dann verstärkt sich der Wind aus nordöstlicher Richtung. Im Schiff ist nur ein leichtes Vibrieren zu spüren, wenn der Rumpf im Sog des Eisstroms am Treibeis vorbeischrammt, und ein Ruckeln, wenn es von größeren Brocken gebremst wird.

Dann kommt endlich Sturm auf, Windstärke neun. Die „Polarstern“ lässt sich treiben. Dreiundfünzig Wissenschaftler an Bord fiebern dem Höhepunkt des Sturms entgegen. Wird er stark genug sein? Und viel wichtiger: Wird er aus der richtigen Richtung kommen und das Eis wegtreiben? Gereiztheit wechselt mit Galgenhumor. Die Befürchtung, dass der Wind statt wie gewünscht aus Südost nur aus dem Osten kommt und die Fahrrinne nicht öffnet, sondern diese noch weiter verschließt, liegt in der Luft. Genauso die Sorge, dass das Eisbrechen auch noch die nächsten Tage andauern wird und damit das bereits stark gekürzte wissenschaftliche Programm völlig verdrängen wird.

In dieser Saison bleibt nur noch Zeit für die Garage

Nach dem Sturm die Enttäuschung: Der Wind hat das Eis nicht aufgebrochen, stattdessen das Meereis aus der ganzen Umgebung zusammengeschoben. Die „Polarstern“ kann noch schlechter als vorher manövrieren. Und: Das Wetter hat sich wieder stabilisiert. Kapitän Pahl entscheidet, die Rinne großflächiger als bisher zu räumen, lässt ganze Eisplatten aus dem Kanal schieben, um sich bis zur großen Blockade zum Festeisrücken durchzuarbeiten. Dort beginnt in der dritten Januarwoche das Abhobeln der dicken Eisplatten.

Längst ist klar, dass die Fassade der neuen Station in dieser Saison nicht mehr gebaut werden kann. Ob das tragende Stahlgerüst noch errichtet werden kann, ist unsicher. „Wenigstens die Garage wollen wir mit ihrem Dach und einem Zwischengeschoss aufbauen, so dass die Baugrube dicht ist und nicht wieder von verdriftetem Schnee ausgefüllt wird“, meint der Chef der achtunddreißigköpfigen Baumannschaft, Detlef Behrends. Das zumindest klappt. Dann erreicht auch die Naja Arctica die Schelfeiskante und wird entladen. Die „Polarstern“ hat ihre erste Mission erfüllt. Und zumindest ein paar Tage bleiben auch den Wissenschaftlern noch, Proben und Daten zu sammeln.

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