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Unterwegs in der Antarktis : Tausende Tonnen Stahl gegen eine Wand aus Eis

  • -Aktualisiert am

Als die Naja Arctica schließlich die Atka-Bucht erreichte, lag die „Polarstern“ gerade weiter westlich, um einem anderen Teil ihrer Versorgungsaufgabe nachzukommen: der Übergabe von Treibstoff. Sprit darf nach Vorgaben des Alfred-Wegener-Instituts nicht über das Meereis transportiert werden. Das Risiko für die Umwelt bei einem Unfall ist zu groß. Nach intensiver Suche mit dem Hubschrauber fand sie eine Stelle, an der sich das Eis vom Schelfeis gelöst hatte und so ein direkter Zugang möglich war. An einer 35 Meter hohen Kante gelang die Entladung von 43.000 Litern Kerosin und mehr als 240 Tonnen Arktis-Diesel. Alle waren erleichtert. Denn auf Neumayer wurde der Treibstoff inzwischen dringend benötigt.

Der Bautrupp muss warten - erst wird geforscht

Während der dänische Frachter am Rande der Atka-Bucht wartete, bis womöglich ein Sturm das Eis auseinandertreibt, wurde auf der „Polarstern“ geforscht. Das hellte die Stimmung etwas auf. Endlich konnten Daten, Proben und Zahlen gesammelt werden. Drei Projekte werden in diesem Fahrtabschnitt im Rahmen des Internationalen Polarjahres gefördert: eines, das sich mit dem antarktischen Zirkumpolarstrom beschäftigt, dem weltgrößten geschlossenen Wasserring, der ständig die Antarktis umfließt. Ein weiteres, das die Verbindung der oberen Meeresschichten zur Tiefsee untersucht, und ein drittes, das den Krill als eines der dominierenden Wassertiere in der Lazarewsee im Auge hat.

Lange, wochenlang hielt sich das Hochdruckgebiet über der Antarktis, keine Spur von atlantischen Tiefdruckgebieten und Sturm. Die Schiffe saßen fest, ebenso wie die Baumannschaft. Bis zum siebten Januar, da fällt die Entscheidung, die auf der „Polarstern“ Missmut auslöst: Die wissenschaftliche Arbeit wird vorerst abgebrochen. So sind Direktorium und Logistik des Alfred-Wegener-Instituts, Kapitän und Fahrtleiter übereingekommen. „Polarstern“, die sich auf drei Grad Ost befindet, nimmt noch am selben Abend direkten Kurs auf Neumayer. Die Zeit für den Bau der Station droht knapp zu werden.

Dann öffnet sich überraschend eine Wasserfläche

Das 26 Millionen teure Bauvorhaben ist gefährdet, wenn Naja Arctica in diesem Südsommer unverrichteter Dinge nach Kapstadt zurückkehren muss. Schon Ende Februar kommt der antarktische Winter zurück, und bis dahin müssen die Arbeiten so weit abgeschlossen sein, dass die Baugrube gegen Schneeverwehungen abgedichtet werden kann. „Wir haben nicht einmal die Hälfte der notwendigen Daten gesammelt. Ein Projekt hat noch nicht einmal begonnen“, klagt Bathmann. Sämtliche Projekte sind in große internationale Studien eingebettet, deren deutsche Beiträge jetzt fehlen.

Alle hoffen, dass ihre Arbeit für höchstens ein paar Tage unterbrochen wird. Zwischenzeitlich kommt der Bautrupp an Bord der „Polarstern“. Einen Monat später als geplant. Und dann kehrt plötzlich der Optimismus zurück. Tatsächlich scheinen sich die Eisbedingungen in der Bucht deutlich zu bessern. Eine offene Wasserfläche - eine Polynia - hat sich geöffnet. Ein Erkundungsflug verschafft den Überblick: nur eineinhalb Meilen bis zum Anleger, doch das Festeis hat weiter eine Dicke von bis zu acht Metern. Jetzt soll eine Rinne von zwei Schiffslängen Breite in das Eis gerammt werden. Das gebrochene Eis soll dadurch genug Platz finden, um langsam in das offene Wasser zu driften.

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