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Aufruf zu Nemi El-Hassan : Das ist keine Cancel Culture

Sie selbst würde sich als Moderatorin einstellen: Nemi El-Hassan Bild: WDR/Tilman Schenk

Mehr als vierhundert Unterstützer aus Medien und Kultur fordern den WDR auf, Nemi El-Hassan als Moderatorin für die Sendung „Quarks“ zu engagieren. Sie wittern „rechte Hetze“. Das ist zu einfach.

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          Der WDR hat noch nicht entschieden, wie es für die Journalistin Nemi El-Hassan weitergeht. Sie sollte Moderatorin der Wissenschaftssendung „Quarks“ werden, doch wird darüber noch beraten. Denn es ist bekannt geworden, dass sie 2014 bei der judenfeindlichen Al-Quds-Demonstration in Berlin, auf der es zu Hassausbrüchen und Ausschreitungen kam, mitlief. Und dass sie die dem iranischen Regime unterstehende „Blaue Moschee“ in Hamburg besuchte und Slam-Poetry-Verse vortrug, die man als antisemitisch auffassen kann.

          Von Gewalt, Hass und Antisemitismus hat sich Nemi El-Hassan in einer persönlichen Erklärung abgesetzt und mitgeteilt, dass ihre Teilnahme an der Demonstration ein Fehler gewesen sei. Sie hat sich von ihren früheren Einlassungen distanziert.

          Folgt man dem Aufruf von mehr als vierhundert Unterstützern, sollte es damit sein Bewenden haben und der WDR Nemi El-Hassan engagieren. Also handeln wie das ZDF, das Nemi El-Hassan beim Internetangebot „funk“ betreute und auf unsere Frage nach den Umständen mitteilte, man habe von der Teilnahme an der Al-Quds-Demo nichts gewusst, aber Nemi El-Hassan als „kritische Journalistin, die sich in ihrer Arbeit immer wieder mit Extremismus, Rassismus und Antisemitismus auseinandergesetzt hat“, kennengelernt. Es gebe „keinen Grund, an ihrer journalistischen Professionalität zu zweifeln“.

          Das ZDF macht es sich also einfach. So einfach, wie der WDR die Sache nicht angehen kann. Zu einfach wiederum machen es sich auch die zum Teil prominenten Unterstützer der Moderatorin – darunter Carolin Emcke, Igor Levit, Aleida und Jan Assmann und Jakob Augstein –, die den Sender in einem offenen Brief auffordern, Nemi El-Hassan einzustellen. Sie verweisen auf ihre Entschuldigung und zeigen sich „entsetzt über die diffamierende und denunziatorische Art, in der diese Diskussion geführt wird“. Es handele sich um „eine Debatte, die jegliches Maß und Mitte verloren hat“. Nemi El-Hassan werde „aufgrund ihrer palästinensischen Herkunft und ihrer muslimischen Identität zur Zielscheibe von Hass und Hetze“.

          Das mag mit Blick auf Reaktionen im Netz so sein. In der Sache aber geht es nicht, wie die Unterstützerin Saba-Nur Cheema meint, um „Cancel Culture von muslimischen Frauen“, sondern darum, wie jemand denkt und handelt und ob das zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk passt. Das zu beurteilen ist für den WDR schwer genug.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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