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„Unter Verdacht“-Darsteller im Interview : Drei sind keiner zu viel

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Vertrauensnetz: Rudolf Kraus, Senta Berger und Gerd Anthoff Bild: action press; ddp images/Dominik Bindl; Barbara Bauriedl

Seit Jahren zählt „Unter Verdacht“ zu den besten Krimireihen im deutschen Fernsehen. Wie geht das? Und wie hält man die Konflikte aus, die man miteinander spielt? Ein Gespräch mit Senta Berger, Rudolf Krause und Gerd Anthoff.

          München, Sommer, Giselastraße: Senta Berger, Rudolf Krause und Gerd Anthoff treffen gleichzeitig vor der Haustür ihrer Agentur ein, die Wiedersehensfreude ist groß. Seit 2002 spielen die drei in „Unter Verdacht“: hier die internen Ermittler Prohacek (Berger) und Langner (Krause), dort ihr intriganter Chef Reiter (Anthoff). „Unter Verdacht“ ist vielleicht die beste deutsche Krimireihe der letzten Jahre, dunkel, aber oft auch lustig, politisch engagiert, ohne besserwisserisch zu sein: In der neuesten Folge („Mutterseelenallein“, ZDF, Samstag, 20.15 Uhr) geht es um den Tod eines Kindes und die Rolle des Jugendamtes dabei. Was aber eigentlich fesselt, von Anfang an, ist der Konflikt zwischen den drei Polizisten, die jedes Mal neu aushandeln müssen, was die Wahrheit eines Falls sein könnte und wann er gelöst ist.

          Jeder, dem ich von diesem Interview erzählt habe, sagte sofort: Frag die drei unbedingt, wann die Prohacek endlich den Reiter in den Knast bringt!

          Senta Berger: Wenn’s aus ist, natürlich.

          Gerd Anthoff: Nein, nein.

          SB: Und aus wird es sein, wenn ich dich zum Polizeipräsidenten befördern lasse oder gar zum Innenminister oder aber ins Gefängnis bringe. Das muss dann die letzte Folge sein. Und allzu lange können wir nicht mehr darauf warten.

          Wenn Sie sich wie jetzt zu dritt treffen, fallen Sie da ein bisschen in Ihre Rollen: der verschlagene Doktor Reiter, der gebeutelte Langner, die empfindliche Prohacek?

          SB: Nein.

          GA: Also, der Reiter kann ja die Prohacek nicht ausstehen, aber der Anthoff kann die Berger sehr wohl gut ausstehen. Ich freue mich immer, wenn ich euch sehe. Und ich freu’ mich auch, in der Figur bös’ sein zu können, das ist wunderbar.

          Aber die Spannungen, die Sie spielen, sind so stark, die müssen doch irgendwie auf Sie abfärben.

          Rudolf Krause: Es kommt darauf an, wie man Schauspiel versteht. Es gibt Kollegen, die arbeiten mit privaten Gefühlen und sagen: „Wir müssen uns ein bisschen aus dem Weg gehen, weil die Charaktere, die wir spielen, einander nicht leiden können.“ Aber das ist nicht mein Weg. Wir verstehen uns wunderbar, und auf dieser Basis kann man eigentlich alles miteinander tun. Wenn man einen Konflikt wirklich miteinander spielt, dann ist es ein Vergnügen, und dann verwandelt sich etwas. Ich gehe ja auch nicht ins Lokal und möchte ein rohes Stück Fleisch auf den Tisch geknallt kriegen, ich möchte, dass das zubereitet ist. Und so ist das mit dem Spiel auch.

          SB: Die schwierigsten Szenen fallen mir zunehmend leichter, weil ich weiß, dass ich mich vor meinen Kollegen auch lächerlich machen kann. Ich falle in ein Vertrauensnetz, was sehr schön ist, aber nicht in Gemütlichkeit ausartet. Das sind eben verschiedene Dinge: ob man sich vertraut und wohl fühlt oder ob sich ein privater Ton einschleicht. Das möchte ich nicht, und das ist auch nicht passiert. Am Anfang sind wir sehr vorsichtig miteinander umgegangen, wie das erwachsene, verantwortungsvolle Künstler auch tun sollten. Mittlerweile tun wir das nicht mehr immer, aber dafür kennen wir uns sehr gut, zumindest beruflich.

          GA: Es ist interessant, dass du von Fallenlassen und Vertrauen sprichst. Wenn ich in eine neue Konstellation komme, mit Kollegen, die ich nicht kenne, dann muss ich erst Hemmungen überwinden. Und ein Schamgefühl.

          SB: Ja.

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