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Illustration: Kat Menschik

Unsere Weihnachtsempfehlungen

3. Dezember 2020 · Noch ist genug Zeit für die wirklich wichtigen Dinge: In sechs Rubriken empfiehlt die Feuilleton-Redaktion Filme, Bücher, Alben, Serien, Ideen, Haltungen, Hoffnungen und Hits.

Für kleines Geld

Sibylle Anderl
Sibylle Anderl
„Das Damengambit“
Stream auf Netflix, (Probemonat kostenlos).
Die wunderbare Miniserie über das Schachtalent Elizabeth Harmon bedient (mindestens) zwei Zielgruppen – diejenigen, die sich gerne in logische Denkräume flüchten, genau wie Liebhaber der Mode der fünziger und sechziger Jahre.
Jan Brachmann
Jan Brachmann
Andreas Brantelid, Bengt Forsberg: „Russian Tales“.
1 CD, Naxos, ca. 10,– €.
Sonaten und Miniaturen für Violoncello und Klavier von Alexander Glasunow und Nikolaj Mjaskowski – Musik von lyrischer Wärme und herbstlicher Klarheit.
Dietmar Dath
Dietmar Dath
„Clarkesworld“. Magazin, Ausgabe 169, Oktober 2020.
www.clarkesworldmagazine.com. 148 S., br., 7,14 €.
Auf den Seiten 41 bis 72 steht eine Erzählung, die alles über Strategie und Taktik weiß, was ängstliche, aber solidarische Intelligenz derzeit wissen sollte. Psssst.
Andrea Diener
Andrea Diener
Kathrin Röggla: „Bauernkriegspanorama“.
Verbrecher Verlag, Berlin 2020. 60 S., geb., 12,– €.
Nur ein Essay, aber was für einer: Kathrin Röggla denkt sich die deutsche Gegenwart als großes Schlachtengemälde.
Rose-Maria Gropp
Rose-Maria Gropp
Sigmund Freud: „Das Unheimliche“.
Hrsg. von Oliver Jahraus. Reclam Verlag, Ditzingen 2020. 132 S., br., 4,40 €.
Freud erkennt, dass das Unheimliche nichts Fremdes, sondern die andere Seite des schon immer Vertrauten ist. Die berühmte kleine Studie von 1919 ist aktuell genug.
Hannes Hintermeier
Hannes Hintermeier
Jakob Hessing: „Der jiddische Witz“. Eine vergnügliche Geschichte.
C. H. Beck Verlag, München 2020. 172 S., br., 12,95 €.
Mit der Vernichtung des Ostjudentums ging auch der jiddische Witz unter. Hessing macht deutlich, welch großartiger und tiefsinniger Humor da verlorenging.
Jürgen Kaube
Jürgen Kaube
Thomas W. Gaethgens: „Notre-Dame“. Geschichte einer Kathedrale.
Verlag C. H. Beck, München 2020. 128 S., 43 Abb., br., 9,95 €.
Hundert Jahre Bauzeit, 850 Jahre Dauer, genutzt von Königen, der Kirche und Anthony Quinn – hier die kompakte Antwort auf die Frage, was Überlieferung heißt.
Sandra Kegel
Sandra Kegel
Hilary Mantel: „Spiegel und Licht“. Roman.
Dumont Buchverlag, Köln 2020. 1200 S., geb., 32,– €.
Wer war Thomas Cromwell wirklich? Nach zehn Jahren, drei Bänden und 2500 Seiten liegt uns nun Hilary Mantels Antwort vor. An ihr führt kein Weg vorbei, um England zu begreifen.
Freddy Langer
Freddy Langer
„Langenscheidt OhneWörterBuch – 650 Zeigebilder für Weltenbummler“.
Langenscheidt Verlag, Berlin 2020. 76 S., Abb., br., 6,99 €.
Wie heißt Trinkwasser in Afghanistan oder Ketchup in Zaire? Mit diesem Buch braucht keiner mehr Vokabeln. Für jeden Wunsch gibt es ein Bild.
Verena Lueken
Verena Lueken
Gutschein für einen oder mehrere Filme später einmal im Lieblingskino.
Ab 10 Euro. Oder für zwei mit Getränken und Snacks ab 25 Euro.
Weil die Kinos unbedingt Unterstützung brauchen und ein Gutschein die Gewissheit nährt, dass sie auch wirklich wieder aufmachen.
Helmut Mayer
Helmut Mayer
Rudolf Borchardt: „Der leidenschaftliche Gärtner“.
Illustrationen von Pauline Altmann, Nachwort von Christian Welzbacher. Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2020. 334 S., br., 12,– €.
Könnte auch unter „Klassiker“ und „Extravagantes“ stehen und ist nun unter den Paperbacks angekommen.
Melanie Mühl
Melanie Mühl
Der Podcast „Hotel Matze“.
Kostet nichts, nur ein bisschen Zeit, denn die Interviews, die Matze Hielscher mit seinen oft prominenten Gästen führt, dauern durchaus mal eineinhalb, zwei Stunden. Dafür geben die Interviewten oft erstaunlich interessante Einblicke in ihr Leben und Schaffen.
Andreas Platthaus
Andreas Platthaus
Christine Wunnicke: „Nagasaki, ca. 1642“. Novelle.
Berenberg, Berlin 2020. 96 S., br., 14,– €.
Viel billiger wird große Literatur nicht mehr. Und preiswerter ist auch keine Kulturreise ins alte Japan zu haben. Höchstens mit Kurosawas „Sieben Samurai“ auf DVD. Kostet aber einen Euro mehr.
Ursula Scheer
Ursula Scheer
Schirn Podcast, zu finden auf schirn.de/magazin/podcasts/.
Kostenlos, aber nicht umsonst:
Das Online-Magazin der Schirn Kunsthalle Frankfurt geht in seinen kurzweiligen Podcasts so interessante Fragen nach wie: Können Maschinen kreativ sein? Oder: Wie netzwerken Surrealistinnen?
Kai Spanke
Kai Spanke
www.allaboutbirds.org/cams/.
Im Internet.
Die Webcams des Cornell Lab of Ornithology zeigen Futter- und Brutplätze interessanter Vogelarten. Wer wissen will, wie Albatrosse landen und Blauhäher streiten, ist hier richtig. Kein Geschenk im eigentlichen Sinn, aber ein Geheimtipp.
Tilman Spreckelsen
Tilman Spreckelsen
Anonym: „Das Sägewerk“.
Aus dem Französischen von Konstantin Meisel. Wagenbach, Berlin 2020. 160 S., br.., 12,– €.
Weil er durchs Abitur gefallen ist, heuert der junge Erzähler in einem Sägewerk an. Was das mit ihm macht, beschreibt er faszinierend dicht und schonungslos.
Jan Wiele
Jan Wiele
„Chilly Gonzales über Enya“.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020. 96 S., geb., 10,– €.
Die irische Sängerin Enya wurde schon viel parodiert, aber wie der Bademantel-Pianopädagoge Chilly Gonzales an ihr den menschlichen Urwunsch nach Schlafliedern erklärt, ist doch nochmal witzig.
Elena Witzeck
Elena Witzeck
„Die Leiden der Herzsportgruppe Ulrichstein“. Texte und Dokumente 2014–2019.
Berlin 2020. 250 S., br., 13,– €.
Für alle, denen Livemusik fehlt: Die Band Von Wegen Lisbeth hat ihre sorglosen Tourtagebücher veröffentlicht. Geeignet für den Ausklang eines viel zu ernsten Jahres.

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Was weiterhilft



Illustration: Kat Menschik

Was weiterhilft

Sibylle Anderl
Sibylle Anderl
Adam Kucharski: „Das Gesetz der Ansteckung“.
Aus dem Englischen von Karsten Petersen. HIrzel Verlag, Stuttgart 2020. 244 S., geb., 26,– €
Es ist beruhigend, wie viel anderes wir mit all dem 2020 angeeigneten epidemiologischen Wissen verstehen können: Börsencrashs, Moden oder die Soziale Medien.
Jan Brachmann
Jan Brachmann
Martin Rempe: „Kunst, Spiel, Arbeit“. Musikerleben in Deutschland, 1850 bis 1960.
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2020. 400 S., geb., 60,– €.
Flüssig zu lesende sozialgeschichtliche Studie über Musik als Beruf, auch über die Wurzeln einer Ideologie der Systemrelevanz.
Dietmar Dath
Dietmar Dath
Apollo Brown & Che’ Noir: „As God Intended“.
1 CD. Mello Music Group (Membran), ca. 12,– €.
Weil die Kunst der Menschen das ist, was der liebe Gott braucht, um sich von allem anderen zu erholen, was die Menschen tun.
Andrea Diener
Andrea Diener
Michael Maar: „Die Schlange im Wolfspelz“.
Rowohlt Verlag, Hamburg 2020. 655 S., geb., 34,– €.
Wie literarischer Stil funktioniert, das liest man hier sehr unterhaltsam, und ein paar Autoren, die es verdienen, werden auch gedisst. Dazu verlängert dieses Buch die eigene Leseliste beträchtlich.
Rose-Maria Gropp
Rose-Maria Gropp
Michael Maar: „Die Schlange im Wolfspelz“. Das Geheimnis großer Literatur.
Rowohlt Verlag, Hamburg 2020. 655 S., geb., 34,– €.
„Beim Stil kommt es auf jedes Wort an – worauf sonst?“ Maar urteilt schonungslos elegant, voller Witz, streitbar. Nicht verzweifeln, lesen und – weiterschreiben!
Hannes Hintermeier
Hannes Hintermeier
Petra Morsbach: „Der Elefant im Zimmer“. Über Machtmissbrauch und Widerstand. Essay.
Penguin Verlag, München 2020. 368 S., geb., 22,– €.
Eine Schriftstellerin, die immer wieder aufs Neue überrascht und sich doch treu bleibt – als Dienerin der Wahrheit. Gibt es nicht? Doch.
Jürgen Kaube
Jürgen Kaube
David Acheson: „The Wonder Book of Geometry“. A Mathemagical Story.
Oxford University Press, London 202o. 279 S., br., ca., 13,– €.
Von Euklid bis Malfatti und darüber hinaus gilt: Linien sind keine Striche. Eine elegante Einführung in die Sache mit den Winkeln, Parallelen und Kreisen.
Sandra Kegel
Sandra Kegel
Christine Wunnicke: „Die Dame mit der bemalten Hand“. Roman.
Berenberg Verlag, Berlin 2020. 168 S., br., 22,– €.
Höchste sprachliche Verdichtung bei gleichzeitig weit geöffneten Fenstern. Die kunstvolle Prosa dieser Autorin schillert und leuchtet, dass es ein Vergnügen ist.
Freddy Langer
Freddy Langer
Aby Warburg: „Bilderatlas Mnemosyne“.
Hrsg. vom Haus der Kulturen der Welt. Hatje Cantz, Ostfildern 2020. 184 S., Abb., geb., 200,– €.
Schluss mit dem Geniekult! Alles schon einmal dagewesen. Motive, Bilder, Ikonen: Aby Warburg legte die Spuren von Traditionen frei bis zurück nach Babylon.
Verena Lueken
Verena Lueken
Toni Morrison: „Selbstachtung“.
Aus dem Englischen von Thomas Pilz u.a. Rowohlt Verlag, Hamburg 2020. 544 S., geb., 24,– €.
Bei Fragen nicht nur an die amerikanische Literatur ist Toni Morrison die beste Adresse, bei Fragen danach, was es mit dem Rassismus auf sich hat, auch.
Helmut Mayer
Helmut Mayer
Michael Tomasello: „Mensch werden“. Eine Theorie der Ontogenese.
Aus dem Englischen von Jürgen Schröder. Suhrkamp Verlag, Berlin 2020. 542 S., geb., 34,– €.
Wie man einige sehr große Fragen überzeugend auf empirisch traktierbares Terrain holt.
Melanie Mühl
Melanie Mühl
Malin Lindroth: „Ungebunden“. Das Leben als alte Jungfer.
Piper Verlag, München 2020. 112 S., br., 12,– €.
Das Buch zur Stunde. Denn es geht der Einsamkeit auf den Grund, zeigt uns, wie sehr die Zweisamkeit als Lebensmodell überhöht wird, und spendet Trost.
Andreas Platthaus
Andreas Platthaus
Joe Sacco: „Wir gehören dem Land“.
Aus dem Englischen von Christoph Schuler. Edition Moderne, Zürich 2020. 256 S., br., 25,– €.
Hilft vor allem, in diesen Zeiten einmal weiter wegzukommen. Der Comicreporter Joe Sacco reist für uns zu den First Nations in die kanadischen Nordwestterritorien.
Ursula Scheer
Ursula Scheer
Maggie O‘Farrell: „Judith und Hamnet“. Roman.
Aus dem Englischen von Anne-Kristin Mittag. Piper Verlag, München 2020. 416 S., geb., 22,– €.
Holt vom Sockel: Eine Frau, zwei Kinder, eines davon schwer krank, und der Vater weit weg – Maggie O‘Farell imaginiert eindrucksvoll Shakespeares Familiengeschichte.
Kai Spanke
Kai Spanke
Die Ärzte: „Hell“.
Doppelvinyl-Buch in Halbleinen. Hot Action Records 2020, ca. 36,– €.
Das Auge hört mit. Deswegen haben Die Ärzte ihr neues Album so hübsch verpackt, dass selbst sturen Streamingfans die Argumente ausgehen dürften. Wem hilft das? Unserem Gespür für Ästhetik.
Tilman Spreckelsen
Tilman Spreckelsen
Kurt Drawert: „Dresden – Die zweite Zeit“.
Verlag C. H. Beck, München 2020. 294 S., geb., 22,– €.
Drei Jahrzehnte nach dem Wegzug kehrt der Autor nach Dresden zurück: als Stadtschreiber, der nicht nur den Ort erkunden will, sondern auch die schmerzliche Verstrickung der eigenen Familie.
Jan Wiele
Jan Wiele
Gillian Welch: „Boots No. 2: The Lost Songs, Vol. 1–3“.
3 CDs oder 3 LPs, ca. 42 oder ca. 67 €. Bestellbar unter gillianwelch.com.
Dieses Bootleg mit 48 bislang unveröffentlichten Songs, natürlich im Duett mit Dave Rawlings, hilft, das Stimmwunder der Königin des Alternative Country zu verstehen.
Elena Witzeck
Elena Witzeck
Christina Maria Landerl: „Alles Von Mir“. Roman.
Müry Salzmann Verlag, Salzburg 2020. 128 S., geb., 19,– €.
Landerl schreibt düster und verzaubert von eine Reise durch Amerikas Süden. Wir lernen: Mehr ziellos und allein losfahren. Genauer hinsehen. Und nie wieder Roadtrip ohne Billie Holiday.

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Klassiker



Illustration: Kat Menschik

Klassiker

Sibylle Anderl
Sibylle Anderl
Øystein Linnebo: „Philosophy of Mathematics“.
Princeton University Press, Princeton 2020, 216 S., Taschenbuch, englisch, 18,99 £
Die Mathematik ist das wohl faszinierendste Werkzeug unserer Welterschließung und dabei mindestens so rätselhaft wie erfolgreich – ein Fall für philosophische Klärung.
Jan Brachmann
Jan Brachmann
Ludwig van Beethoven: „Missa solemnis“. Wort/Werk/Wirkung.
Carus Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2020. 144 S., mit CD, geb., 28,– €
Meinrad Walter, Hans-Joachim Hinrichsen und Jakob Johannes Koch liefern eine ebenso kenntnisreiche wie konzise Einführung zu einem kolossalen Werk.
Dietmar Dath
Dietmar Dath
Triptykon with the Metropole Orkest: „Requiem (Live At Roadburn 2019)“.
1 CD. Century Media (Sony), ca. 13,– €.
Hoffnungslose Schönheit ohne Bullshit. Haben wir als Publikum eigentlich nicht verdient, aber diese Leute sind halt großzügig.
Andrea Diener
Andrea Diener
„Emma“ (2020).
1 DVD, 120 Min., ca. 12,– €.
Jane Austens unsympathischste Heldin, aber mit so viel Sinn für Komik und Details wie bei Autumn de Wilde wurde sie noch nie inszeniert. Und man kann schönen Menschen beim Picknicken zuschauen.
Rose-Maria Gropp
Rose-Maria Gropp
Alfons Kaiser: „Karl Lagerfeld“. Ein Deutscher in Paris.
Verlag C. H. Beck, München 2020. 382 S., Abb., geb., 26,– €.
Vom Sohn eines deutschen Kondensmilch-Fabrikanten zum Haute-Couture-Zaren in Paris: Diese große Lagerfeld-Biographie ist zugleich Mode- und Kulturgeschichte.
Hannes Hintermeier
Hannes Hintermeier
Gustave Flaubert: „Lehrjahre der Männlichkeit“. Roman.
Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Hanser Verlag, München 2020. 800 S., geb., 42,– €.
Früher wurde die „L’éducation sentimentale" mit „Gefühl“, „Herz“ und „Empfindsamkeit“ übersetzt. Elisabeth Edls Neuansatz überzeugt.
Jürgen Kaube
Jürgen Kaube
Wyndham Lewis: „Die Affen Gottes“.
Aus dem Englischen von Jochen Beyse und Rita Seuß. Diaphanes Verlag, Zürich 2020. 776 S., geb., 40,– €.
Angriffslust als ästhetisches Motiv: Die Satire eines Malers und Schriftstellers auf die Bohème um 1930, erstmals auf Deutsch.
Sandra Kegel
Sandra Kegel
Jürgen Kaube: „Hegels Welt“.
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2020. 592 S., geb., 28,– €.
Biographie und Ideengeschichte, die Leben und Denken des Philosophen zusammenbringt mit einer im Umbruch begriffenen Welt – und das auf fast sechshundert federleichten Seiten.
Freddy Langer
Freddy Langer
Helmut und June Newton: „Helmut Newton“.
Taschen Verlag, Köln 2020. 464 S., Abb., geb., 1000,– €.
Im Jahr 1999 eröffnete der Band als größtes Fotobuch der Geschichte Taschens Sumo-Reihe, so groß wie ein Kinderbett. Nun gibt es ihn eine Nummer kleiner – als Baby- Sumo, zehn Kilo, mit Bücherständer.
Verena Lueken
Verena Lueken
Julia Voss: „Hilma af Klint – ,Die Menschheit in Erstaunen versetzen‘.“
S. Fischer Verlag, Frankfurt 2020. 600 S., Abb., geb., 25,– €.
Am Anfang einer neuen Kunstgeschichte die erste umfassende Biographie der schwedischen Künstlerin, die Jahrzehnte nach ihrem Tod ihr Publikum staunen machte..
Helmut Mayer
Helmut Mayer
Gustave Flaubert: „Lehrjahre der Männlichkeit“.
Hrsg. und aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Carl Hanser Verlag, München 2020. 800 S., geb., 42,– €.
Die neue Pléiade-Ausgabe wird sich bemühen müssen, um mit dem Kommentar dieser exzellenten Übersetzung gleichzuziehen.
Melanie Mühl
Melanie Mühl
Fjodor M. Dostojewski: „Aufzeichnungen aus einem toten Haus“.
Hrsg. und aus dem Russischen von Barbara Conrad. Carl Hanser Verlag, München 2020. 544 S., geb., 36,– €.
Barbara Conrad legt eine hochgelobte Übersetzung mit einem kenntnisreichen Nachwort vor.
Andreas Platthaus
Andreas Platthaus
Tom Petty: „Wildflowers & All the Rest“.
4 CDs, Warner Records, ca. 50,– €.
Ja, ein gerade mal 26 Jahre alter Klassiker, mustergültig aufbereitet. Und mit dem schönsten Satz des Petty-Gesamtwerks: „Most things I worry about never happen anyway.“ Ach, wäre es doch wahr.
Ursula Scheer
Ursula Scheer
Kurt Pinthus (Hrsg.): „Menschheitsdämmerung“. Anthologie.
Die Gedichtsammlung schlechthin aus einer und für eine Welt im Umbruch – zum Hundertsten in wunderbarer Jubiläumsausgabe
Kai Spanke
Kai Spanke
Raymond Chandler: „Die kleine Schwester“. Roman.
Aus dem Englischen von Robin Detje. Diogenes Verlag, Zürich 2020. 352 S., geb., 24,– €.
Legendärer Hard-Boiled-Klassiker, der auf Deutsch nie cooler klang als in der stilsicheren Übersetzung von Robin Detje.
Tilman Spreckelsen
Tilman Spreckelsen
„Welt der Renaissance“.
Hrsg. und aus dem Italienischen und Lateinischen von Tobias Roth. Verlag Galiani, Berlin 2020. 640 S., Abb., geb., 89,– €.
Eine Sammlung mit 350 Texten von knapp siebzig Autoren, in der sich die schönste Leselust mit großem Erkenntnisgewinn verbindet.
Jan Wiele
Jan Wiele
Bernward Vesper: „Die Reise“. Romanessay.
März Verlag, Frankfurt 1977 (antiquarisch), oder Rowohlt Verlag, Reinbek 1983 (lieferbar). Letztere Ausgabe 720 S., br., 12,99 €.
Autofiktion? Memoir? Traum-Trip? Modernes Märchen? Alles in einem: ein unterschätztes Werk, das viele heutige Prosa blass aussehen lässt.
Elena Witzeck
Elena Witzeck
Virginia Woolf: „Ein Zimmer für sich allein“.
Aus dem Englischen von Antje Rávic Strubel. Kampa Verlag, Zürich 2020. 182 S., br., 12,– €.
Was brauchen Frauen, um befreit denken und Bleibendes hinterlassen zu können? Wurde noch nicht von der Zeit überholt, macht jede Quarantäne erträglicher.



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Kindersachen



Illustration: Kat Menschik

Kindersachen

Sibylle Anderl
Sibylle Anderl
Jon Agee: „Ist da jemand?“
Aus dem Englischen von Ebi Naumann. Thienemann Verlag, Stuttgart 2019. 32 S., Abb., geb., 13,– €. Drei Marsmissionen sind 2020 gestartet, um zu erkunden, ob sich auf dem roten Planeten Leben entwickeln konnte. Hier wird über mögliche Funde spekuliert.
Jan Brachmann
Jan Brachmann
Corinna Simon: „Klavier für Kinder“. Teil 2.
1 CD, Sony, ca. 15,– € Corinna Simon spielt Unterrichtsliteratur von Bach bis Bartók für Kinder, die Klavier lernen oder lieben. Besonders schön: die Stücke von Jacques Ibert und Paul Juon.
Dietmar Dath
Dietmar Dath
Unterscheiden. Vergleichen. Folgern. Messen. Raten. Testen. Statistik. Begründen. Beweisen.
Wer den Kleinen diese lustigen Spiele beibringt, rettet sich selbst, die Kleinen und überhaupt das Ganze. Wer jedoch mal rausguckt, weiß: Es ist schon fast zu spät.
Andrea Diener
Andrea Diener
Piotr Socha und Wojciech Grajkowski: „Bäume“.
Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2020. 80 S., Abb., geb., 25,– €. Voller Fakten und Details zum Gucken und Lesen für sämtliche Generationen. Hinterher weißt man wirklich fast alles über Bäume. (Einen Band über Bienen gibt’s auch!)
Rose-Maria Gropp
Rose-Maria Gropp
„Imagoras – Die Rückkehr der Bilder“.
Ein Städel Game für Kinder (ab 8 Jahren). imagoras.staedelmuseum.de. Spiele-App für Tablet-PCs. Kostet nichts. Spannende (und lehrreiche) Reise in die Welt der Kunst, mit dem lustigen Begleiter „Flux“. Macht viel Lust auf den Besuch im Museum.
Hannes Hintermeier
Hannes Hintermeier
René Goscinny & Albert Uderzo: „Asterix – Der goldene Hinkelstein“.
Egmont Comic Collection, Köln 2020. 48 S., geb., 13,– €. Kein Comic, eine illustrierte Geschichte aus dem Jahr 1967, erstmals übersetzt. Troubadix will einen Sängerwettbewerb gewinnen, Asterix und Obelix begleiten ihn.
Jürgen Kaube
Jürgen Kaube
Jean-Luc Bannalec, Tilman Spreckelsen (Hrsg.): „Die schönsten bretonischen Sagen“.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020. 240 S., geb., 24,– €. Von Franzosen attestiert: In der Bretagne gibt es die meisten Feen, Trolle und Teufel. Hinter praktisch jedem Baum eine Geschichte.
Sandra Kegel
Sandra Kegel
„Ein Mann des Meeres". André Wiersig erzählt sein Schwimmen durch die Ocean’s Seven.
4 CDs. Supposé-Verlag, Wyk auf Föhr 2020. Zus. 305 Min., 34,80 €. Auch für Nichtschwimmer geeignet ist dieses atemraubende Hörbuch von einem, der auszog, die Meere zu durchqueren.
Freddy Langer
Freddy Langer
Steve McCurry: „Die Welt in meinen Augen“.
Knesebeck Verlag, München 2020. 208 S., Abb., geb., 60,– €. Vielfalt der Kulturen kennen Kinder aus dem Internet. Bei diesem Romantiker kann man aber sicher sein, dass er selbst bei größter Armut ein Moment von Anmut findet.
Verena Lueken
Verena Lueken
Christina Steinlein, Mieke Scheier: „Ohne Wasser geht nichts!“ Alles über den wichtigsten Stoff der Welt.
Beltz & Geldberg, Weinheim 2020. 96 S., Abb., geb., 14,95 €. Warum Wasser sparen und wie? In Bildern und Texten werden Antworten auf diese Fragen auch für Kinder augenfällig.
Helmut Mayer
Helmut Mayer
Eva Dax, Sabine Dully: „Die kleine Motte, die davon träumte, anders zu sein“.
Knesebeck Verlag, München 2020. 32 S., Abb., 13,– €. Ab vier Jahren. Nicht bunt wie die schnöseligen Schmetterlinge ist die Motte, aber ihr gehört die Nacht. Das gibt doch zu denken.
Melanie Mühl
Melanie Mühl
María Isabel Sánchez Vegara: „Greta Thunberg“. Little People, Big Dreams.
Illustriert von Anke Weckmann. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Insel Verlag, Berlin 2020. 32 S., geb., 13,95 €. Nichts gegen die bei Mädchen so beliebte Conny, aber neue role models schaden ja nicht.
Andreas Platthaus
Andreas Platthaus
Matthew Forsythe: „Pokko und die Trommel“.
Aus dem Englischen von Rita Fürstenau. Rotopol Verlag, Kassel 2020. 64 S., geb., 18,– €. Kleines Mädchen macht großen Lärm, kleine Geschichte macht großen Spaß, kleiner Verlag macht großes Buch.
Ursula Scheer
Ursula Scheer
Michael Bright, Hannah Bailey: „Als der Mensch auf Bäumen saß“.
A. d. Englischen von Susanne Schmidt-Wussow. Knesebeck Verlag, München 2020. 64 S., Abb., geb., 18,– €. Nicht nur für zukünftige Paläo-Anthropologen: Michael Bright und die Illustratorin Hannah Bailey reisen zu unseren Ursprüngen.
Kai Spanke
Kai Spanke
V. C. Vickers: „Das Buch der schrägen Vögel / Strange Birds“.
Aus dem Englischen von Harald Beck. Reclam Verlag, Ditzingen 2020. 88 S., Abb., geb., 18,– €. Wenn Fabelvögel auf gewitzte Verse treffen, kann nichts schief- gehen, was dieses 1913 erstmals erschienene Buch illustriert.
Tilman Spreckelsen
Tilman Spreckelsen
Andreas Steinhöfel: „Rico, Oskar und das Mistverständnis“.
Mit Bildern von Peter Schössow. Carlsen Verlag, Hamburg 2020. 336 S., geb., 16,– €. Jeder Band dieser Reihe um zwei eigensinnige, herzensgute Freunde ist klug und glänzend erzählt, dieser, der fünfte, ist der beste.
Jan Wiele
Jan Wiele
Die Konsequenz: „Sage ja zum Nein“.
1 CD. Wäscheständer Productions, Stuttgart 2020, 12,– €. Kinder haben schon so viel. Was haben gestresste Eltern? Vielleicht comic relief durch dieses zynische Liedermacher-Konzeptalbum über ihr Leben. Anspieltipps: „Familotel“ und „Guter Apfelschnitz“.
Elena Witzeck
Elena Witzeck
María Isabel Sánchez Vegara: „David Bowie“.
Illustriert von Ana Albero. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Insel Verlag, Berlin 2020. 32 S, geb., 14– €. Als der kleine David die Welt zu seiner Show machte: „Little People, Big Dreams“ erzählt die Lebensgeschichten von großen Träumern.

Nächstes Kapitel:

Muntermacher



lllustration: Kat Menschik

Muntermacher

Sibylle Anderl
Sibylle Anderl
Will Kurt: „Bayesian Statistics the Fun Way“.
No Starch Press, San Francisco 2019. 256 S., br., ca. 35,– €. Wie wichtig Statistik ist, haben wir in diesem Jahr alle gelernt. Wie viel Spaß sie gleichzeitig machen kann, zeigt Will Kurt mit ausgefallenen Beispielen und Aufgaben zum Selberrechnen.
Jan Brachmann
Jan Brachmann
Orlando Figes: „Die Europäer“. Drei kosmopolitische Leben und die Entstehung europäischer Kultur.
Hanser Verlag, München 2020. 640 S., geb., 34,– € Kunst und Kapitalismus gehören eng zusammen; Europas Westen strotzt vor kultureller Arroganz; die größten Europäer waren Russen.
Dietmar Dath
Dietmar Dath
Greg Egan: „Dispersion“.
Subterranean Press, Burton 2020. 158 S., geb., ca. 38,- €. Falls es später noch welche gibt, die nachschauen wollen, werden sie nicht begreifen können, dass wir das nicht begriffen haben, was hier gemeint ist, zwischen allen Zeilen.
Andrea Diener
Andrea Diener
www.54books.de,
im Internet. Ja gut, auch das Internet hat schöne Texte. Ein paar der anregendsten standen in diesem Jahr im Kulturblog 54books. Kann man mal unterstützen.
Rose-Maria Gropp
Rose-Maria Gropp
Keith Jarrett: „Budapest Concert“.
2 CDs. ECM Records, 22,– €. Es begann mit „The Köln Con- cert“ 1975, seither ist Keith Jarrett ständiger Begleiter. Der Live-Mitschnitt von 2016 ist hinreißende Klangkunst des einzigartigen Jazz-Pianisten, zum Wachsein und für schweifende Phantasien.
Hannes Hintermeier
Hannes Hintermeier
Marie-France Hirigoyen: „Die toxische Macht der Narzissten und wie wir uns dagegen wehren“.
Marie-France Hirigoyen: „Die toxische Macht der Narzissten und wie wir uns dagegen wehren“. Aus dem Französischen von Thomas Schultz. Verlag C.H. Beck, München 2020. 236 S., br., 16,95 €.
Die Grande Dame der Viktimologie reitet gegen Trump und Konsorten. Lehrreich in jeder Lebenslage.
Jürgen Kaube
Jürgen Kaube
Christine Wunnicke: „Die Dame mit der bemalten Hand“. Roman.
Berenberg, Berlin 2020. 168 S., geb., 22,– €. Historische Romane müssen nicht a) als Wälzer erscheinen, b) von Tatsachen berichten, c) ihre Leserschaft langweilen. Sie können auch von Christine Wunnicke sein.
Sandra Kegel
Sandra Kegel
Heinz Bude, Bettina Munk, Karin Wieland: „Aufprall“. Roman.
Hanser Verlag, München 2020. 384 S., geb., 24,– €. Die West-Berliner Hausbesetzerszene wird in dieser Kollektiverinnerung greifbar als punkig-verspieltes Experiment mit offenem Ausgang. Nicht für alle ging das gut aus.
Freddy Langer
Freddy Langer
Ror Wolf: „Alles andre: ungewiß“.
Hrsg. von Michael Lentz. Schöffling Verlag, Frankfurt 2020. 224 S., Abb., geb., 26,– €. Waldmann lässt nichts aus, und Ror Wolf dichtet eilig hinterher. „Waldmann und die Witwe dort im Zimmer, Leser, das bleibt unter uns, wie immer.“ Dazu diese Collagen!
Verena Lueken
Verena Lueken
„Arts of the Working Class“. Straßenzeitschrift.
Abonnement für fünf Ausgaben über www.artsoftheworkingclass.org. 25,– €. Vielsprachige Kunstzeitschrift der besonderen Art, verkauft von Obdachlosen, die den Erlös behalten können. Es schreiben Künstlerinnen, Kuratoren, Kollektive.
Helmut Mayer
Helmut Mayer
Heike Behrend: „Menschwerdung eines Affen“. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung.
Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2020. 278 S., geb., 25,– €. Als Feldforscherin in Afrika lernen, wie eine Autobiographie zu schreiben sei, nüchtern und doch persönlich – und lehrreich obendrein.
Melanie Mühl
Melanie Mühl
Deniz Ohde: „Streulicht“. Roman.
Suhrkamp Verlag, Berlin 2020. 284 S., geb., 22,- €. Das eindrucksvolle Debüt von Deniz Ohde, das für den Deutschen Buchpreis nominiert war, schärft den Blick für soziale Ungleichheit und zeigt, was vom Bildungsversprechen übrig ist.
Andreas Platthaus
Andreas Platthaus
Anna Haifisch, Stefanie Leinhos: „Gnocchi, Gnocchi“.
Colorama Books, Berlin 2020. 28 S., br., 22,– €. Zweiman verzeihe das despektierliche Wort, aber es passt einfach zu gut – Ulknudeln zeichnen groteske Szenen aus dem Leben von Pasta aller Art. Und was diese Hartweizengrießgrame so alles erleben!
Ursula Scheer
Ursula Scheer
Räuchermännchen-Virologe
aus dem Erzgebirge, vorzubestellen bei Spielwarenmacher Günther in Seiffen, 80,– €. Wegen der großen Nachfrage leider nicht mehr zu Weihnachten, aber spätestens Ostern einsetzbar: Dieser Christian Drosten verblüffend ähnelnden Figur raucht der Kopf.
Kai Spanke
Kai Spanke
Sweet Spirit: „Trinidad“.
1 CD, Merge Records 2020, ca. 16,– €. Das eigentlich auf Rock spezialisierte Sextett aus dem texanischen Austin setzt diesmal auf Glam-Pop. Mal hypnotisch, dann wieder sophisticated groovt sich die Band durch neun Songs, für die gilt: All Killer, No Filler.
Tilman Spreckelsen
Tilman Spreckelsen
Ben Aaronovitch: „Ein weißer Schwan in Tabernacle Street“.
Dtv, München 2020. 432 S., br., 15,– €. Der achte Band der Kriminalromanserie um Peter Grant, der sich in London mit Magiern und Wassergottheiten herumschlägt. Möge er das noch lange tun.
Jan Wiele
Jan Wiele
Elke Erb: „Das ist hier der Fall“. Ausgewählte Gedichte.
Suhrkamp Verlag, Berlin 2020. 210 S., geb., 20,– €. Zwischen Klaustrophobie und Ekstase passt noch ein Gedichtverdacht: eine Anthologie der Büchner-Preisträgerin. „Und denke dir zum Abschluß Brombeerranken.“
Elena Witzeck
Elena Witzeck
Haiyti: „Sui Sui“.
1 LP. Warner. Ca. 34,– €. Nicht alles, aber „La La Land“, „Barrio“, „Toulouse“ und „Photoshoot“. Überdrehte Liebeserklärung an den Hiphop, die man am besten auf dem Rad im Großstadtverkehr hörte, wäre das nicht verboten wie das Meiste, von dem Haiyti singt.

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Etwas Extravagantes



Illustration: Kat Menschik

Etwas Extravagantes


Sibylle Anderl
Sibylle Anderl
Jon Larsen, Jan Braly Kihle: „The Atlas of Micrometeorites“.
Arthouse DGB 2020. https://geotop.no. 320 S., Abb., geb., 111,– €. Seit kurzem erst kennen wir die bezaubernde Schönheit winziger Mikrometeoriten. Der norwegische Musiker Jon Larsen offenbart sie uns in diesem limitierten Fotoband.
Jan Brachmann
Jan Brachmann
„Rarities of Piano Music 2019“.
1 CD, Danacord, ca. 20,– €. Exquisite Nachlese des Festivals „Raritäten der Klaviermusik“ in Husum 2019 mit einer schwärmerischen „Hommage à Bizet“ von Adorno und einer „Gepuderten Romanze“ von Verdis Verleger Ricordi.
Dietmar Dath
Dietmar Dath
David Corfield: „Modal Homotopy Type Theory“. The Prospect of a New Logic for Philosophy.
Oxford University Press, London 2020. 180 S., geb., ca. 74,– €. Selbst 2020 war also nicht überall nur Schwachsinn und der Kampf dagegen, sondern auch Fortschritt. Wer hätte das gedacht?
Andrea Diener
Andrea Diener
„Architekturführer Frankfurt 1980–89“.
Hrsg. von Freunde Frankfurts und Wilhelm E. Opatz. Junius Verlag, Hamburg 2020. 208 S., Abb., br., 44,– €. Im vierten Teil der Reihe werden zehn Bauten der Achtziger vorgestellt. Und die anderen Bände will man dann auch alle noch haben.
Rose-Maria Gropp
Rose-Maria Gropp
„Andy Warhol: Love, Sex & Desire“. Drawings 1950–1962.
Taschen, Köln 2020. 391 S., Abb., geb., 75,– €. Der andere Warhol: seine frühen Träume junger Männer, erstmals veröffentlicht. Die Zeichnungen sind verspielt, ironisch und intim, nicht keusch. Und sie erforderten Mut, die Zensur verbot solche Bilder.
Hannes Hintermeier
Hannes Hintermeier
Nadja Küchenmeister: „Im Glasberg“. Gedichte.
Schöffling & Co. Verlag, Frankfurt am Main 2020. 112 S., geb., 20,– €. Die Rückkehr in ein leeres Haus, abwesende Eltern: Vergängliches festzuhalten gelingt dieser Dichterin in bezaubernder Balance aus Alltagssprache und filigraner Zartheit.
Jürgen Kaube
Jürgen Kaube
V. C. Vickers: „Das Buch der schrägen Vögel / Strange Birds“.
Aus dem Englischen von Harald Beck. Reclam Verlag, Ditzingen 2020. 88 S., Abb., geb., 18,– €. Was ist ein Google? 1913 hat der britische Zentralbanker Vincent Vickers diese und andere Fragen über Nonsens-Vögel beantwortet.
Sandra Kegel
Sandra Kegel
Marie-Claire Blais: „Drei Nächte, drei Tage“. Roman.
Aus dem Französischen von Nicola Denis. Suhrkamp Verlag, Berlin 2020. 341 S., geb., 24,– €. Ihr Werk umfasst drei Dutzend Romane, sie war für den Nobelpreis im Gespräch und ist bei uns praktisch unbekannt. Bald wohl nicht mehr.
Freddy Langer
Freddy Langer
Damien Hearst: „Pharmacy London“.
Steidl Verlag, Göttingen 2020. 10 Bd., 3800 S., Abb., geb., 1500,– €. Eine hohe Dosis Hearst mit Fotografien aller 1832 Apotheken und deren Apothekern in London, verpackt in einer Arzneischachtel aus Holz – auf Wunsch mit einer Originalarbeit. Dann etwas teurer.
Verena Lueken
Verena Lueken
Isabelle Graw: „In einer anderen Welt“. Notizen 2014–2017.
DCV, Esslingen 2020, 200 S., br., 26,– €. Mythen des Alltags von heute und aus der Perspektive einer Frau beschrieben, darum geht es in diesem geistreichen Buch, das gleichzeitig auch ein Buch der Trauer und der Selbstbefragung ist.
Helmut Mayer
Helmut Mayer
Edi Zollinger: „Herkules am Spinnrad“. Rubens – Velázquez – Picasso.
Carl Hanser Verlag, München 2020. 175 S., Abb., geb., 24,– €.
Hier wird, zum Lob Arachnes, dicht gewebt – und an fürwahr außerordentlichen Deutungen von Gemälden und Texten.
Melanie Mühl
Melanie Mühl
Tatsuo Suzuki: „Friction/Tokyo Street“.
Steidl Verlag, Göttingen 2020. 164 S., 150 Abb., geb., 58,– €. Suzukis Straßenfotografie elektrisiert gleich auf doppelte Weise: Durch die Fremdheit Tokios sowie das pralle Leben, das wir im Moment so schrecklich vermissen.
Andreas Platthaus
Andreas Platthaus
William Kentridge: „Waiting for the Sibyl“.
Koenig Books, London 2020. 360 S., Abb., geb., 60,– €. Das tollste Künstlerbuch seit Jahren: Kentridge überzeichnet, überschreibt, übermalt die Seiten eines englischen Wörterbuchs mit Motiven seiner Kammeroper „Waiting for the Sibyl“. Überwältigend.
Ursula Scheer
Ursula Scheer
Massimo Listri: „Wunderkammern“.
Taschen, Köln 2020. 356 S., Abb., geb., 100,– €. Augenfutter für alle, denen Minimalismus definitiv zu wenig bietet: Der Fotograf Massimo Listri setzt in einem fünf Kilo schweren Prachtband bizarre Objekte aus barocken Kuriositätenkabinetten in Szene.
Kai Spanke
Kai Spanke
Ashok Sinha: „Gas and Glamour“. Roadside Architecture in Los Angeles.
Kehrer Verlag, Heidelberg 2020. 72 S., Abb., geb., 38,– €. L. A. ist nicht die Stadt der Engel, sondern der Autos. Die dazugehörige Googie-Architektur der vierziger bis siebziger Jahre beeindruckt noch heute. Dieser Band beweist es.
Tilman Spreckelsen
Tilman Spreckelsen
Paul Seesequasis: „Unter der Mitternachtssonne“.
Aus dem kanadischen Englisch von Leon Mengden. Verlag btb, München 2020. 185 S., Abb., geb., 25,– €. Indigene Gruppen in Kanada, jeweils differenziert dargestellt in Texten und in großartig ausgewählten Fotos aus vielen Jahrzehnten.
Jan Wiele
Jan Wiele
Silke Martin u. a.: „All You Need“. Auf kulinarischer Tour mit den Beatles.
Hölker Verlag, Münster 2020. 160 S., Abb., geb., 30,– €. Welcher Zusammenhang besteht zwischen „Let It Be“ und einem Rezept für Lammkeule? Gar keiner. Einfach trotzdem einen herzustellen, das nun ist: extravagant.
Elena Witzeck
Elena Witzeck
„Das Damengambit“.
Stream auf Netflix. Für die Protagonistin Beth (Anya Taylor-Joy) allein lohnt sich das Netflixabo – auch als Geschenk. Sieben Folgen sind zu schnell vorbei, aber der Vorsatz, Schacheröffnungen zu studieren, hält mindestens bis Neujahr an. Versprochen.

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 03.12.2020 10:57 Uhr