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Im Gespräch: Moritz von Uslar : Unglaublich lustig, nächste Frage bitte

  • Aktualisiert am

Interview-Pistolero: Moritz von Uslar in Berlin Bild: Gyarmaty, Jens

Der Journalist Moritz von Uslar hat aus Frustration an eintönigen Gesprächssituationen das „99-Fragen“-Interview erfunden. Ein Gespräch über Lust und Leiden des Interviewens.

          6 Min.

          Wir duzen uns, weil wir uns ewig kennen. Aber übers Interviewen haben wir uns noch nie unterhalten, also: Tust du es gerne, oder ist es jedes Mal schwer davor?

          Moritz von Uslar: Ich mach’s mittlerweile ganz gerne. Ich hab’s ja angefangen aus einer Faulheit heraus. Ein Interview ist erst mal dankbar, weil man einen kürzeren Arbeitsweg hat bis hin zum fertigen Text. Und ich führe sie immer noch, auch aus diesem Grund, ganz gern.

          Du hast ja die besondere Form der 100, später 99 Fragen erfunden, zunächst im „SZ“-, jetzt im „Zeit“-Magazin. Es geht darum, in kurzer Zeit möglichst viele Fragen zu stellen. Du kamst darauf, weil die Situation Star-Interview-in-Hotelzimmer, wo die Journalisten nur so durchgeschleust werden, so absurd ist. Weißt du noch, nach welchem dieser üblichen Interviews du dachtest, also so nicht mehr?

          Besonders sinnlos gewesen war ein Interview mit Gerhard Schröder, er war damals Kanzlerkandidat. Ich hatte ihm fünf, sechs Momente abgetrotzt, die dann vom Pressesprecher nicht freigegeben wurden. Und natürlich mit Hollywoodstars – Cameron Diaz, Patricia Arquette, Jennifer Lopez und so. Also diese üblichen 15-Minuten-Interviews, bei denen der Star, wenn man fragt, wie geht’s?, schon irritiert den Pressesprecher anguckt: Muss ich darauf antworten?

          Autorisieren lässt du aber noch, oder nicht?

          Ja, mittlerweile bin ich Autorisierungsfan. Ich stelle die Fragen mittlerweile so, dass ein „keine Ahnung“ eine prächtige Antwort ergibt. Oder ein „hierauf möchte ich nicht antworten“ – da klatscht man in die Hände und sagt: prima Antwort. Ich denk auch, wenn die Antworten, gerade bei Hollywoodstars, klein und verklemmt und mies ausfallen, gibt das ja irgendwie meiner Form recht.

          Du hast ja auch immer die Möglichkeit - kursiv gesetzt –, deine eigene Meinung oder deine Beobachtungen reinzuschreiben.

          Genau. Die Kursiv-Texte geben mir die Möglichkeit, auch aus dem Nichts dann noch ein funktionierendes Interview herzustellen. Ich kann ja sogar so weit gehen und in die Kursiv-Texte reinschreiben, was ich finde, was der Antwortgeber hätte sagen sollen, aber nicht gesagt hat, dummerweise. Und in dem Moment ist alles drin.

          Bei deinen Interviews ist die Hauptarbeit, nehme ich an, die Vorbereitung. Die Fragen alleine ergeben schon ein ziemlich klares Porträt der Interviewten. Was die dann jeweils sagen, ist eigentlich gar nicht so wichtig, oder doch?

          Es ist tatsächlich so, dass die 99 Fragen so konzipiert sind, dass mehr als die Hälfte des Inhalts vom Fragensteller kommt. Es zählt also weniger, was der Interviewte an diesem Nachmittag oder Morgen Lust hat zu sagen, als das, was der Interviewer sich über Tage zu der Person ausgedacht hat. Letztlich ist es, genau, ein Porträt.

          Das sieht man gut bei deinem Castorf-Interview. In seinem Fall wurden die 99 Fragen einfach ohne seine Antworten gedruckt, weil er extrem kurzfristig abgesagt hatte.

          Ich wollte das immer einmal machen und bin ganz glücklich, dass es jetzt gemacht ist – den Gag kann man wirklich nur einmal machen, sonst wird’s echt traurig. Es ist doch was Schönes, wenn ein Interviewter auch was sagt.

          Das Einzige, was ich bei deiner Form manchmal schade finde, ist, dass das Konzept keine Rückfragen zulässt. Also, selbst wenn die was Superinteressantes sagen, musst du ja mit der nächsten, schon vorher feststehenden Frage weitermachen.

          Oh ja, das finde ich auch oft. Das Einzige, was ich in diesen Fällen mache, wenn ich die Interviews live führe, ist, dass ich diese Schwäche reflektiere. Und sage, schade dass ich jetzt nicht nachfrage, weiter geht’s. Damit signalisierst du dem Befragten, aber auch dem Publikum, wir kriegen mit, dass hier eine Schwachstelle ist, und dann ist sie besser erträglich.

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