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Gefräßige Kulturfolger : Käferquartett aus dem Museum

  • -Aktualisiert am

Einzeln ganz niedlich: die Blattlaus Bild: dpa

Krabbeltiere auf dem Vormarsch: Im Garten wie im Museum machen Schädlinge sich als lästige Kulturfolger breit. Eine Konservatorin aus England spielt gegen die Plage nun Quartett.

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          Der Schrecken lauert auf der Blattunterseite: Wollläuse, kleine ekelerregende Pflanzensaftsauger, die dicht an dicht das Laub des Pflaumenbaums mit einem schmierig-weißen Pelz überzogen haben. Oder Blattläuse, schwarz wie grün, Milben, Florfliegen – lang ist die Liste der Lebewesen, die Gartenliebhabern, Balkonbegrünern und Hochbeetfanatikern den Sommer vergällen können. Gallfliegen gibt es übrigens auch. Biodiversität kann durchaus lästig fallen, wenn sie in der Rolle des Kulturfolgers auftritt.

          In britischen Museen, wo sich ungestört von Besucherströmen während der Corona-Pandemie das Heer kleiner und kleinster Tiere, die nagend, schabend, spinnend den Sammlungen zu Leibe rücken, signifikant vergrößert hat, geht eine Konservatorin die Plage nun spielerisch an. Helena Jaeschke berät im Rahmen eines Entwicklungsprogramms für Museen im Südwesten Englands die Häuser in allen Fragen des Erhalts und schlug schon im Sommer vergangenen Jahres Alarm. Kleidermotten, Silberfische und Teppichkäfer machten sich breit. Mehr als zehn Prozent mehr Ungeziefer meldete der National Trust in seinen Einrichtungen.

          Gut gelaunt gegen Schadinsekten

          Die Rückkehr der Besucher wird das Problem nicht wie von Zauberhand lösen, der große Kehraus ist in vollem Gang. Weil man aber nur klug gegen ungebetene Gäste vorgehen kann, die man entdeckt und als Gefahr fürs Kulturgut erkannt hat, entwickelte Helena Jaeschke ein Schadinsekten-Quartett. „Save the Museum!“ heißt der Kartensatz, den sie mit ihrer Tochter, einer Spieledesignerin, gestaltet hat. Bilder der gefürchtetsten Krabbeltiere, Hinweise auf ihre Lebensweise, Nahrungsquellen und ihre Bekämpfung – etwa „einpacken und einfrieren“ – sollen dem Personal in den Museen beim Kampf gegen die Plagegeister helfen, ohne die Laune zu verderben. Das Spiel ist ein kurzweiliges, höchst lehrreiches Gruselkabinett. Man nehme nur den Buckelkäfer, optisch zwischen Zecke und Marienkäfer angesiedelt, dessen massenhaftes Auftreten in Altbauten gefürchtet ist. Dort bohrt er sich wenig wählerisch durch Papier, Textil, Pelz, Pflanzenteile.

          Dem Holzwurm zum Opfer gefallen: eine Muttergottes-Skulptur aus dem 13. Jahrhundert
          Dem Holzwurm zum Opfer gefallen: eine Muttergottes-Skulptur aus dem 13. Jahrhundert : Bild: dpa

          Wer nicht in Englands Südwesten in einem Museum arbeitet, kann bei „Save the Museum!“ vorerst nicht mitspielen, aber sich mit ähnlichen Karten-Sets für den Haus- und Gartengebrauch aus dem hiesigen Handel vergnügen. Da wäre etwa „Das Ungeziefer-Quartett“ mit den „fiesesten Ungeziefern auf 32 Karten“. Versammelt sind Schaben, Fliegen, Mücken, Läuse, Wanzen, Käfer, Motten, Flöhe, Milben, Zecken. Entomophobiker sollten besser die Finger davon lassen. Kategorisiert sind die unbeliebten Tiere nach Größe, Lebensdauer, Eiablage pro Weibchen, Entwicklung zur Imago, Generationen pro Jahr. Vielleicht ist das die Rache des Klimakrisen-Zeitalters mit – außerhalb verwaister Museen – massenweise sterbenden Insekten am allseits beliebten Autoquartett. Nach dem Motto: Zweihundert Eier pro Gelege übertrumpfen sechs Zylinder? Gegen die Wollläuse im Garten hilft das aber noch nicht weiter.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

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