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Ungarische Philosophin : Orbán-Kritikerin Agnes Heller gestorben

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Streitbar: Agnes Heller, 1929 bis 2019 Bild: Picture-Alliance

Sie war eine Schülerin von Georg Lukács und folgte Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl in New York. Jetzt ist die Orbán-Kritikerin mit 90 Jahren in einem ungarischen Seebad gestorben.

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          Die ungarische Philosophin und Soziologin Agnes Heller ist am Freitagabend im Alter von 90 Jahren im Plattensee-Bad Balatonalmadi gestorben. Dies bestätigte die Ungarische Akademie der Wissenschaften (MTA), deren Mitglied sie war und in deren Ferienheim sie zu ihrem Todeszeitpunkt Urlaub machte. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals „444.hu“ kam sie beim Schwimmen im Plattensee ums Leben.

          Heller war eine Schülerin des ungarischen marxistischen Philosophen Georg Lukács (1885-1971). Nach dem ungarischen Volksaufstand von 1956 stellte sie den sogenannten real existierenden Sozialismus – der die sowjetische Herrschaft über Osteuropa und damit ihre Heimat Ungarn einschloss – in Frage und wurde zur Dissidentin. 1977 emigrierte sie nach Repressionen des damaligen kommunistischen Regimes nach Australien. 1986 wurde sie Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York.

          Nach der demokratischen Wende 1989 kehrte sie nach Ungarn zurück. Sie wurde zu einer wichtigen und streitbaren Stimme eines modernen Liberalismus. Dies brachte sie in entschiedene Gegnerschaft zur Regierung des seit 2010 amtierenden rechtsnationalen, fremdenfeindlichen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Medienkampagnen der Regierungspresse, die ihr die Verschwendung von Forschungsgeldern vorwarfen, aber auf keinen Tatsachen beruhten, prallten an ihr ab.

          Auf Deutsch erschienen von ihr unter anderen „Theorie der Gefühle“ (1980), „Der Mensch der Renaissance“ (1988), „Der Affe auf dem Fahrrad. Eine Lebensgeschichte“ (1999) und zuletzt – in diesem Jahr – „Paradox Europa“.

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