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Unesco : Regensburgs Altstadt ist Weltkulturerbe

  • Aktualisiert am

Der Dom von Regensburg Bild: AP/Tourismusverband Ostbayern

Die Regensburger Altstadt ist von der Unesco in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden. Die besterhaltene mittelalterliche Großstadt Deutschlands ist damit die 32. Welterbestätte im Land.

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          Die mittelalterliche Altstadt von Regensburg ist zum Weltkulturerbe erklärt worden. Die Unesco nahm Regensburg am Donnerstag als 32. Stätte in Deutschland in die Liste der Denkmäler von „außergewöhnlichem universellem Wert“ auf.

          Die Donaustadt hat einen fast komplett erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern mit romanischer und gotischer Architektur. Wahrzeichen der Stadt sind der Dom St. Peter und die Steinerne Brücke über die Donau. Daneben gibt es rund 1.400 andere denkmalgeschützte Bauten in der Altstadt.

          Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte: „Diese hochrangige internationale Auszeichnung kann neue positive Impulse für Kultur, Wirtschaft und Tourismus in Regensburg geben, die auf ganz Bayern ausstrahlen.“ Regensburg hatte sich schon lange um die Anerkennung bemüht, die das zuständige Unesco-Komitee nun auf einer Tagung in Litauen beschloß. An der nördlichsten Stelle der Donau hatte der römische Kaiser Marc Aurel 179 nach Christus ein Castra Regina (Lager am Regen) für 6.000 Soldaten errichten lassen, von dem das eindrucksvolle Nordtor Porta Praetoria erhalten ist.

          Alte Stadt, neues Welterbe

          Residenz deutscher Kaiser

          Seit Karl dem Großen war Regensburg jahrhundertelang Residenz deutscher Kaiser und der bayerischen Herzöge. Fernhändler machten die Freie Reichsstadt im Hochmittelalter zu einer der wohlhabendsten und größten Städte Deutschlands. Als Weltwunder galt die Steinerne Brücke über die Donau, die im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Von der damaligen Blütezeit zeugen heute auch noch der gotische Dom, die prachtvoll erhaltene Altstadt und 20 Wohntürme, die reiche Patrizierfamilien nach italienischem Vorbild mitten in der Stadt errichtet hatten.

          Von 1663 bis 1806 war Regensburg Sitz des Immerwährenden Reichstages - „quasi der Vorläufer des Europaparlaments“, sagte der Regensburger Kulturreferent Klemens Unger. Die als Reichspostmeister berühmte Fürstenfamilie von Thurn und Taxis vertrat den Kaiser auf dem Reichstag und verlegte ihre Residenz deshalb von Frankfurt am Main nach Regensburg.

          EU-Zuschüsse für Denkmalschutz erhofft

          Die Auszeichnung Regensburgs zum Welterbe war bereits die dritte Unesco-Entscheidung über ein deutsches Denkmal in dieser Woche. Zuvor hatte die Unesco das Dresdner Elbtal wegen einer geplanten Brücke auf die „Rote Liste“ der besonders gefährdeten Denkmäler gesetzt (siehe auch: Neue Sanktion: Das Dresdner Elbtal auf der Roten Liste) und den Kölner Dom nach dem Verzicht auf Hochhausbauten in der Nachbarschaft von dieser Liste genommen (siehe auch: UNESCO-Sprecher: Kölner Dom von Roter Liste gestrichen).

          Kulturreferent Klemens Unger erwartet durch den Titel vor allem eine langfristige Profilierung im Tourismus. „Das Etikett 'Welterbe' dient vielen Touristen als Reiseplaner für ihre Route“, sagte Unger. Er erhoffe aus Brüssel auch „finanzielle Zuschüsse für größere Projekte“. Die Unesco selbst hat keinen Fonds, aus dem sie Welterbe-Stätten unterstützt. Verschärfte Vorschriften für den Erhalt der Altstadt gebe es nicht. „Es kommen keine neuen Spielregeln hinzu. Durch den Denkmalschutz und die Altstadtschutzverordnung sind wir schon auf einem so hohen Niveau, das durch das Prädikat 'Welterbe' nur noch geadelt wird“, sagte Unger.

          So regeln Vorschriften bereits, mit welchen Materialien denkmalgeschützte Häuser saniert werden dürfen und in welchem Umfang Werbung in der Regensburger Altstadt angebracht werden darf. Auch Neubauten sind nach Ungers Worten möglich - sofern sie sich in das Altstadtbild einfügen. Der Titel 'Welterbe' werde die Regensburger aber noch sensibler für Denkmalpflege machen. Mit einer 3.000 Seiten starken Bewerbungsschrift hatten die Regensburger sich um den Titel beworben. Jedes einzelne der über 1.400 denkmalgeschützten Häuser der Altstadt musste detailliert beschrieben werden.

          Aus der Begründung des Welterbekomitees:

          „An der Donau in Bayern gelegen beherbergt diese mittelalterliche Stadt viele außergewöhnliche Gebäude, welche die Geschichte als Handelszentrum und den regionalen Einfluß vom 9. Jahrhundert an belegen. Es sind eine bemerkenswerte Anzahl von geschichtlichen Strukturen aus zwei Jahrtausenden erhalten, darunter alte römische und gotische Bauwerke. Die Regensburger Architektur des 11. bis 13. Jahrhunderts bestimmt bis heute den Charakter der Stadt, beispielsweise durch hohe Häuser, enge Gassen und starke Befestigungen. Unter den Sehenswürdigkeiten befinden sich auch mittelalterliche Häuser und Türme der Patrizier, eine große Anzahl von Kirchen und adelige Ensembles sowie auch die Steinerne Brücke aus dem 12. Jahrhundert. Die Stadt ist weiter deshalb bemerkenswert, weil sie eine reiche institutionelle und religiöse Geschichte aufweist als ein Zentrum des Heiligen Römischen Reichs, welches zum Protestantismus wechselte.“ (dpa)

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