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Unesco : Neues Weltkulturerbe: Dresden, Bremen und Bad Muskau

  • Aktualisiert am

Weltkulturerbe: Dresdens Altstadt Bild: dpa

Deutsche Neuzugänge im Weltkulturerbe der Unesco: Das Dresdner Elbtal ist am Freitag morgen ebenso aufgenommen worden wie das Rathaus und der Roland in Bremen sowie der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau. FAZ.NET-Spezial.

          Das Dresdner Elbtal und Bremen sind in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufgenommen worden. Das barocke Ensemble der Dresdner Altstadt ist damit gemeinsam mit dem Elbtal zwischen dem Dorf Söbrigen bei Schloß Pillnitz im Osten und dem Schloß Übigau im Westen besonders geschützt. Auch Bremen mit seinem Rathaus und der Rolands-Statue sowie Bad Muskau mit dem Fürst-Pückler-Park wurden aufgenommen. Der Park liegt auf der Grenze Sachsens zu Polen und gilt als deutsch-polnisches Vorzeigeprojekt.

          Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) entschied sich am Freitag morgen (MEZ) auf seiner Tagung im ostchinesischen Suzhou dafür, teilte das Kunstministerium in Dresden mit. „Das kommt einer Erhebung in den Adelsstand gleich“, sagte Kunstminister Matthias Rößler (CDU) in einer ersten Reaktion.

          Durch den Titel gewinne die Stadt vor ihrer 800-Jahr-Feier 2006 zusätzlich an Prestige. „Vom Imagegewinn durch diese weltweit hoch begehrten Qualitätssiegel wird der ganze Freistaat profitieren.“ Die Entscheidung zum zweiten sächsischen Bewerber, dem Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, stehe noch aus. Als dritte Stadt hatte sich Bremen mit seinem historischen Rathaus und seinem Wahrzeichen, dem steinernen Roland, beworben.

          Bremens Marktplatz

          Einzigartige Kulturlandschaft

          Das Dresdner Elbtal vereint als einzigartige Kulturlandschaft städtische Architektur, ländliche Dorfkerne, Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Auf 19,3 Quadratkilometern Fläche finden sich baulich, historisch und naturkundlich bedeutsame Zeugnisse.

          Entlang der Elbufer sind auf 19,5 Kilometern Länge früheste Siedlungsspuren und Gräberfelder der Bronze- und Eisenzeit ebenso vorhanden wie mittelalterliche Dorfkerne, Festungsanlagen aus der Renaissance, Barock- und Residenzbauten des 19. Jahrhunderts, Villenquartiere der Gründerzeit, Zeugnisse des stadtnahen Weinbaus sowie naturnahe Hangwälder und bebauungsfreie Flußauen.

          Der legendäre Kurfürst August der Starke (1694-1733) machte die Altstadt mit repräsentativen Bauten wie Schloß, Hofkirche, Zwinger oder Frauenkirche zur Residenz. Später kamen Semperoper, Brühlsche Terrasse, Albertinum, Kunstakademie und Ständehaus hinzu. Jedes der Bauwerke steht als Sehenswürdigkeit für sich.

          Angeregt durch eine Kavalierstour nach Italien, entwickelte August der Starke die Idee der Elbe als eines Canale Grande, an dem nach dem Vorbild Venedigs Paläste und Schlösser zugänglich sein sollten. Endpunkte der Festkultur des lebenslustigen, kunstsinnigen und verschwenderischen Prunk liebenden Regenten waren Schloß Übigau im Westen und Schloß Pillnitz im Osten, die die heutige Kulturlandschaft Dresdner Elbtal begrenzen.

          Bremen im zweiten Versuch

          Die Hansestadt Bremen hatte sich schon 2003 mit ihrem historischen Stadtkern um den Unesco-Welterbe-Status beworben. Damals klappte es nicht, doch jetzt hatte die Bewerbung mit dem historischen Rathaus und dem Wahrzeichen der Stadt, dem steinernen Roland, Erfolg.

          Der Roland feiert in diesem Jahr seinen 600. Geburtstag. Seit 1404 wacht er auf dem Marktplatz direkt vor dem Rathaus über die Stadt. Nach einer alten Überzeugung ist die Freiheit Bremens solange nicht in Gefahr wie der 9,61 Meter hohe Riese noch aufrecht steht. Auf seinem Schild verkündet der Roland: „Vryheit do ik ju openbar“ (Die Freiheit, die ich Euch bringe). Rathaus und Roland stehen seit langem unter Denkmalschutz.

          Das Rathaus feiert 2005 seinen 600. Geburtstag. 1609 erhielt das Gebäude vom Architekten Lüder von Bentheim eine Renaissance-Fassade. Im ersten Stock hat Bremens Regierungschef Henning Scherf (SPD) seinen Amtssitz. Im Keller des Hauses lagern die ältesten Fassweine Deutschlands, unter anderen der 1653er Rüdesheimer Rosewein.

          Vorzeigeprojekt Pückler-Park

          Seinen Schöpfer trieb er in den finanziellen Ruin, heute gilt er als deutsch-polnisches Vorzeigeprojekt: der Pückler-Park in Bad Muskau, auf der Grenze Sachsens zu Polen. Auf 750 Hektar erstreckt sich die von Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) geschaffene Landschaft, zwei Drittel der Fläche liegen heute auf polnischem Boden. Deutsche und polnische Parkverwaltung arbeiten seit einigen Jahren eng zusammen.

          Seit Oktober verbindet beide Parkteile wieder eine Fußgängerbrücke. Ende des Zweiten Weltkriegs war sowohl die nun wiedererrichtete Doppelbrücke als auch die Englische Brücke über die Neiße zerstört worden. 200.000 Besucher kommen jährlich in den Park. Seit der Wiedervereinigung flossen auf deutscher Seite rund 25 Millionen Euro in das Projekt.

          Zumindest finanziell war der Park anfangs kein Erfolgsprojekt. 30 Jahre und ein Vermögen investierte der Fürst von Pückler-Muskau von 1815 an in den Landschaftspark, den er in englischem Stil entwerfen ließ. 1845 mußte er das Land aus Geldnot verkaufen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Park durch die neue Grenzziehung geteilt, 1955 wurde der deutsche Teil unter Denkmalschutz gestellt. 1992 wurde der Park Eigentum des Freistaates Sachsen, seit 1993 lenkt eine Stiftung in dessen Auftrag die Geschicke des deutschen Teiles. In ihrer Satzung verpflichtet sich die Stiftung, den Park „in den Dienst der Aussöhnung des deutschen und polnischen Volkes zu stellen“.

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