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Unbekannte Lyrik Kiplings entdeckt : Über die Presse

Der Commonwealth als Wohnung: Rudyard Kipling im Juni 1897 nach einer Zeichnung des „Windsor Magazine“. Bild: IMAGO

Aus Nachlässen und Reedereiarchiven: Ein kalifornischer Literaturwissenschaftler hat fünfzig bisher unbekannte Gedichte Rudyard Kiplings aufgespürt.

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          Bevor die Tennisspieler in Wimbledon den Centre-Court betreten, müssen sie unter einem Schriftzug hindurch, der lautet: „If you can meet with Triumph and Desaster / and treat those two imposters just the same“ - Wenn du Triumph und Unglück aushältst / Und beide Schwindler gleich behandeln kannst“. Das Gedicht, aus dem diese Verse stammen, gehört seit mehr als hundert Jahren zu den beliebtesten in Großbritannien. Rudyard Kipling hat es 1895 unter dem Titel „If“ geschrieben und 1910 in seine Lyrik und Erzählungen mischende Sammlung „Rewards and Fairies“ (Belohnungen und Feen) aufgenommen. Es beschreibt die Engländer so, wie sie sich gern sehen: als kontrollierte Träumer, Stoiker, nicht wehleidig, nicht anfechtbar - „If you can talk with crowds and keep your virtue“ -, weder von Selbstzweifeln noch von Angeberei zu erreichen.

          Kipling, der hierzulande nach wie vor „nur“ der Autor des „Dschungelbuchs“ und bestenfalls noch von „Kim“ ist, hat viele sehr englische Gedichte geschrieben. Darunter sind auch solche wie „The White Man’s Burden“ (Die Bürde des weißen Mannes), die seinen ziemlich einseitigen Ruf als Repräsentant des kolonialen, imperialistischen Großbritannien begründeten.

          Fünfzig unbekannte Gedichte Kiplings werden nun Anfang März in der dreibändigen Cambridge-Edition seiner Lyrik - insgesamt mehr als 1300 Gedichte - publiziert werden (zum stolzen Preis von 250 Euro, pardon, Mr Cameron: 200 britischen Pfund). Der kalifornische Literaturwissenschaftler Thomas Pinney - Autor einer zweibändigen Geschichte des amerikanischen Weins - hat sie, wie der Londoner „Guardian“ soeben berichtet, in Nachlässen, in Reedereiarchiven und bei Renovierungsarbeiten in Manhattan gefunden. Es sind Gelegenheitsgedichte, Kommentare zum Ersten Weltkrieg, Verse, die Kipling zur Unterhaltung Mitreisender auf Seefahrten schrieb. Eines - „The Press“ - verarbeitet das Schicksal der literarischen Berühmtheit, ständig interviewt zu werden: „Do you hope to enter / Fame’s immortal dome? / Do you put the washing out / Or have it done at home? / Have you any morals / Does your genius burn? / Was your wife a what’s its name? / How much did she earn?/ ... All the butler guessed / Tell it to the public press / And we will do the rest.“

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