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Google : Alle Asylbewerberheime auf einen Blick

  • -Aktualisiert am

Eine Karte erfasst auf Google Maps die Adressen von Asylbewerberheimen in Deutschland. Das abfällige Vokabular offenbart die fremdenfeindlichen Absichten der Macher.

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          „Das ehemalige 3-Sterne-Hotel 'Anna' wurde zu einer Asylkaschemme umfunktioniert“ ist die Markierung auf einer Google-Deutschlandkarte beschriftet, die ein Asylbewerberheim in Frankfurt Griesheim verortet. Mithilfe der Plattform Google My Maps haben Unbekannte eine Karte erstellt, die Standorte von Asylbewerberheimen sammelt und gespickt mit abwertenden Kommentaren öffentlich zugänglich macht, gern auch mit Verweis auf die Umbaukosten – eine indirekte Aufforderung zu Tätlichkeiten, scheint es.

          Zahlreiche Aktivisten und Organisationen fordern Google im Internet daher auf, die Sammlung zu löschen. Auch, weil neben der Postadresse teilweise die Anzahl der Untergebrachten, die Telefonnummer und die ehemalige Nutzung des Heimgebäudes angegeben ist. Dies komme einer Anleitung zu Anschlägen gleich, so ein User auf Twitter. Inwiefern eine solche Sammlung tatsächlich die Zahl von Übergriffen auf Asylbewerberheime beeinflusst, ist nicht absehbar. Die Aufmerksamkeit, die sie bereits bekommt, kommt jedoch auch rechtsextremen Organisationen zugute.

          Anfang des Jahres tauchte die Karte „Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft“ erstmals auf, prominent eingebunden auf der Seite der bislang eher erfolglosen rechtsextremen Splitterpartei „Der Dritte Weg“. Dennoch stößt die Karte erst in den vergangenen Tagen verstärkt auf Widerstand. Ein Grund hierfür könnte sein, dass die Zahl rechtsextremistischer Gewalt sich im Jahr 2014 verdreifacht hat, so die neuesten Zahlen des Verfassungsschutzberichts von Ende Juni.

          Eindeutige Gesinnung

          Mittlerweile häufen sich Brandanschläge, Steinwürfe und andere Übergriffe gegen Asylbewerber wieder massiv. Zuletzt steckten unbekannte Täter in der Nacht auf Donnerstag ein geplantes Heim im bayerischen Reichertshofen in Brand. Wie bei den am Wochenende abgefeuerten Schüssen auf eine Unterkunft im sächsischen Böhlen wurde niemand verletzt, in beiden Fällen entstanden erhebliche Sachschäden.

          Bild: dpa

          Trotz des öffentlichen Drucks lässt sich Google mit der Prüfung der Karte reichlich Zeit. My Maps sei eine neutrale Plattform, betont eine Pressesprecherin von Google Deutschland. Der Konzern werde „selbstverständlich jede Karte entfernen, die gegen unsere Richtlinien verstößt“. Derzeit prüfe Google, ob diese geografischen Informationen „zu Hass aufrufen“. Eine Löschung ist jedoch fraglich, da die Macher der Karte sich alle Mühe geben, den Nutzungsbedingungen entsprechend aufzutreten: „Wir bejahen den grundsätzlichen Anspruch auf Asyl, lehnen aber Asylmissbrauch kategorisch ab.“ Die abschätzigen Beschreibungen der Unterkünfte sprechen jedoch eine andere Sprache.

          Eine alternative Karte bietet die Journalistin Birte Vogel. Ihre „Wie kann ich helfen?“-Karte auf My Maps wird mittlerweile auch von Pro Asyl verbreitet. Hier werden die Standorte von Hilfsprojekten und –initiativen für Geflüchtete gesammelt. Die Karte „Wie kann ich helfen?“ ist seit Anfang Juli verfügbar und richtet sich an Bürger, die sich vor Ort für Geflüchtete engagieren wollen. Das Angebot sei keine Reaktion auf die umstrittene Sammlung von Asylbewerberheimadressen, heißt es dort. Dennoch solle Google die fremdenfeindliche Karte umgehend entfernen.

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