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Lindenau-Museum Altenburg : Millionen für bodenlosen Eingriff

  • -Aktualisiert am

Ein kultureller Leuchtturm Ostdeutschlands: das Lindenau-Museum entstand aus der Privatsammlung eines sächsisch-thüringischen Staatsmanns Bild: dpa

Dem Altenburger Lindenau-Museum droht ein entstellender Radikalumbau. Die Denkmalschützer zeigen sich passiv, aber inzwischen rührt sich in der Bürgerschaft Widerstand.

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          Wer vom Altenburger Bahnhof zum einstigen Schloss der Herzöge und in die Altstadt will, sieht als Abschluss der Wet­tinerstraße ständig auf das Lindenau-Museum, gerahmt von den Fassaden prachtvoller Stadtvillen. Eine in Deutschland wohl einmalige Inszenierung bürgerlich-zivilisierender Kraft, die Kunstmuseen einst zugetraut wurde. Umso verwunderlicher, dass das von Bund und Land mit 48 Millionen Euro geförderte, tief in den Baubestand eingreifende Sanierungs- und Umbauprojekt für das Lindenau-Museum bisher so wenig Aufmerksamkeit genießt. Jetzt aber hat das bürgerschaftliche Altenburger Stadtforum nach langem lokal-diplomatischen Schweigen scharf protestiert, der Umbauentwurf werde „der Würde des Gebäudes“ nicht gerecht. Auch unter Museums- und Denkmalexperten und in der regionalen Architektenschaft regt sich Widerstand, erste kritische Artikel erschienen in der lokalen Presse. Spät, aber doch kommt die überfällige Debatte in Gang.

          Vor vier Jahren legte der Direktor des Museums, Roland Krischke, eine umfangreiche Denkschrift zur Situation der Museen in Altenburg vor: „Der Leuchtturm an der Blauen Flut“ – der Leuchtturm bezieht sich auf die Bundesförderung des Lindenau-Museums, die Blaue Flut ist ein weitgehend verrohrter Flusslauf nahebei. Geschildert wurden die üblichen Nöte vieler mit prachtvollen historistischen Bauten gesegneten Kulturinstitutionen in vielen einst wohlhabenden Residenzstädten. Skizziert wurde von Krischke aber auch eine Hoffnung: Altenburg als attraktive Kultur- und Wohnstadt zwischen Leipzig und Chemnitz zu etablieren. Dafür brauche das Lindenau-Museum, wie allgemein an­erkannt wurde, die Erweiterung um den einstigen, am anderen Parkende relativ nahe gelegenen herzoglichen Marstall für Sonderausstellungen, Werkstätten, De­pots und Programmräume. Im historischen Museumsgebäude aber sollten endlich ein Aufzug und eine Klimaanlage eingebaut, der Zugang, wie es die Gesetze heute fordern, barrierefrei gestaltet, die teilweise noch aus der Kaiserzeit stammende Haustechnik erneuert werden. Außerdem forderte Krischke neue Räume für das Personal und die eng mit der Museumsgeschichte verbundene Kunstschule. Dafür schlug er den Ausbau des Sockelgeschosses vor. Auf dieser Grundlage begannen 2018 die Planungen.

          Pläne regelrecht geheim gehalten

          Der Auftrag wurde nach einer europaweiten Projektausschreibung direkt an das Erfurter Architekturbüro Kummer Lubk Partner vergeben. Ein Büro, das vor allem durch die Sanierung des Herzog­lichen Museums in Gotha als qualifiziert ausgewiesen war. Weder gab es die für ein derartig bedeutendes Projekt inzwischen üblichen Kolloquien und Beratungsgremien noch einen Architekturwettbewerb. 2019 schloss das Lindenau-Museum. Die konkreten Umbaupläne selbst aber wurden bis vor Kurzem regelrecht geheim gehalten. Aus gutem Grund, wie die wenigen bisher veröffentlichten, zudem geradezu peinlich schematischen Pläne zeigen – das Museum wollte auch auf Nachfrage keine detaillierteren Zeichnungen herausgeben. Der geplante Eingriff übersteigt bei Weitem alles, was historistischen Bauten selbst weit geringerer Qualität heutzutage noch zugemutet wird.

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