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Ulla Unseld-Berkéwicz : Eine Verlegerin, zu allem entschlossen

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Ulla Unseld-Berkéwicz Bild: dpa

Sie ist eine der umstrittensten Personen im Literaturbetrieb: Für die einen ist Ulla Unseld-Berkéwicz zukunftsorientiert, für die anderen immer noch branchenfremd. Die Causa Suhrkamp aber zeigt, dass mit ihr zu rechnen ist.

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          In keine Frau der deutschen Literatur ist in den letzten beiden Jahrzehnten mehr hineingeheimnist und hineininterpretiert worden als in diese. Ulla Unseld-Berkéwicz, die als Ursula Schmidt 1951, vielleicht aber auch schon 1949 in Gießen geboren wurde und sich für ihre erste Karriere auf dem Theater nach ihrer jüdischen Großmutter Berkéwicz benannte, beherrscht viele Rollen - und in jeder geht sie entschlossen aufs Ganze.

          Begonnen hat sie 1970 bei Peter Palitzsch am Staatstheater in Stuttgart; in den frühen siebziger Jahren spielte die Schöne mit dem schwarzen Haar große klassische Rollen unter Regisseuren wie August Everding, Claus Peymann, Peter Zadek und Wilfried Minks, ihrem ersten Ehemann. Schon damals übersetzte sie aus dem Englischen und Spanischen, doch ihren ersten großen literarischen Auftritt hatte sie 1982 mit dem vielgelobten Debüt „Josef stirbt“, der beklemmend intensiven Schilderung des Todes eines alten Bauern. Das Buch erschien in jenem legendären Verlag, den sie inzwischen seit mehr als zehn Jahren leitet: bei Suhrkamp. Der Verleger Siegfried Unseld verliebte sich in die junge Autorin, trennte sich von seiner Frau, heiratete 1990 Ulla Berkéwicz und überwarf sich mit seinem Sohn und designierten Nachfolger Joachim.

          Unselds Erbin

          Viel und oft ist darüber gestritten worden, welche Zukunftsvision Siegfried Unseld für seinen Verlag gehegt habe, eines aber ist klar: Seiner Frau sollte dabei eine Schlüsselrolle zukommen, wie er wenige Monate vor seinem Tod mit ihrer Ernennung zur Mitgeschäftsführerin ab Anfang 2002 und erst recht mit der Errichtung der Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung, der Mehrheitseignerin des Verlags, bewiesen hat.

          Als Branchenfremde ist sie stets unterschätzt worden, sowohl als Schriftstellerin - zuletzt veröffentlichte sie 2008 im eigenen Verlag „Überlebnis“ - wie als Verlegerin. Dabei hat sie nie versucht oder behauptet, alles so machen zu wollen wie zuvor ihr Mann, sondern ist von Anfang an ihren ganz eigenen Weg gegangen - sei es mit dem Schritt, Suhrkamp 2010 von Frankfurt nach Berlin zu bringen, mit der Gründung des Verlags der Religionen oder auch der Bereitschaft, sich von langjährigen Suhrkamp-Mitarbeitern und Autoren loszusagen und andere zum Verlag zu holen.

          Auch innerhalb der Gesellschafter kam es zu Wechseln. Seit Joachim Unseld vor vier Jahren ausschied, hält die Familienstiftung 61 und der Hamburger Unternehmer Hans Barlach mit seiner Medienholding 39 Prozent. Mit ihm gab es von Anfang an Konflikte, die schließlich sogar den Fortbestand des Verlages gefährdeten. Im Moment sieht es so aus, als stünde Barlach nach endlosem Rechtsstreit auf verlorenem Posten. Der Plan, dem Verlag über das neue Insolvenzrecht durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft eine neue Verfassung zu geben, scheint aufzugehen. Ihre ganz eigene Schlacht hat Ulla Unseld-Berkéwicz schon heute gewonnen: Sie mag in der Literaturbranche weiterhin umstritten sein - unterschätzt wird sie von niemandem mehr.

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