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Krieg gegen die Ukraine : Was bedeutet die Gleichgültigkeit der Russen angesichts der „Spezialoperation“?

Anti-Kriegs-Protest in Moskau Bild: Telegram/Widimyj protest

Die meisten Russen wollen vom Krieg gegen die Ukraine vor allem nicht belästigt werden. Für dessen Ausgang ist das von entscheidender Bedeutung.

          3 Min.

          Trotz verschiedener Umfragen ist schwer einzuschätzen, wie die russische Bevölkerung zum Krieg in der Ukraine steht. Im April erschreckte das unabhängige Meinungsforschungsinstitut Lewada mit der Meldung, achtzig Prozent der Russen seien Kriegsbefürworter. Auch in den folgenden Monaten ist die Zustimmung nach Angaben des Instituts kaum gesunken. Der Wert solcher Umfragen wird oft in Zweifel gezogen. Das russische Investigativportal „Projekt“ behauptet etwa in einer Studie, der Kreml sorge dafür, dass nur gefällige Zahlen präsentiert werden, außerdem seien die Meinungsforschungsinstitute mit der Regierung verfilzt. Von einem unabhängigen Institut wie Lewada, das von der Regierung als ausländischer Agent gebrandmarkt wurde, lässt sich das nur schwer behaupten. Hier lautet der Vorwurf, bei seinen Telefonumfragen trauten sich viele nicht, ihre wirkliche Meinung zu sagen, weil sie nicht sicher wüssten, mit wem sie es zu tun haben.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          Seltsamerweise findet man in anderen Punkten doch zu einem Konsens. Etwa darüber, dass die junge Internetgeneration dem Krieg kritischer gegenübersteht und dass die meisten Russen einfach nichts mit ihm zu tun haben wollen. Von der Regierung erwarten sie, nicht damit belästigt zu werden. Für das Kriegsgeschehen in der Ukraine ist das von entscheidender Bedeutung, weil es die russische Regierung von der allgemeinen Mobilmachung abhält, selbst jetzt noch, da die russische Armee im Donbass mit dem Rücken zur Wand zu stehen scheint. Würde Putin die Mobilmachung anordnen, würde die Stimmung der russischen Bevölkerung wohl umschlagen.

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