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Ukraine-Berichterstattung : Fehlschüsse der ARD

  • -Aktualisiert am

Hat die ARD in ihren Nachrichtensendungen wiederholt den Ukraine-Konflikt in Bildern falsch dargestellt? Die erzwungenen Erklärungen und Richtigstellungen reißen nicht ab.

          Vielleicht hängt das alles mit den Bildern zusammen, die im neuen Studio von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ hinter den Moderatoren prunken. Auf die Idee könnte man jedenfalls kommen, denn mit der optischen Opulenz hat auch eine andere Neuigkeit auf den Flaggschiffen der ARD-Nachrichtenflotte Einzug gehalten: ein bisher ungeahntes Talent zum Böckeschießen. Und das, obwohl Kai Gniffke, der erste Chefredakteur der Nachrichtenredaktion ARD aktuell, bei der Präsentation des Studioneubaus im Frühjahr beteuert hatte, die Nachrichten blieben der Inbegriff der Seriosität oder, in seinen Worten: „das journalistische Stahlmantelgeschoss der ARD“.

          Das allerdings ist seit Wochen wegen nachrichtlicher Fehlschüsse Richtung Ukraine in der Kritik. Zuerst stellte sich heraus, dass die vermeintlichen Bilder eines von Separatisten abgeschossenen ukrainischen Hubschraubers, die in der „Tagesschau“ Ende Mai im Kinoformat zu sehen waren, in Wahrheit einen syrischen Hubschrauber zeigten. Schon tags darauf ging die Korrektur beim Ersten online, und die Sache wäre längst vergessen, wären in den letzten Wochen nicht noch mehr Ukraine-Pannen dazugekommen.

          Drohender Vertrauensverlust

          Da war erst einmal die Rüge des ARD-Programmbeirats, der die Berichterstattung des Ersten über die russisch-ukrainischen Auseinandersetzungen als einseitig, lückenhaft und tendenziell antirussisch kritisiert. Ein Vorwurf, gegen den sich WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn verwahrte und dem Kai Gniffke entgegen hielt: „Es gibt keinen Grund, sich für Fehler zu entschuldigen oder in der Berichterstattung nun gar ,gegenzusteuern‘.“

          Doch kaum war diese Kritik abgewehrt, wurde der nächste Patzer publik. In einem „Tagesthemen“-Beitrag vom 20. Mai berichtete der Moskau-Korrespondent Udo Lielischkies, dass zwei Ukrainer durch „Kugeln der neuen Machthaber“ getötet worden seien. Tatsächlich hatte ein ukrainisches Bataillon die Schüsse abgefeuert. Wenige Tage zuvor hatten die „Tagesthemen“ das auch noch korrekt wiedergegeben.

          Ein Zuschauer machte den Sender auf Ungereimtheiten aufmerksam. Kai Gniffke verwies daraufhin in seinem „Tagesschau“-Blog auf die zweifellos schwierigen Bedingungen, unter denen Korrespondenten in Krisengebieten arbeiten. Was nicht das ganze Malheur erklärt, aber immerhin einen Teil. „Tagesthemen“-Moderator Thomas Roth entschuldigte sich sogar vor laufender Kamera. Das war ein Novum. Mit Offenheit gegen drohenden Vertrauensverlust, schien die Devise.

          Nur, dass schon wieder die nächste Fragwürdigkeit aufgetaucht ist. Abermals geht es um die „Tagesthemen“ vom 20. Mai, in der die Bildwand hinter Caren Miosga* voller Menschen mit orangefarbenen Fahnen ist, die, so die Moderatorin, in einem Stadion in Donezk gegen prorussische Separatisten protestieren. Es schaut aus, als sei die Arena gefüllt, der Tenor des Beitrags ist, dass ein ukrainischer Oligarch eine Massenbewegung angestoßen habe. Ein Beitrag auf „Heise online“ verlinkt nun ein Youtube-Video aus unklarer Quelle, das dasselbe Stadion am Tag des Protests zeigen soll: fast leer. Nur ein versprengtes Grüpplein schwenkt Flaggen. Wer die Sendung in der Mediathek des Ersten aufrufen will, sieht eine Fehlermeldung. Hat das Erste also mit Bildern gelogen? Im „Tagesschau“-Blog notiert Kai Gniffke: „Wir haben nie behauptet, dass im Stadion ,Zehntausende‘ Menschen waren.“ Und schreibt: Der „Pulverdampf der emotionsgeladenen Diskussion über die Ukraine-Berichterstattung“ habe sich verzogen. Da könnte er sich getäuscht haben.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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