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Überwachung in China : Big Robot is Watching You!

Sieht womöglich doch ganz anders aus, als wir ihn uns vorgestellt haben: Orwells großer Bruder in der „1984“-Verfilmung aus den 50er Jahren, als AnBot noch nicht geboren war. Bild: Picture-Alliance

China setzt Standards: Bis 2020 sollen alle öffentlichen Straßen und Plätze im Land per Kamera erfasst werden. Und auf die neueste Patrouille ist man ganz besonders stolz.

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          Der erste Platz geht an Peking: Die Hauptstadt ist nicht nur politisches Zentrum des Landes, sondern offenbar auch Vorreiter in Sachen öffentlicher Überwachung. Denn schenkt man einem offiziellem Bericht des städtischen Büros für öffentliche Sicherheit Glauben, trägt die Zuwachsrate der Überwachungskameras in Pekings Straßen - zuletzt jährlich 30 Prozent - Blüten: Man sei nun in der Lage, jeden Winkel der Stadt zu erfassen. Mit rosigen Folgen: Die Sicherheit steige und die Kriminalität in großen Menschenmassen lasse sich vermeiden. Jährlich würden sich fünf Prozent mehr Verdächtige verhaften und 22 Prozent mehr Diebstähle aufdecken lassen - dank der Kameras. Die Polizeipräsenz auf Märkten, an Bushaltestellen und in Parks habe sich noch zusätzlich verbessert.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie vor Kurzem verkündet wurde, verfolgen die Behörden den ehrgeizigen Plan, bis zum Jahr 2020 alle öffentlichen Plätze und Straßen im gesamten Land mit Überwachungskameras auszustatten. So lautet die Marschroute der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform. Behörden im ganzen Land sollten demnach Zugriff auf die Kameras und die aus ihnen ausgewerteten Informationen erhalten.

          Gestatten, sein Name ist AnBot

          Doch damit nicht genug: Künftig kommt neben Überwachungskameras auch der an der Nationaluniversität für Verteidigungstechnologie entwickelte Roboter AnBot zum Einsatz, um, wie es offiziell heißt, präventiv und aktiv Aufstände und Terrorismus zu bekämpfen. Das 1,49 Meter große und 78 Kilogramm schwere Gerät soll mit autonomer Navigation ausgestattet und bis zu 18 Kilometer pro Stunde schnell sein. Es ist ausgestattet mit Sensoren, die Gehirn, Augen und Ohren von Menschen imitieren.

          AnBot, den seine stolzen Erfinder im April im chinesischen Chongqing der Öffentlichkeit präsentierten, soll in der Lage sein, bei einer Standardgeschwindigkeit von einem Kilometer pro Stunde acht Stunden lang auf Streife gehen zu können. Seine Aufgaben: Videoanalysen erstellen, Schutzbedürftigen einen mobilen SOS-Button anbieten und sich im Ernstfall aus der Ferne in einen Verteidigungsmodus schalten zu lassen - womöglich durch den Einsatz von Tränengas.

          Laut Branchenverband „International Federation of Robotics“ ist China derzeit der größte Markt für Roboter und auf Wachstumskurs. Schöne neue Roboterwelt.

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