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Überbevölkerung : Viele Kinder, viele Sorgen

  • -Aktualisiert am

Man muss schon in einer Stadt wie Lagos leben, um zu verstehen, was eine exponentiell wachsende Bevölkerung bedeutet Bild: AFP

Die Deutschen sorgen sich um eine schrumpfende Bevölkerung. Die gefährlichste Bedrohung ist jedoch die exponentiell wachsende Weltbevölkerung. Umweltkatastrophen haben deswegen jetzt schon ungeahnte Folgen. Dagegen hilft allein: Bildung

          Es gibt eine Szene im „Stadtneurotiker“, in der ein kleiner Woody Allen nicht mehr seine Hausaufgaben machen will, weil er von der Sonnensupernova gelesen hat. Das Desaster steht zwar erst in fünf Milliarden Jahren bevor, doch wenn irgendwann garantiert alles über den Jordan geht, wozu dann noch dieses ganze Projekt Menschheit, angefangen bei den Hausaufgaben?

          Manche Dinge will man gar nicht wissen. Man braucht ja nicht einmal die Weitsicht der Astrophysik, um in brütende Apathie zu verfallen. Klimawandel, Umweltzerstörung, Energiekrise, Rohstoffmangel und Ressourcenkriege, was davon nicht schon begonnen hat, steht unmittelbar ins Haus. Gegen die Finsternis solcher Prognosen hilft vielleicht nichts außer dem Vergessen. Das funktioniert dafür erschreckend gut. Und so scheinen die meisten Menschen das dringendste Problem der Gegenwart mittlerweile erfolgreich verdrängt zu haben. Es wird kaum noch darüber geredet, dass viel zu viele Menschen auf der Erde leben.

          Mitten drin in der Katastrophe

          Bis in die achtziger Jahre hieß es stets, wenn die Letzten nicht im nuklearen Winter sterben, wird die Menschheit anders zugrunde gehen, und zwar an der Überbevölkerung. In den letzten zwanzig Jahren ist dieses Thema allerdings langsam durch den Klimawandel als vorgeblich akuteste Bedrohung des Menschengeschlechts ersetzt worden. In Umfragen zu unseren dringendsten Problemen landet das Thema Überbevölkerung zuverlässig auf den hintersten Rängen. Selbst die, denen es damals im Erdkundeunterricht eingehämmert worden ist, scheinen sich nicht mehr zu erinnern.

          Mehr Menschen, mehr Opfer: Umweltkatastrophen wie zuletzt die Flut in Pakistan haben immer desaströsere Folgen

          Dabei leben wir bereits mitten in der Bevölkerungskatastrophe. Noch einmal zur Erinnerung: als die ersten Warner vor der exponentiell wachsenden Weltbevölkerung berühmt wurden - als Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre die Horrorszenarien des Biologen Paul Ehrlich bekannt wurden und die Berechnungen des Club of Rome -, lebten auf der Erde 3,7 Milliarden Menschen. Heute schickt sich die Menschheit an, die sieben Milliarden zu knacken. Die Weltbevölkerung hat sich seither fast verdoppelt.

          Entwicklung nicht aufzuhalten

          Die Biologie definiert Überbevölkerung als den Zustand, in dem die Zahl einer bestimmten Spezies über die Kapazitäten des sie tragenden Ökosystems hinausgegangen ist. Dennis Meadows hat in der letzten Edition von „Die Grenzen des Wachstums“ die These aufgestellt, dass die Weltbevölkerung bereits 1980, bei etwa viereinhalb Milliarden, die Grenzen der Bio- und Ressourcenkapazität der Erde überschritten habe. Und wir wissen, dass die Menschheit bis 2050 noch einmal um fünfzig Prozent wachsen wird. In vierzig Jahren werden neun bis zehn Milliarden Menschen auf dem Planeten leben. Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten, selbst bei drastischsten Maßnahmen wie der fatalen Ein-Kind-Politik Chinas nicht. Solche Bremsen wirken über Generationen.

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