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Singleparty mit Psychologin : Auf der Suche nach dem richtigen Farbcode

  • -Aktualisiert am

Stefanie Stahl, Deutschlands erfolgreichste Psychologin Bild: dpa

Drei Jahre auf Platz eins der Bestsellerliste: Die Therapeutin Stefanie Stahl wird zum Coach der Massen und veranstaltet jetzt sogar Dating-Nächte. Dort wird Beziehungspsychologie zum Event.

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          Gegen Ende des Abends, kurz nach Mitternacht, stehen noch ein paar Unschlüssige vor der Tür. Auch diese Münchnerin, die irgendwas im Verlagsgeschäft arbeitet, mit der das Gespräch so nett war. Ich sage zu ihr: „Ein paar Leute wollen noch in eine Bar weitergehen, kommst du mit?“ Aber sie überlegt gar nicht und ruft: „Danke, auf keinen Fall, ich muss morgen um acht in den Zug!“ Dann schauen wir auf die großen runden Buttons, die uns noch am Revers hängen, und lachen. Ich bin der Typ „EAFL“, enthusiastisch, kreativ, auch etwas heftig. Aber sie ist „IKFO“: kontrolliert, mag keine Experimente und Überraschungen, hat ihr Leben gut im Griff. Das passt nicht, das hätte man sich denken können.

          Das haben wir eben gelernt, auf der ersten „Steffi Stahl Matching Party“. Die seltsamen Buchstaben bezeichnen einen von sechzehn Persönlichkeitstypen. Sie wurden uns in einem Workshop zugewiesen, der Abend begann mit einem Live-Psychotest für zweihundert Gäste. Alle mussten Zettel ausfüllen und über sich nachdenken. Vorn auf der Bühne: Stefanie Stahl, Deutschlands erfolgreichste Psychologin.

          Jeder ist entweder E oder I

          Ihr Ratgeber „Das Kind in dir muss Heimat finden“ steht seit drei Jahren auf Platz eins der Bestsellerliste für Paperback-Sachbücher. Ihre Bücher haben sich 1,2 Millionen Mal verkauft, und sie schreibt immer weiter, inzwischen ist noch „Jeder ist beziehungsfähig“ dazugekommen. Alle sind Bestseller. Wer sich aufmerksam umhört, auch unter Männern, stößt derzeit immer wieder mal auf den Satz: „Diese Frau hat mein Leben verändert.“

          Das passt zum Zeitgeist, weil hier maximal beliebte Phänomene zusammenkommen. Erstens geht es um Dating. Darum, wie man den Richtigen findet. Die App „Tinder“ hat 50 Millionen Benutzer weltweit, mindestens zwei Millionen in Deutschland. (Und das ist nur Platz drei der Dating-Apps in Deutschland, hinter „Lovoo“ und „Badoo“.) Und zweitens geht es bei Stahl um einfach dargestellte Psychologie.

          Die Buchstaben aus den Persönlichkeitstypen stehen für grundsätzliche Eigenschaften. Man geht entweder gern aus sich heraus, ist „extravertiert“, also E. Oder man ist still, braucht Zeit für sich, ist dann I, also „introvertiert“. Dazwischen gibt es nichts. Jeder ist entweder E oder I, und so geht es weiter mit den anderen Buchstaben: Kontrollfreak oder Chaot? Träumer oder Tatsachenmensch? Gefühlsbetont oder sachlich?

          Stahl benutzt Techniken, die es in der Psychologie längst gibt. Der Test, den alle beim Dating-Abend machen, ist die etwas abgewandelte Myers-Briggs-Typologie, ein international gängiges Instrument. „So bin ich eben“ heißt das Buch, in dem Stahl diesen Test erklärt, und der Titel sagt alles. Bei ihr soll man sich einmal selbst akzeptieren. Und genau das ist das Erfolgsrezept von Stefanie Stahl. Sie vereinfacht psychologische Theorie und verbindet sie mit dem Alltagsdenken. Das kann man banal finden. Aber man darf auch davon ausgehen, dass Stahl Tausenden aus Lebenskrisen geholfen hat.

          Mit voller Kraft des Zeitgeistes

          Stahl ist nun also auf der Bühne in ihrer Heimat Trier, bei ihrer ersten „Matching Party“, und sagt: „Gut dass wir so viele sind. Es ist ja nicht wie bei Eva und Adam, wo er sagt, Schatz, liebst du mich? Und Eva sagt: Ja, wen denn sonst?“ Der Autor Bastian Sick hatte zuletzt aus einem scheinbar trockenen Thema eine Massenveranstaltung gemacht, zu seinen „Deutschstunden“ erschienen teils mehr als 10.000 Menschen. Das waren die Nullerjahre, Daniel Kehlmann stand auf den Bestsellerlisten, Bildung war angesagt unter Bildungsbürgern. Heute sind Psychologie und Selbstoptimierung gute Themen. Stahl steht auf der Bühne vor einem Samtvorhang im schwarzen Abendkleid, weißen Spencerjackett, mit glitzernden Ohrringen. Da klirrt es, weil jemand aus dem Publikum in der Aufregung seinen Aperol-Spritz fallen gelassen hat.

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