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Singleparty mit Psychologin : Auf der Suche nach dem richtigen Farbcode

  • -Aktualisiert am

„Wir haben heute Abend hier die ideale Gesellschaft“, sagt Stahl. „Wertschätzen fängt bei sich selbst an. Wer sich kennt und mag, ist auch großzügiger mit den anderen. Wenn man sich nicht mag, ist man manchmal so kleinlich mit den anderen.“ „Steh zu dir. Und interessier dich wirklich für den anderen.“ Sagt Stahl. Dann kommt der DJ, und dann das Kennenlernen. Ein Tipp nur noch: „Frauen lieben Zielstrebigkeit bei Männern. Und Männer wollen, dass Frauen autonom und entspannt bleiben, nicht so needy rüberkommen.“ So viel Geschlechterklischee muss wohl sein.

Seit wir (endlich) ins Zeitalter des Feminismus übergegangen sind, hört man derzeit ja oft: Frauen über 50 seien unsichtbar in der Gesellschaft. Für die 1963 geborene Stahl gilt das nicht. So einfühlsam sie auch schreibt, sie selbst wirkt immer ein wenig zu laut.

Für wen gilt denn das, diese Beziehungs- und Bindungstheorie, für Zwanzigjährige, die eine ernste Beziehung suchen? Oder für Vierzigjährige nach der ersten Scheidung? Darauf sagt Stefanie Stahl ganz lapidar Sätze wie: „Binden will der Mensch sich immer. Also, das gilt, würde ich sagen, bis der Arsch kalt ist!“ Und zweihundert Leute im Saal lachen aus vollem Hals.

Das Publikum ist klar „Ü40“

Später steht man in Grüppchen zusammen und lernt sich eben kennen. Da ist die elegante Christine. Sie hasst ihren Job im Einzelhandel, hat aber noch vier Jahre bis zur Pension. Sie möchte mal wieder einen Partner. Und zu Hause im Saarland sei „nix los“, da seien „alle nur in Vereinen unter sich“. Und da ist Paul, ein Hüne aus Stuttgart, der als Vorarbeiter auf dem Bau ist. Er sagt: „Eine Baustelle ist wie eine Familie, man hockt monatelang miteinander rum, und dann ist auch noch Druck da wegen des vielen Geldes.“ Und es würde zu ihm passen, dass er da mit harter Hand regiert. Aber nein. „Ich kann mich in Leute einfühlen, ich höre zu, halte nicht gleich jeden für ein Idioten.“ Schöne Sätze, von einem leicht furchteinflößenden, muskelbepackten Kerl.

Gegen Mitternacht steht Stefanie Stahl am Eingang, bei dem großen Büchertisch, schaut ihr Event an, lächelt, und sagt einer Radiofrau gerade ins Mikrofon: „Der Abend ist in eine geile Tanzparty übergegangen, die Hütte brennt.“ Tatsächlich ist da der schon Saal abgedunkelt, nichts mehr erinnert an das Seminar und die Präsentation von vorhin. Der DJ spielt aktuelle Hits (Martin Garrix!) und zwischendurch Chaka Khan. Das Publikum ist klar „Ü40“, aber viele tanzen.

Draußen vor der Tür, die interessante Verlagsfrau aus München ist längst weg, steht am Ende auf einmal wieder Christine, die Verkäuferin aus dem Saarland. „Ich brauche mal ’ne Pause“, sagt sie. „Es ist mir einfach zu laut und zu viel da drinnen.“

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