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Singleparty mit Psychologin : Auf der Suche nach dem richtigen Farbcode

  • -Aktualisiert am

Bei Stahls Matching-Partys verkaufen sich die Karten für Frauen sofort, die andere Hälfte, für Männer, geht dann zäh über ein paar Wochen weg. Frauen arbeiten offenbar eher an sich, gehen bewusster an das Thema Beziehung heran und lesen viel. Stahl ist der richtige Guru für all das. Man könnte sagen, sie ist die weibliche Antwort auf Einpeitscher wie den konservativen Motivations-Priester Jordan Peterson. Der stellt sich vor die Männer dieser Welt und sagt: Eure Männlichkeit ist bedroht, befreit sie! Bloß wirkt er immer irgendwie lächerlich gestrig. Stahl dagegen hat die volle Kraft des Zeitgeistes hinter sich.

Neben dem Persönlichkeitstest mit den sechzehn Typen ist es vor allem die Theorie des inneren Kindes, auf der ihr Erfolg basiert. Sie stammt von den beiden kalifornischen Psychologinnen Erika Chopich und Margaret Paul und ist rund dreißig Jahre alt. Sie lautet: Viele psychische Phänomene lassen sich so darstellen, als gäbe es in jedem ein inneres Kind, das die Verletzungen der ersten Lebensjahre weiterträgt. Ungelöste Ängste der Kindheit leben so im Menschen weiter.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Etwaige Kritik, dass es das doch schon längst gebe, wischt die Frau, die sich selbst „sehr extravertiert“ nennt, gern weg: „Mein Modell ist viel differenzierter. In der alten Theorie gibt es das innere Kind und den inneren Erwachsenen, und der eine muss den anderen trösten, Ende. Ich habe ein Diagnose- und Lösungsmodell erfunden, teile alles zudem auf nach Autonomie und Bindung, das ist innovativ.“ Tatsächlich hat sie mit „Sonnenkind“ und „Schattenkind“ das innere Kind in die verspielte und ängstliche Seite aufgespalten. Ihre Bücher leiten dazu an, in sich hineinzuspüren, diese „Kinder“ aufzuzeichnen, mit den Glaubenssätzen, die sie haben und die den Erwachsenen noch beeinflussen. Oft lautet ein solcher Glaubenssatz: „Ich bin nicht gut genug“. Das will Stahl uns allen austreiben. Wir sind gut genug.

Und das müssen wir auch, um sozusagen zu funktionieren auf dem Beziehungsmarkt. So kommt es jetzt also zu „Matching Partys“. Die Leitidee lautet: Gleich und gleich gesellt sich gern. „Das haben alle Studien zu diesem Thema ergeben“, erklärt Stahl von der Bühne. „Teilt man mehr Interessen, Werte, Hobbys miteinander, hält die Beziehung später besser.“ Gegensätze ziehen sich an, die andere These, gelte nur am Anfang einer Bekanntschaft und sei ansonsten widerlegt.

Neben Stahl stehen derzeit drei weitere Psycho-Ratgeber in den Paperback-Bestseller-Top-Ten. Liebeskummer, das Leben richtig nutzen, sich „endlich locker machen“, das tun, was wirklich zählt – diese Dinge bewegen Deutschland. Wenn Stahl spricht, die seit zwanzig Jahren als Therapeutin arbeitet, bekommt man immerhin eine richtige Pop-Vorlesung. „Wenn du nicht weißt, was ein Extravertierter denkt, hast du nicht zugehört! Wenn du nicht weißt, was ein Introvertierter denkt, hast du nicht gefragt!“

So viel Geschlechterklischee muss wohl sein

Und man bekommt etwas, nach dem es offenbar hohe Nachfrage gibt: Zuspruch. Nach der Pause müssen alle still sein. Wir tragen nun diese großen Buttons an der Brust, da zeigt jeder seinen Persönlichkeitstypus. Leute, die eher gut zueinander passen, haben sogar die gleiche Farbe. Aber zunächst herrscht erst einmal Einkehr. „Umarmt euch selbst mal alle“, sagt Stahl. „Ich darf so sein, wie ich bin“, sollen wir uns sagen. Jede und jeder für sich. Mit geschlossenen Augen. Manch einer ist immer ein wenig in der Zukunft mit dem Kopf, ein anderer denkt sachlich und konkret. Das ist alles okay. „Ich darf so sein, wie ich bin.“ Das klingt fast wie einst dieser berühmte Slogan für eine fettreduzierte Wurst.

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