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Twitter hebt Zeichenlimit auf : In der Kürze

  • -Aktualisiert am

Twitter-Präsentation in der französischen Zentrale des Unternehmens Bild: AFP

Dass Twitter sein Zeichenlimit auf 280 verdoppelt hat, wirkt nur auf den ersten Blick unklug: Die Entscheidung birgt eine faszinierende innere Logik.

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          Man darf dies nicht als solitäres Ereignis betrachten: Twitter hat eine große Tradition darin begründet, die Wünsche der Nutzer zu ignorieren und dafür irgendwelche neuen Features auszurollen, die niemand will. Manchmal werden sie trotzdem freundlich aufgenommen – wie damals die Möglichkeit, gif-Bilddateien direkt zu suchen und einzubetten. Manchmal weiß keiner so recht, was man damit nun anstellen soll, weshalb einfach nur Quatsch damit gemacht wird – so wie bei den Umfragen in Tweets. Und manchmal flippen die Nutzer völlig aus – zum Beispiel, als die Sterne, mit denen man einen Tweet favorisieren konnte, durch Herzen ersetzt wurden. Oder als die strenge Chronologie der Ansicht aufgeweicht wurde und plötzlich auch nicht abonnierte Tweets in der persönlichen Timeline angezeigt wurden. Da wollte man sogar kollektiv abwandern und kehrte doch zurück.

          Aber jetzt hat Twitter ein Sakrileg begangen: Das 140-Zeichen-Limit wird verdoppelt. Erste Nutzer können schon 280-Zeichen-Tweets abschicken und feierten dies, indem sie den zusätzlichen Platz mit Grüßen an ihre Omas füllten. Man ist sich einig, dass Twitter damit das aufgibt, was es einzigartig machte: Jeder, der labern wollte, musste dafür zu Facebook, während man sich hier auf 140 Zeichen konzis äußerte. Dass die Twitter-Zentrale noch nicht in Flammen steht, liegt einzig daran, dass die Neuerung die Nutzer in fröhlicher Stimmung erwischte: Sie waren gerade damit beschäftigt, die Fahrerlaubnis für Frauen in Saudi-Arabien humoristisch auszukosten, und gingen also nahtlos zu Witzen über das Zeichenlimit über. Eigens erwähnt sei hier der Diskussionsbeitrag, der die 280 Zeichen lange Ankündigung von Twitter-Erfinder Jack Dorsey ohne inhaltliche Verluste auf 140 Zeichen kürzte.

          Die drei am häufigsten geäußerten Wünschen der Nutzer sind eben ganz andere. Erstens: eine Bearbeitungsoption für eigene Tweets. Stattdessen bietet die Länge nun noch mehr Gelegenheiten für Tippfehler. Zweitens: strikteres Vorgehen gegen beleidigende, Drohungen aussprechende und volksverhetzende Tweets. Stattdessen werden diese Tweets jetzt noch länger. Drittens, und das dürfte der unrealistischste Wunsch von allen sein: Twitter möge Donald Trump sperren. Nun kann man nicht behaupten, dass es dafür keine inhaltlichen Gründe gäbe, aber zum einen legt das Unternehmen sich nicht freiwillig mit dem amerikanischen Präsidenten an, und zum anderen haben Trumps vogelwilde Äußerungen Twitter wahrscheinlich etliche neue Nutzer gebracht, die den halben Tag mit großen Augen und Popcorn vor dem Bildschirm sitzen. Insofern ist die Neuerung absolut folgerichtig: Twitter gibt Donald Trump endlich die Gelegenheit, sich innerhalb eines einzigen Tweets nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach zu widersprechen.

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