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Fernsehkrimi „Lösegeld“ : Die Liebe wirft den Kommissar aus der Bahn

  • -Aktualisiert am

Nina Hausen (Ulrike C. Tscharre) wurde im Wald überfallen. Sie fuhr den Täter über den Haufen und fand einen Beutel mit Diamanten. Kommissar Diethard Lysewski scheint den Fall nicht wirklich aufklären zu wollen Bild: obs

Ein Thriller, ein film noir, eine amour fou: Stephan Wagner hat mit „Lösegeld“ ein Fernsehstück geschrieben und inszeniert, das den Rahmen sprengt.

          Stephan Wagners Fernsehfilm „Lösegeld“ beginnt als Thriller mit einer gehörigen Portion unheimlicher Spannungselemente. Auf der nächtlichen Heimfahrt führt Nina Hausen (Ulrike C. Tscharre) ihren Hund im Wald aus und wird überfallen. Bei ihrer Flucht fährt sie den Täter über den Haufen. Als sie statt ihres Portemonnaies einen Beutel mit Diamanten im Auto findet, bricht sie den Notruf zur Polizei ab. Am folgenden Tag befreien Kommissar Diethard Lysewski (Misel Maticevic) und sein Assistent Lutz Weber (Simon Licht) im selben Waldstück bei Düsseldorf einen entführten Industriellensohn aus einem Erdversteck.

          Einen Erfolg, so sieht es Polizeipräsident Lahn (Sven Lehmann), können sich die Männer trotzdem nicht ans Revers heften. Bei der Lösegeldübergabe ist der Täter entkommen. Kein Mensch, ob tot oder lebendig, wurde außer dem Jungen im Wald gefunden. Nur ein erschossener Hund. Lahn macht Lysewski persönlich für den Misserfolg verantwortlich und geht den Übernächtigten hart an. Weber dagegen kommt in den zweifelhaften Genuss eines unsittlichen Angebots: Wenn der Fall gelöst wird, soll der Assistent seinen Chef mit Deckung von oben möglichst schlecht dastehen lassen. Lahn will Lysewski am Zeug flicken. Als Belohnung winkt der Präsident Weber mit einer freiwerdenden Kommissarsstelle.

          Reise durch verschiedene Genres

          Bliebe „Lösegeld“ bei dem Genreton, den der Film atmosphärisch zu Beginn anschlägt, könnte man ihn durchaus in der Tradition des film noir als Paradestück über Korruption und Freundschaftsdienste bei der Polizei sehen. Lysewski ist ein halb verwahrloster, illusionsloser Bulle ohne Privatleben, Weber sein Gegenpart, der trotz Korrektheit unsympathisch wirkt und für Sex bezahlt. Nina Hausen, inzwischen Inhaberin einer Escort-Agentur, kennt er noch als Kunde. Von Anfang an will Weber Nina Hausen hart angehen. Sie dagegen wirkt ebenso unnahbar wie undurchschaubar. Dass sie etwas zu verbergen hat, ahnt auch Lysewski. Gleichzeitig ist er von ihrer erotischen Anziehungskraft fasziniert.

          Als „eine Reise durch die verschiedenen Genres“ beschreibt Stephan Wagner, der „Lösegeld“ inszeniert, geschrieben und produziert hat, seinen Film, der mit der als amour fou beginnenden Liebesgeschichte zwischen Lysewski und Nina Hausen die Krimipfade immer mehr verlässt und zum überzeugenden Melodram wird. Wer filmgeschichtlich firm ist, wird französische Einflüsse und Motive wie bei Sautet oder Chabrol entdecken. Steht zunächst die Krimihandlung im Vordergrund, weitet sich „Lösegeld“ mehr und mehr zur stilbewusst fotografierten und sehr gut geschnittenen Bewegung der Frage nach den Rechten der bürgerlichen Moral und der Liebe.

          In dem Maße, in dem der Kommissar und das Mädchen einander näherkommen, nimmt sein Interesse für die Aufklärung des Falles ab. Sie jedoch scheint unbeirrt einen Plan zu verfolgen, genau wie Weber, der ihr auf die Spur zu kommen scheint. Macht die Liebe Lysewski blind? Oder verfolgt er seinen eigenen Plan? „Lösegeld“ lässt den Zuschauer fast bis zum Schluss im Unklaren darüber, ob sich hinter der Fassade des Gezeigten weitere Bedeutungen verbergen oder ob der Film alles doch so klar vor Augen führt, wie er vorgibt. Das Ende mag überraschend kommen. Das Spiel der Darsteller ist über fast jeden Zweifel erhaben.

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