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Fernsehmarkt : Eine Tür geht auf

Max Wiedemann und Quirin Berg im Kinosaal des Soho Clubs in Berlin. Bild: Jens Gyarmaty

Max Wiedemann und Quirin Berg werden die erste deutsche Serie für Netflix produzieren. Ein Gespräch über internationale Erzählformate, die NSU-Trilogie „Mitten in Deutschland“ und die neue Dynamik im deutschen Fernsehmarkt.

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          Vor 10 Jahren bekamen Sie den Oskar für „Das Leben der Anderen“, den ersten deutschen Film seit langem. Jetzt wurden Sie, man muss fast sagen, auserwählt, um die erste deutsche Serie für Netflix zu produzieren. Haben die sich gesagt: Wir nehmen die, weil die wissen, wie man ein amerikanisches Publikum erreicht?

          Harald Staun
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Berg: „Das Leben der Anderen“ ist natürlich ein Film, den immer noch sehr viele Leute schätzen, auch international. Darüber sind wir auch sehr glücklich. In diesem Fall war das aber nicht der wichtigste Punkt. Der aktuellere und für Netflix viel wichtiger Film war „Who am I“, den wir vor anderthalb Jahren mit dem Regisseur Baran Bo Odar gemacht haben. Der Film hat nicht nur im deutschen Kino viel bewegt, er kam auch international wahnsinnig gut an. Odar hat das Genre sehr heutig angelegt, sehr international. Trotzdem war das ein Film mit einer deutschen Handschrift, er versuchte nicht stilistisch irgendwelchen amerikanischen Vorbildern hinterherzurennen. Das wurde gesehen.

          Netflix-Chef Reed Hastings hatte zwischendurch behauptet, trotz angestrengter Suche in Deutschland „keine geeigneten Stoffe“ finden zu können. War es so schwer, ihn zu überzeugen?

          Berg: Wir haben über einen Zeitraum von anderthalb Jahren ein ganze Reihe von Ideen vorgeschlagen. Diese Phase diente erstmal dem Kennenlernen. Da ist klar, dass nicht die erste Idee funktioniert. Wir haben über die Zeit besser verstanden, was ihnen wichtig ist und konnten dann auch gezielter anbieten.

          Die Serie, „Dark“ soll sie heißen, wurde als Mysteryserie in einer typischen deutschen Kleinstadt angekündigt. Zwei Kinder verschwinden, die Welt ihrer Familien gerät ins Wanken, die Ermittlungen führen zurück bis ins Jahr 1986. Können Sie schon mehr verraten?

          Berg: Nein, dazu ist es noch viel zu früh. Normalerweise reden wir über unsere Projekte erst, wenn wir mitten im Dreh sind. Aber es macht natürlich Spaß, die Euphorie zu sehen. Es gab eine tolle Resonanz auch aus der Branche, viele Kollegen freuen sich mit uns.

          Wiedemann: Die Aufmerksamkeit ist natürlich auch dem geschuldet, dass es eine große Sehnsucht aller Filmemacher in Deutschland gibt, dass da eine neue Tür aufgemacht wird. Dass eine neue Art von Serienproduktion möglich wird. Dieser Erwartungshaltung sind wir uns natürlich bewusst. Umso wichtiger ist es für uns, jetzt auch zu liefern.

          Netflix hat die Serie als „unglaubliche deutsche Geschichte“ beschrieben. Trotzdem hat Netflix ja bei seinen Produktionen immer die internationale Verwertung im Blick. Wie deutsch darf es denn da sein?

          Berg: Es war schon der Wunsch von Netflix, etwas zu machen, was Lokalkolorit hat. Die haben international genug tolle Serien. Sie wollten etwas, das die deutschen Zuschauer besonders spannend finden.

          Amerikanische Erzählweise, deutsche Kulisse – ist das die Formel, auf die man es bringen kann?

          Berg: Ein deutsches Selbstverständnis bei Figuren und Setting - ja. Aber die Erzählweise wird in erster Linie der Handschrift von Bo und Jantje entsprechen. Und die wird meines Erachten ein deutsches Publikum genauso wie eines in Australien begeistert. Wir haben gemeinsam eine starke Vision und die empfinde ich als sehr eigenständig, nicht explizit amerikanisch oder deutsch. Wobei es sicher spannend sein wird, in fünf Jahren zu sehen ob sich in der internationalen Wahrnehmung eine andere typisch deutsche Erzählweise definieren lässt, die so klar und positiv ist wie z.B. die der Skandinavier heute.

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