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Türkische Kunst : Kraftmeierei

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In der Archäologie spiegeln sich derzeit die politischen Muskelspiele. Die Türkei verweigert Kooperationen mit deutschen Museen. Es geht ihr nicht um die Kunstgegenstände, sondern um den Beweis nationaler Stärke und den Tourismus.

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          An krisenbedingter Rüpelei europäischer Parlamente herrscht jetzt kein Mangel. Die Türkei tut ohne Krise mit: Je rasanter ihr wirtschaftlicher Aufstieg, desto brachialer die Haltung nach außen. Beliebt ist das Schlachtfeld Archäologie, auf dem sich nun sogar Regierungschef Erdogan tummelt, dessen Unterschrift Restitutionsforderungen und Vergeltungsdrohungen ziert. So musste jetzt das Britische Museum seine geplante Ausstellung zu „Uluburun“, dem wohl ältesten Schiff der Welt (14.Jahrhundert vor Christus) verschieben. Erst wenn das Museum eine antike Stele zurückgebe, so Ankara, werde man das Wrack ausleihen.

          Touristen und Devisen

          Tradition dagegen hat die Forderung nach dem Pergamonaltar auf der Berliner Museumsinsel, 1879 vom Deutschen Reich rechtmäßig von der „Hohen Pforte“ erworben. Auch die Geste des Pergamonmuseums, das 2011 nach seiner Hattuscha-Schau die seit Jahrzehnten in Berlin befindliche hethitische Sphinx restauriert zurückgab, änderte nichts. Überhaupt scheint die Bundesrepublik nun ein bevorzugter Gegner: 2011 diffamierten türkische Kulturpolitiker bisher hoch angesehene deutsche Archäologen als faul und knauserig. Unsereins stutzte, als nun der Tübinger Archäologe Ernst Pernicka erklärte, Ende 2012 die Grabungsleitung in Troja aufzugeben.

          Er nannte das Versiegen der DFG-Zuschüsse als Grund, sprach aber auch von Zahlungen an die Türkei (ein türkischer Regierungsvertreter, Wächter, Instandhaltung). Sein amerikanischer Nachfolger, so Pernicka weiter, werde mit Grabungen im unerforschten griechisch-römischen Troja wohl jene „Sensationen“ bieten, die die Türkei letzthin vermisste. Damit trifft er den Kern: Archäologische Spektakel bringen Touristen und Devisen. Das schwingt im patriotischen „Wer uns unsere Geschichte nicht zurückgibt, mit dem arbeiten wir nicht“ des türkischen Kulturerbedirektors Süslü mit, und es steht zwischen den Zeilen, wenn Kulturminister Ertugrul Günay ankündigt, die zerbrechliche freskierte Grabkammer des Königs Hekatomnos in Milas werde 2013 mit einer „prächtigen Zeremonie“ fürs Publikum geöffnet.

          Die Zeiten, als man Marmor zu Kalk verbrannt habe, seien lange vorbei, beteuerte er. Dass die Türkei in den letzten Jahren trotz internationaler Proteste die antiken Städte Augusta, Zeugma und Allianoi mit Hunderten Bauten und Mosaiken in Stauseen versenkte, ignorierte der Politiker. Und auch, dass die antiken Stätten nicht nur die Geschichte der Türkei bezeugen, sondern die ganz Europas.

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