https://www.faz.net/-gqz-967qs

Türkische Partei ESP : Razzien in sechs Städten, sieben Verhaftungen

  • Aktualisiert am

Bestätigte die neuerliche Verhaftung seines Schwiegersohns: Mesale Tolus Vater Ali Riza Tolu, hier am 18. Dezember vor einem Gericht in Istanbul, das über die Freilassung seiner Tochter verhandelte Bild: Reuters

In sechs türkischen Städten soll die Polizei gegen Unterstützer der sozialistischen Partei ESP vorgegangen sein. Zu den Verhafteten zählt auch der Ehemann der deutschen Journalistin Mesale Tolu.

          1 Min.

          Knapp acht Wochen nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft in der Türkei ist der Ehemann der deutschen Journalistin Mesale Tolu abermals festgenommen worden. Mesale Tolus Vater Ali Riza Tolu sagte der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul an diesem Freitag telefonisch, zur neuerlichen Festnahme seines Schwiegersohnes Suat Corlu sei es bereits am Vortag in Istanbul gekommen.

          Auch die sozialistische Partei ESP, in deren Vorstand Corlu sitzt, bestätigte die Festnahme und entsprechende ARD-Berichte. Mesale Tolu war ihrerseits erst vor einem Monat aus der Untersuchungshaft in Istanbul entlassen worden.

          Die ESP teilte nach Angaben der linken Nachrichtenagentur Etha mit, in Istanbul, Ankara, Izmir, Diyarbakir, Antakya und Samsun sei es zu Polizeirazzien gegen ihre Unterstützer gekommen. Insgesamt seien sieben Menschen in ihren Wohnungen festgenommen worden, darunter Corlu, zwei weitere ESP-Mitglieder und ein Anwalt. Ein Kulturzentrum in Ankara sei gestürmt und „geplündert“ worden. Die ESP machte für die Razzien die „AKP-/Palast-Diktatur“ verantwortlich.

          Teil der pro-kurdischen HDP

          Corlu war erst am 29. November bis zu einem Urteil in seinem Prozess auf freien Fuß gesetzt worden, Mesale Tolu am 18. Dezember. Gegen Mesale Tolu – die aus Ulm stammt und nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt – wurde ein Ausreiseverbot verhängt. Beide sind in separaten Verfahren unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation angeklagt.

          Suat Corlu war am 5. April 2017 festgenommen worden, Mesale Tolu am 30. April. Gegen beide wurde anschließend U-Haft verhängt. Tolu gehörte – wie auch der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel – zu mehreren Deutschen, die im vergangenen Jahr in der Türkei inhaftiert wurden und deren Freilassung die Bundesregierung forderte. Yücel ist inzwischen seit mehr als elf Monaten ohne Anklage hinter Gittern.

          Tolu arbeitet in Istanbul als Journalistin und Übersetzerin für die Nachrichtenagentur Etha. Die sozialistische ESP, in der Corlu aktiv ist, ist Teil der pro-kurdischen HDP. Die HDP fungiert als Dachorganisation für mehrere politische Parteien. Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft ihr vor, der politische Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu sein.

          Weitere Themen

          Kinostart von Polanskis neuem Film wird gestört Video-Seite öffnen

          Proteste und Aufruhr : Kinostart von Polanskis neuem Film wird gestört

          Frauen-Aktivisten rufen beim Pariser Kinostart von Roman Polanskis neuem Film „J’accuse“ über die Dreyfus-Affäre zum Boykott auf. Vergangene Woche beschuldigte das französische Ex-Model Valentine Monnier den Oscar-Preisträger, sie 1975 vergewaltigt zu haben.

          Hinter der Treppe

          Luxemburgische Literatur : Hinter der Treppe

          Muttersprachen gibt es mehrere, Bücher erscheinen auf Deutsch und Französisch: Warum gilt Luxemburgs Literatur trotzdem als provinziell? Eine Erkundung.

          Topmeldungen

          Seit September 2017 gilt das WLTP, ein weltweit harmonisiertes Prüfprogramm. Hier eine Abgasprüfung beim TÜV Rheinland.

          Das Grenzwert-Drama : 95 Gramm

          Von 2020 an dürfen Neufahrzeuge in Europa im Schnitt nur noch vier Liter Benzin oder dreieinhalb Liter Diesel verbrauchen. Wie es zu einem Grenzwert kam, der die Grenzen der Physik sprengt.
          Motorrad-Taxi in der Hauptstadt Yaounde

          Bevölkerungswachstum in Afrika : Kinder als Altersvorsorge

          Kamerun gilt als „Afrika im Kleinen“. Dort lässt sich beobachten, weshalb die Bevölkerung des Kontinents so schnell wächst. Der Gefahren dieser Entwicklung ist sich kaum jemand bewusst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.