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Trumps Musik ist aus : Pfeif doch den Walkürenritt!

Und jetzt? Mozart? Bild: Reuters

Nun haben auch noch die „Rolling Stones“ Donald Trump die Musik abgedreht. Der Präsidentschaftskandidat steht vor einem ernsten Problem.

          Donald Trump ist seine Wahlkampfhymne los. Am Dienstag hatte der New Yorker Milliardär auf der Siegesfeier nach den Vorwahlen in Indiana „Start Me Up“ von den Rolling Stones einspielen lassen, am Donnerstag verbot ihm die Band jede Nutzung eines ihrer Lieder. Die, gelinde gesagt, moderate Reaktionszeit ist wohl auf das gesegnete Alter der vier Musiker zurückzuführen, die gemeinsam weitaus langlebiger sind als die Vereinigten Staaten: 286 Jahre. Da kann man sich ein wenig Muße beim Ärgern lassen. Deshalb gab es auch keine rasche Reaktion darauf, dass Trump gleich am Abend nach dem Verbot in West Virginia „Start Me Up“ einfach weiterverwendete, allerdings diesmal als Kehraus-Lied nach einem Wahlkampfauftritt, der dafür aber mit einem anderen Stück der Rolling Stones begonnen hatte: „You Can’t Always Get What You Want“, also ein doppelter Verstoß gegen die Direktive der Band.

          Allerdings ist Trump allmählich in einer Zwangslage, denn es ist nicht so, dass die Rolling-Stones-Titel seine erste Wahl gewesen wären. Schon im vergangenen Sommer hatte Neil Young ihm verboten, sein „Keep on Rockin’ in the Free World“ zu spielen, im September zwang ihn die Band R.E.M., auf deren „It’s the End of the World as We Know It“ zu verzichten, und im Oktober ließ die Rockgruppe Aerosmith ihren Song „Dream On“ aus dem musikalischen Trump-Wahlkampf nehmen. Der Kandidat träumte indes weiter von heißer Musik und wich auf „Rolling in the Deep“ und „Skyfall“ von Adele aus, die ihm aber auch sofort deren Gebrauch untersagte. Der Rapper Everlast folgte diesem Beispiel und verbot Trump im April die Nutzung seines „Jump Around“. Dann wurden die Stones erste Wahl („I like Mick Jagger“, hat Trump dazu gesagt, dem man auch kaum zutraut, einen Musiker vom Typ Keith Richards zu schätzen).

          Wie wäre es mit dem Walkürenritt?

          Und nun soll mit dem gesamten Songkatalog der Glimmer Twins ein nicht unwesentlicher Teil von allen Amerikanern vertrauten Gassenhauern für die Kampagne verlorengehen? Das stellt eine härtere Herausforderung für Trump dar, als es Cruz und Konsorten je gewesen sind. Wenn ihm künftig tatsächlich nur noch der Zugriff auf rechtefreie Musik bliebe, könnte er etwa auf Mozarts „Ha, wie will ich triumphieren“ aus der „Entführung aus dem Serail“ ausweichen. Aber dann müsste sich sein Wahlkampfteam wohl einmal Gedanken über eine unpopulistische Dramaturgie machen, denn wer im Saal könnte da schon mitgrölen? Und darüber, wie es mit den Rechten an den Einspielungen steht, denn auch gemeinfreie Musik vom Band hat ja Interpreten – Sänger, Musiker, Dirigenten –, die das Abspielen der konkreten Aufnahmen verbieten könnten. Oder Trump pfeift einfach jedes Mal den Walkürenritt.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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