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Trump-Foto manipuliert? : Aber die Frisur sitzt

Die haben doch alle Photoshop! Donald Trump sieht sich durch eine Aufnahme am Freitagabend vor dem Weißen Haus verunglimpft. Bei der selben Gelegenheit entstandene Fotos anderer Fotografen – hier eines von Michael Reynolds – zeigen den Präsidenten ganz ähnlich. Bild: Epa-Efe/Rex

Das war doch Photoshop! Donald Trump wehrt sich gegen ein Foto, das ihn mit einer Bräunungslinie zwischen Gesicht und Haaransatz zeigt. Doch der Fotograf, den der amerikanische Präsident der Manipulation bezichtigt, ist nicht allein.

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          Es waren nur ein paar Schritte über die Rasenfläche südlich des Weißen Hauses nach seiner Rückkehr von einem Auftritt in North Carolina. Für Donald Trump war es die Gelegenheit, am Freitag auf dem Weg vom Hubschrauber ins Oval Office schnell noch ein paar Gesten der Selbstgewissheit für die Kameras der wartenden Fotografen zu präsentieren.

          In der abendlichen „goldenen Stunde“ wirken Schatten weicher und Farben wärmer. Die hellsten und die dunkelsten Bereiche einer Aufnahme weichen dann besonders weit voneinander ab – ein Grund, weshalb Amateurfotografen von Porträtaufnahmen bei einem bestimmten Sonnenstand abgeraten wird.

          Dass eines dieser Fotos in den sozialen Netzwerken auf eine Weise kommentiert werden würde, die den amerikanischen Präsidenten zum Gegenangriff verleiten könnte, damit hatte in diesen wenigen Momenten sicherlich niemand gerechnet.

          Nicht einmal William Moon, der das Foto zunächst in Schwarzweiß mit der sehr sachlichen Bildunterschrift verbreitet hatte, es zeige Trump bei starkem Wind im Sonnenuntergang auf seinem Weg vom Hubschrauber „Marine One“ ins Oval Office.

          Als Farbfoto hatte das Motiv die die schlichte Bildunterschrift „Donald Trump kehrt ins Weiße Haus aus Charlotte, North Carolina, zurück“.

          Doch weder die wirtschaftspolitischen Erfolge, die sich Donald Trump in seiner Rede in Charlotte selbst zugute gehalten hatte, noch das Spiel des Winds im Haar des Präsidenten nach seiner Rückkehr waren Gegenstand der Twitter-Kommentare. Es war die deutliche Kontur am Rande des Gesichts Donald Trumps, der Unterschied zwischen dem dunklen Teint im Gesichtsfeld und den deutlich blasseren Partien an Hals, Haaransatz und um die Ohren.

          Der Präsident geschminkt? Das mag ja noch angehen, es wäre nichts Ungewöhnliches unter Personen des öffentlichen Lebens. Der Präsident so nachlässig geschminkt? Das führte bei Twitter zu einer Welle von Spott und Häme. Trump mochte es nicht auf sich sitzen lassen.

          Gleich in den Tweets William Moons war er mit seinem Twitter-Handle @realDonaldTrump adressiert worden. Schließlich sah er sich zu einer Verteidigungslinie herausgefordert, die in typischer Weise Angriff und Selbstgewissheit vereint: Ganz offensichtlich sei die Aufnahme manipuliert, twitterte er. Dabei sei der Wind recht stark gewesen, und sein Haar sehe doch gut aus. Kein Grund für Beleidigungen!

          William Moon stellte umgehend klar, das Foto nicht mit Photoshop bearbeitet zu haben. Lediglich die „Photo App“ seines Smartphones habe er verwendet, um eine Farbanpassung vorzunehmen. Der Fotograf war nicht allein am Freitagabend vor dem Weißen Haus. Und die Aufnahmen seiner Kollegen weichen zumindest nicht auffällig von denen Moons ab.

          Donald Trump am Freitagabend vor dem Weißen Haus, aufgenommen von Joshua Roberts Bilderstrecke

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