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Frankfurter Buchmesse : Mutig in den Oktober

Der Platz an der Messe Frankfurt vor der Festhalle und Messeturm: Im Oktober soll er sich für Buchmesse wieder füllen. Bild: Maximilian von Lachner

Trotz der Corona-Krise findet die Frankfurter Buchmesse im Oktober statt. Dafür soll ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt werden. Erwarten kann man eine Buchmesse, die sich fundamental von den früheren unterscheidet.

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          Es war an der Zeit: Der Aufsichtsrat der BBG, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beteiligungsgesellschaft, hat eine Entscheidung gefällt, die man wegen des benötigten Vorlaufs nicht mehr länger hätte aufschieben können. Die Frankfurter Buchmesse findet in diesem Herbst statt – zur Erleichterung der Buchmesse, der Messe Frankfurt, des Börsenvereins und sicherlich auch vieler Publikumsverlage, die, so teilt die Buchmesse mit, „die Idee eines neuen Veranstaltungskonzepts im Rahmen der Buchmesse initiiert“ haben und „eng in die Konzeption, Kommunikation und Umsetzung dieser Idee involviert“ sind.

          Dass man zusammenrückt, ist kein Wunder, denn die Aufgabe ist schwer. Von einem „hohen Maß an Unwägbarkeiten“ in der Vorbereitung und Durchführung der Messe hieß es dann auch laut dpa, und das ist nicht übertrieben. Die Unsicherheit betrifft drei Bereiche. Zum einen wird sich ein noch so ausgeklügeltes Hygienekonzept in der Situation vor Ort bewähren müssen – eine „ständige Anpassung an die geltenden rechtlichen Voraussetzungen“ sei unerlässlich, teilte die Buchmesse mit. Fest steht, dass die Gänge breiter werden und die Zahl der belegten Hallen kleiner, die Großbühnen werden „weitestgehend durch digitale oder entzerrte, physische Angebote ersetzt“, und den Verlagen komme man mit der Standgröße entgegen.

          Können sich die Verlage eine Teilnahme überhaupt leisten?

          Zweitens stellt sich die Frage, welche Verlage überhaupt noch kommen werden. Die Messe erwarte Aussteller „aus ganz Europa“ heißt es, beim „internationalen Ausland“ werde man sehen müssen, wie es dann Mitte Oktober mit den Reisemöglichkeiten aussieht. Und mit dem kanadischen Ehrengast berate man „über ein der Situation angepasstes Konzept“. Aber können sich die von Corona gebeutelten Verlage in Europa und der Welt eine Teilnahme in der nötigen Mitarbeiterzahl noch leisten? Und wollen sie das überhaupt, zumal unter Bedingungen, die den Publikumsverkehr zumindest einschränken? Was, wenn auch die Rechtehändler sich für das digitale Angebot erwärmen und zuhause bleiben? Und was, drittens, wird aus der Messe, wenn es zu einer neuen Corona-Welle im Herbst kommt?      

          Mutig ist die Entscheidung also in jedem Fall. Erwarten kann man eine Buchmesse, die sich fundamental von jeder unterschieden wird, die in den vergangenen Jahrzehnten abgehalten worden ist. Ob das die Besucher zu schätzen wissen, wird sich zeigen. Mit etwas Glück aber verstärkt der Wille zu dezentralen Literaturveranstaltungen in der Stadt eine Tendenz der letzten Jahre, die dem üblichen Rechtehandel während der Messe eine Fülle von Lesungen an die Seite stellt. Nach der ausgefallenen Frühjahrsmesse in Leipzig dürfte besonders hier das Interesse der „eng involvierten“ Publikumsverlage liegen. Und mit ihm auch das der Autoren und Leser.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

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