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Trostlose Bauwelt : Architekten: Auf die Barrikaden!

Kalte Investorenarchitektur: Blick auf die Hamburger Hafencity

Die Antwort ist einfach: Weil man hier vor allem Büroflächen bauen wollte - und das mit dem Argument, eine durchmischte, kleinteilig parzellierte Wohnstadt mit erschwinglichen Wohnungen und wassernahen Gärten sei eine schöne Utopie, aber vollkommen realitätsfremd; hier brauche man Büros, damit sich das Ganze rechne. Aber die behauptete ökonomische Notwendigkeit war ein Irrtum: Denn während in Hamburg der Wohnraum knapp ist, steht rund eine Million Quadratmeter Bürofläche leer, allein in der Hafencity mittlerweile 36.000 Quadratmeter; bis Ende des Jahres sollen in Hamburg weitere 400.000 Quadratmeter Bürofläche auf den Markt kommen, und das Überangebot drückt die Preise.

Die Folgen sind vor allem ökonomisch desaströs: Dem Investor eines Geschäftskomplexes war, offenbar aus Angst, das Bild eines florierenden Wirtschaftsquartiers könne sonst zusammenbrechen, von der Stadt die Abnahme von 45.000 Quadratmetern zugesichert worden - nun steht die öffentliche Hand in der Pflicht. Nachdem er keinen anderen Abnehmer fand, muss die Stadt als Mieter einspringen. Zunächst wollte man das Bezirksamt Mitte in die Hafencity umsiedeln, was den Bezirkspolitikern zu teuer war - sie hätten mit einer Miete von fünfzehn Euro statt wie bisher acht Euro pro Quadratmeter den Mietmarkt der Hafencity subventionieren müssen. Jetzt soll die Wirtschaftsbehörde einziehen.

Kaderschmiede künftiger Wirtschaftsführer

Es ist hier also nicht so, dass die globale Ökonomie der öffentlichen Hand Geld in die Kassen spült, das sie segensreich verwenden kann. Die öffentliche Hand alimentiert das Bild einer florierenden Ökonomie - um den Preis, dass der öffentliche Raum verödet. Das Überseequartier der Hafencity ist so etwas wie das Potemkinsche Dorf der globalen Ökonomie, eine Simulation von Urbanität, ein Stadtbild anstelle der Stadt. Es ist vor allem diese Unterordnung unter das angeblich unvermeidbare Diktat des Ökonomischen, die das Bild aktueller Städte prägt. Das sogenannte „Herz der Hafencity“ wurde früh an ein deutsch-niederländisches Konsortium verkauft, und die Versuche der Stadtplaner, dem Areal doch noch irgendwie Leben einzuhauchen, beschränken sich auf Urbanokosmetik: Architektur darf hier die anheimelnde Tarnkappe für die Formen liefern, die die ökonomischen Verwertungsinteressen angenommen haben. Man verpasste also den Bürokisten mit Backsteinfassaden ein nostalgisches Lokalkolorit, und weil am Hamburger immer die Sorge nagt, er könne zu bieder wirken, durften die Architekten ein paar sinnlose optische Turbulenzen einbauen. Erick van Egeraats Sumatrahaus sieht aus, als habe man einen rostigen Öltanker auseinandergeschweißt und als Fassadenschmuck recycelt. Dem ökonomischen Desaster wird mit der optischen Ruine ein Denkmal gesetzt, das Hafencity-Herz darf so aussehen wie das, was es sozial und städtebaulich ist: ein Trümmerhaufen.

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