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Untergang des Römerreichs : Ein Imperium zerbröselt

Nimm das, du überkommenes kulturelles Relikt! Alarichs Barbarensturm auf Rom, wie der Maler Joseph-Noël Sylvestre ihn sah. Bild: Ann Münchow

Braucht man in unruhigen Zeiten ein starkes Militär? Trier widmet sich in gleich drei Ausstellungen dem Untergang des Römischen Reichs, fragt nach den Ursachen und zeigt die Folgen für die Stadt und den Erdkreis.

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          Wenn man einem Gespenst begegnet, heißt es in Edith Whartons Novelle „Später“, dann wird man es meist gar nicht erkennen. Erst nach langer Zeit werde man im Rückblick plötzlich wissen, wem man da gegenüberstand, in einem Mo­ment, dessen Tragweite man erst aus großem Abstand einschätzen könne. Und dann sagen: „Das ist es gewesen.“

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Es gibt gute Gründe, diese These auf den Untergang des römischen Reichs anzuwenden. Denn dass ein bedeutender Anteil der Zeitgenossen das Jahr 476, in dem der letzte weströmische Kaiser aus dem Amt gedrängt wurde, als sonderlich einschneidend wahrgenommen hätte, ist nicht belegt. Der eigentliche starke Mann im Reich, der Heeresführer Odoaker, regierte von nun an als König anstelle des Kaisers, aber beispielsweise an der Verwaltung sollte sich noch ein halbes Jahrhundert lang nichts ändern. Auch die inneren und äußeren Krisen setzten sich über das Datum hinaus fort: Der Erosionsprozess ganzer Provinzen, die wie Britannien oder Nordafrika dem Reich verloren gingen, kam erst richtig in Fahrt und schwächte die Zentralmacht auch wirtschaftlich erheblich. Die Plünderung Roms durch Alarichs Truppen im Jahr 410 war nur der Auftakt zu einer Welle von Eroberungszügen gewesen, die Italien erreichten. Und überhaupt, wer hätte denn im Jahr 476 darauf wetten mögen, dass sich kein neuer weströmischer Kaiser etablieren würde – mit welcher Machtfülle auch immer?

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