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Treffen mit Snowden : Neulich in Moskau

  • -Aktualisiert am

Angela Richter und Edward Snowden vor ein paar Wochen in Moskau Bild: privat

Die Regisseurin Angela Richter hat für ihr neues Stück Edward Snowden in Moskau getroffen. Hier erzählt sie, was sie von ihm gelernt hat und wie sich Snowden von anderen Whistleblowern unterscheidet.

          Als Theaterregisseurin beschäftigen Sie sich seit einiger Zeit verstärkt mit den Themen Massenüberwachung und Whistleblower. Wie kam es zu Ihrem Interesse dafür?

          Angefangen hat es mit den Wikileaks-Enthüllungen. Ich fand das irre und wollte ein Stück darüber machen, und weil meine Stücke meistens auf Interviews basieren, wollte ich unbedingt mit Julian Assange sprechen.

          Sie haben dann auf Ebay ein Essen mit ihm ersteigert. Die Geschichte ist eigentlich bekannt, Sie haben im „Spiegel“ darüber geschrieben, ganz kurz noch mal.

          Paypal, Mastercard und Visa hatten zu der Zeit die Wikileaks-Konten blockiert, und Assange brauchte Geld, um die Organisation am Laufen zu halten, weshalb er sozusagen sich selbst versteigert hat. Es gab acht Plätze, und ich habe einen davon ergattert. Ich glaube, es hat 1600 Euro gekostet. Es war alles völlig absurd. Slavoj Žižek war auch da, und Laura Poitras, die damals einen Film über Wikileaks machen wollte - da kam ihr dann Edward Snowden dazwischen . . .

          . . . für ihren Film über Snowden, „Citizenfour“, hat sie dieses Jahr einen Oscar gewonnen . . .

          Genau. Bei dem Essen hab’ ich Assange erzählt, was ich vorhabe, und gefragt, ob ich ihn interviewen darf. Er schien nicht abgeneigt, aber danach habe ich wochenlang nichts von ihm gehört. Und dann meldete sich doch irgendwann ein Assistent - und, um es abzukürzen, wir haben uns dann oft getroffen und sind immer noch in Kontakt.

          Edaward Snowden mit Glenn Greenwald in „Citizenfour“ von Laura Poitras

          Sie haben ihn immer in der ecuadorianischen Botschaft besucht?

          Das erste Treffen war in einem Café in London. Da war er noch mit Fußfessel unterwegs. Aber seit fast drei Jahren ist er ja nur noch in der Botschaft. Er kann die ja nicht verlassen. Nie.

          Wie lebt es sich dort?

          In die Räume fällt kein direktes Sonnenlicht, weshalb er Vitamin-D-Mangel hat, und wegen der fehlenden Weitsicht hat er Sehstörungen. Manchmal kommt ein Trainer, damit er ein bisschen Bewegung hat. Er hat auch ein Sportgerät, das ihm die Sängerin M.I.A. geschenkt hat, mit der er befreundet ist, eine Power Plate. Mich würde es deprimieren, so zu leben, aber er hält sich erstaunlich gut.

          Und über Assange haben Sie dann andere Leute aus dieser Szene kennengelernt?

          Ja. Ich hab’ viel Zeit mit seinen Anwälten und Internetaktivisten verbracht. Und dann war ich zweimal auf der HOPE-Konferenz in New York, das ist eine riesige Hacker-Konferenz. Da bin ich auf eigene Faust hingeflogen, weil’s mich interessiert hat. HOPE - Hackers on Planet Earth. Und dort hielt zum Beispiel Ben Wizner einen Vortrag, ein Anwalt der ACLU, der American Civil Liberties Union. Wikileaks hat uns zusammengebracht. Und der ist jetzt der Hauptanwalt von Edward Snowden. Die Szene ist eigentlich ziemlich überschaubar.

          Für Ihr neues Stück, das am 28. Mai in Köln Premiere hat, haben Sie vor kurzem Snowden getroffen. Wo trifft man den? Bei ihm zu Hause in Moskau, an einem öffentlichen Ort?

          Ich habe ihn in einem Hotel getroffen. Ich kann jetzt nichts Näheres über die Umstände sagen, nur so viel: Ich hab’ ihn alleine getroffen. Als er im Hotelflur um die Ecke kam, hatte er eine Mütze auf und den Kragen hochgestellt. Das war echt wie in einem Spionagefilm. Dann sind wir in ein Zimmer, und als er die Mütze abgenommen hat, sah er noch jünger aus als im Film.

          Und dann Hotel-Telefone ausgesteckt, Jalousien runtergelassen?

          Für mein iPhone habe ich sowieso eine Schutzhülle, die in etwa denselben Effekt hat, wie wenn man das Telefon in den Kühlschrank legt. Kann man sich für fünf Euro aus China im Internet bestellen, damit ist das Telefon nicht trackbar. Aber sonst? Wir waren in Russland. Wer da noch so zuhört in einem Hotelzimmer, weiß man nicht.

          Und wie war er?

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