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Insolvenzplan : Trauerspiel Suhrkamp

  • -Aktualisiert am

Kultur geht nicht vor Recht: Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs droht der Insolvenzplan des Traditionsverlags zu scheitern.

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          Soll der Suhrkamp Verlag, eines der bedeutendsten Häuser der Literatur und des Geistes in Deutschland, am Ende doch am Streit der Eigentümer zerbrechen? Eins ist im juristischen Dauerkonflikt jedenfalls deutlich geworden: Die Zeit spielt gegen den Verlag. Und auch das hat die Entscheidung des Bundesgerichtshofs allen klargemacht: Die Justiz sieht den Suhrkamp-Streit naturgemäß als rechtliche Kontroverse, sie kann und darf kein Kulturgut bewerten. Sollte der Suhrkamp Verlag tatsächlich wieder zur Kommanditgesellschaft werden, also keine AG werden, wird sich die jetzige Verlagsleitung auf die eine oder andere Weise mit der ungeliebten Medienholding von Hans Barlach arrangieren müssen.

          Denn die jüngste Entscheidung des BGH stärkt die Rechte des Miteigentümers Barlach. Das Gericht weist darauf hin, die Möglichkeiten des neuen Insolvenzrechts dürften nicht dazu dienen, Minderheitenrechte auszubremsen. Die Beteiligten auf Seiten des Verlages hatten offenbar nicht damit gerechnet, dass die Umwandlung der Rechtsform des Verlages, die sie betrieben, gegen diese Maxime verstoßen könnte. Genau das aber attestiert der Bundesgerichtshof nun, anders als vor einem halben Jahr das Berliner Landgericht, dem von Suhrkamp vorgelegten Insolvenzplan.

          Statt die kulturelle Bedeutung des Verlages, die unstrittig ist, in den Vordergrund zu stellen, hätte man genauer auf die rechtlichen Spielregeln achten müssen. Nun also muss das Landgericht mit den Vorgaben aus Karlsruhe neu in die Sache einsteigen. Und dabei die entscheidende Frage beurteilen, ob Barlach und seine Medienholding in einem geregelten Insolvenzverfahren nach den alten Vorgaben besser dastehen würden als in der Variante einer relativ neuen Rechtsprechung. Die Anwälte des Verlags sind nach wie vor nicht dieser Ansicht, während der BGH deutliche Zweifel an dieser Rechtsauffassung erkennen lässt.

          Ob Suhrkamps Berater ihren Versuch jetzt bereuen, mit Hilfe des Insolvenzrechts die Gesellschafterprobleme zu bereinigen? Barlach, den sich kaum jemand als Sieger der Suhrkamp-Kontroverse wünscht, nachdem er den Verlag seit Jahren mit Klagen überzieht, wird nun vom Bundesgerichtshof gestärkt. Das mag noch nicht das letzte Wort in dieser Sache sein. Aber das von vielen angenommene glatte Ende weicht nun einem neuen Akt im Trauerspiel.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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