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Trauergeleit für Margaret Thatcher : Ein letzter Hauch von Empire

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Ein Abschied, wie er wohl keinem Premierminister je wieder zuteil werden wird: Margaret Thatchers Sarg wird in die Kathedrale St Paul’s getragen Bild: Getty Images

Die Trauerfeier für Margaret Thatcher wird zur Reise durch Englands Geschichte. Zu den Paradoxien des von ihr selbst festgelegten Zeremoniells gehört der Widerspruch zwischen ihrem Wunsch nach Erneuerung und dem Bewusstsein für Tradition.

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          Als die Lafette mit dem Eichensarg von Winston Churchill an einem eisigen Januartag an der Menge vorbeizog, nahmen die Männer als Zeichen des Respekts schweigend den Hut ab. Das Schweigen sei greifbar gewesen, schrieb Patrick O’Donovan, der rasende Reporter des „Observer“, die große Menge habe „nicht ganz so kalt wie der Tod selbst in eloquentem und absolutem Schweigen“ zugeschaut.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Heute werden Hüte kaum noch getragen. Und als jetzt, fast fünfzig Jahre nach dem Staatsbegräbnis für den britischen Kriegspremier, der Sarg von Margaret Thatcher an den Zuschauern vorbeirollte, wurde das Schweigen durchbrochen. Die Menschen begannen zu klatschen, mitunter sogar zu jubeln. Hier und da waren vereinzelt Pfiffe und Buhrufe zu vernehmen.

          Gefühlsausbrüche, wie sie in der Zeit, als es sich schickte, eine steife Oberlippe zu wahren, nicht denkbar gewesen wären. Eine flüchtige Vignette unterstrich, was sich alles verändert hat: Im Anschluss an die Trauerfeier, während die Königin, in diskretem Abstand, und Margaret Thatchers Angehörige auf den Stufen der von Christopher Wren errichteten St Paul’s Cathedral warteten, bis der mit dem Union Jack drapierte Sarg in den Leichenwagen geschoben wurde, stand Carol Thatcher da, die vor einigen Tagen erklärt hatte, dass diese Woche selbst für eine Tochter der Eisernen Lady schwierig sein werde - und hielt sich scheinbar das Mobiltelefon ans Ohr.

          Was Thatcher und Churchill trennt und verbindet

          Die Strecke von Westminster zur Kathedrale ist an diesem Mittwoch die gleiche gewesen wie damals bei Churchill: „eine Straße, die die halbe Geschichte Englands genommen zu haben scheint auf dem Weg zu einer Krönung oder zu einem öffentlichen und unehrenhaften Tod, um zu morden oder ermordet zu werden, um einen Aufstand anzuzetteln, um Reichtum zu suchen oder um beigesetzt zu werden“, wie O’Donovan damals schrieb. Entlang dieser Strecke lagen Marksteine, die veranschaulichen, was die Zeiten dieser beiden konservativen Premierminister verbindet und was sie voneinander trennt.

          Königin Elizabeth II. nahm mit ihrem Gemahl Prinz Philip an den Trauerfeierlichkeiten für Margaret Thatcher teil

          In St Clement Danes, der ebenfalls von Christopher Wren erbauten Pfarrkirche der britischen Luftwaffe, wurde Margaret Thatchers Sarg am Denkmal für Bomber-Harris vorbei auf die Lafette getragen, eine Erinnerung an die Erfahrung des Zweiten Weltkrieges, in dem die Schülerin, wie sie später in ihren Memoiren festhielt, die patriotische Überzeugung lernte, dass „bei großer Führung von der Art, wie ich sie von Winston Churchill in den Rundfunkübertragungen hörte, denen wir lauschten, es so gut wie nichts gab, was das britische Volk nicht leisten könnte“.

          Von dort führte der Zug an den Gerichtshöfen vorbei in die Fleet Street, wo die Paläste der großen Verlagshäuser stehen, deren Untergang durch Margaret Thatchers Sieg über die Gewerkschaften eingeläutet wurde. Zu den eindringlichsten Bildern von Churchills Staatsbegräbnis gehört der Moment, nachdem der Sarg auf die Barkasse geladen worden war, der den Leichnam zum Waterloo-Bahnhof brachte für die letzte Etappe zur Beisetzung auf dem Friedhof der kleinen Pfarrkirche von Bladen, nahe seiner Geburtsstätte auf Schloss Blenheim. Als das Boot sich in Fahrt setzte, verneigten sich die ächzenden Kräne, die den Fluss säumten, wie greise Herren synchron vor dem Toten.

          Es drängten sich Paradoxien auf

          Auch dieser symbolische Anblick gehört der Vergangenheit Londons als großer Hafenstadt an. In der Thatcher-Ära wurden die inzwischen brachliegenden Hafengebiete in teuerste Büros und Wohnungen für jene verwandelt, die ihren neuen Reichtum der Deregulierung der Finanzmärkte verdankten, durch die die Premierministerin dem privilegierten Klüngel des „Old Boys’ Network“ den Garaus machte.

          Britanniens Ehrengarde war ein wesentlicher Teil des Leichenzugs

          Zu den Paradoxien, die sich am Mittwoch aufdrängten, gehört der Widerspruch zwischen diesem Mut zur Erneuerung und Margaret Thatchers tiefem patriotischem Traditionsbewusstsein, wie er sich im feierlichen Zeremoniell ebenso wie in der von der Verstorbenen bestimmten Auswahl der Gedichte, Lesungen und Kirchenlieder äußerte.

          Am Vorabend der Trauerfeier erklärte Charles Moore, Autor der offiziellen Biographie, in einer Debatte zum Thema, „Margaret Thatcher: Mutter der Modernisierung?“, diese scheinbar widerstreitende Eigenschaft, zugleich die konservativste und radikalste Premierministerin gewesen zu sein, mit der bitteren Erfahrung des Versagens der Regierung Heath, der sie als Bildungsministerin angehörte.

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