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Trauer : Kabarett-Legende Wolfgang Gruner erlag Krebsleiden

  • Aktualisiert am

Wolfgang Gruner Bild: dpa

Wolfgang Gruner, einer der großen deutschen Kabarettisten, ist tot. Er erlag in Berlin im Alter von 75 Jahren einem Krebsleiden.

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          Wolfgang Gruner gehörte zu den bekanntesten Kabarettisten der Berliner Nachkriegszeit, mit seinem Namen verbinden noch heute viele den Begriff des „quasselnden Berliners“ mit „Kodderschnauze“. Berühmt wurde er als Protagonist des 1949 gegründeten Berliner Kabaretts „Die Stachelschweine“, dem er mit Partnern wie Jo Herbst und Achim Strietzel jahrzehntelang seinen Stempel aufdrückte.

          Der am 20. September 1926 in Rathenow im Havelland geborene Gruner ging in Berlin zur Schauspielschule, unter anderem zusammen mit der anderen „Berliner Schnauze“ Edith Hancke sowie mit den „Jungens vom Wedding“: Horst Buchholz und Harald Juhnke. In einem Jazzkeller trat er im Nachkriegsberlin bald in dem von Rolf Ulrich gegründeten politischen Kabarett „Die Stachelschweine“ auf, das 1965 in den Keller des Europacenters an der Gedächtniskirche zog.

          Konkurrenz zu Dieter Hildebrandt

          Höhepunkte des häufig auch vom Fernsehen übertragenen Programms waren stets die Soloauftritte Gruners, die in Deutschland lange Zeit mit den Soli von Dieter Hildebrandt bei der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ konkurrierten. Neben Arbeiten für den Rundfunk wirkte Gruner auch in verschiedenen Filmen mit, wie zum Beispiel in der Satire über die deutsche Nachkriegszeit „Als geheilt entlassen“ mit Wolfgang Neuss und Jo Herbst als Partner. Mit Neuss spielte er auch zusammen Theater. „Zwei Berliner in Paris“ war in den 50er-Jahren ein großer Erfolg am Berliner Kurfürstendamm. Dem TV-Publikum war Gruner zudem lange Jahre als „Fritze Flink“ in Wim Thoelkes legendären Quizshow „Der große Preis“.

          „Schnauze mit Herz“: Erinnerungen in Buchform

          Seine Erinnerungen schrieb Gruner in dem Buch „Schnauze mit Herz“ nieder. Im Juni 1997 spielte er nach Jahrzehnten wieder Boulevardtheater am Kurfürstendamm, ein Jahr später lieferte er seinen eigenen Beitrag zum 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke, indem er zusammen mit Brigitte Grothum als „Kaiser von Neukölln“ in dem Volksstück von Horst Pillau über die Blockade im eigenen Haus auf der Bühne stand.

          Gruner, der in der Nacht zum Sonntag starb, wie Charlotte Reeck, Geschäftsführerin der „Stachelschweine“ bestätigte, hatte neben seiner Berliner Wohnung auch einen Bauernhof in Schleswig-Holstein, auf dem er gerne seine Freizeit verbrachte. Bereits zum Jahreswechsel war der 75-Jährige mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus behandelt worden.

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