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Transhumanismus und die Folgen : Blutdurst

  • -Aktualisiert am

Peter Thiel spricht im Juli auf dem Nationalkonvent der Republikaner. Bild: Reuters

Es kann noch eine Weile dauern, bis das Bewusstsein in einem Silizium-Gehirn aufgeht. Der Digital-Milliardär Peter Thiel hält sich unterdessen mit dem Blut junger Männer frisch.

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          Der Silicon-Valley-Milliardär, Facebook-Investor, Trump-Delegierte und Ex-Frankfurter Peter Thiel ist auch ein exzellenter Schachspieler. Für den zum Greifen nahen Aufstieg in die Liga der Weltbesten war Thiel aber zu berechnend. Mit Blick auf den Grenznutzen meinte er, dass der letzte kleine Schritt zu viel Zeit kosten würde, und ließ es sein. Mit Garri Kasparow schrieb er stattdessen ein Buch, in dem die Autoren klagten, dass der technische Fortschritt immer noch vor sich hin dümpele und wir nicht, wie seit langem versprochen, im Urlaub den Mond besuchen oder Weltraumkabel zur Sonne verlegen.

          Die Menschen sind in ihrem Denken so unendlich klein. Das leere Versprechen ist auch die Strategie der Transhumanisten, zu denen Thiel gehört. Seit Jahren prophezeien sie den Transfer des Bewusstseins in ein Silizium-Gehirn. Weit sind sie nicht gekommen. Google macht Fortschritte. Aber es dauert zu lang. Im Wettlauf zwischen unsterblicher Seele und körperlichem Verfall stehen Thiels Aktien schlecht. Viel Zeit bleibt nicht mehr, was Thiel dazu trieb, sich regelmäßig frisches Blut zu injizieren. Das hält den Kreislauf in Schwung, solange der Seelentransfer auf sich warten lässt.

          Thiel träumt, wie alle Transhumanisten, von der Unsterblichkeit, und Blut ist ein Saft, der sie verheißt. Der chinesische Leichtathletik-Trainer Ma Junren stellte seinen Läuferinnen einst Schildkrötenblutsuppe auf den Mittagstisch. Derart gestärkt, stellten sie Weltrekorde für die Ewigkeit auf. Thiel saugt lieber das Blut junger Männer. Das Einfrieren des Körpers, bisher der transhumanistische Königsweg zur Unsterblichkeit, ist ihm eine zu unsichere Bank. Noch ist keiner der Gruft entstiegen. Man schläft nur ruhiger im ewigen Eis. Käme Peter Thiel nach Bayreuth, könnte er sehen, wie Jan Philipp Gloger den „Fliegenden Holländer“ als vom Mahlstrom des Kapitals getriebenen Manager um den Globus schickt. Ein Easy-Jet-Lover, von der Liebe erlöst. Die Pointe ist platt. Die Weltmacht Liebe kann in der polyzentrischen Welt nicht mehr alles richten. Der nächste Flieger hebt immer gleich ab und trennt das liebende Paar. Halten wir es lieber mit Godard: „Unsterblich werden. Und dann sterben.“

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

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