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Transhumanismus : Bring mir den Kopf von Raymond Kurzweil!

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Ein Chip im Kopf ist nur der Anfang: Werden Maschinen Menschen bald tatsächlich zu einer unsterblichen Spezies machen? Bild: Photographer's Choice/Getty Imag

Bald könnten Computer den Tod abschaffen, sagen Transhumanisten. Das klingt nach wilden Science-Fiction-Phantasien. Doch auch die EU investiert mittlerweile in die Digitalisierung des Körpers

          Eine Frau läuft durch die Großstadt, sie steht an der Ampel, als ihr rechter Arm und ihr Kopf plötzlich zu zucken beginnen. Nur mit Mühe kann sie weitergehen, ihre Gliedmaßen bewegen sich ruckartig und unkoordiniert. Im Krankenhaus schließlich wird ihr Kopf gescannt, das Problem erkannt und der Frau geholfen: Die Ärzte schieben ihr einen kleinen weißen Chip seitlich in den Schädel, die Patientin öffnet die Augen, sie lächelt. Auf ihrer Stirn erleuchtet ein kleines Apfelsymbol.

          Das Video gibt vor, der neue Werbespot für das iPhone 7 zu sein, es ist aber von Noka, einem Unternehmen, das in Kunstfilmen gesellschaftliche Trends karikiert. Musikalisch untermalt ist der Spot von Leslie Feists Lied „Tout doucement“. Ganz sanft solle alles vorangehen, dann sei das Leben phantastisch, singt Feist. Der Film ist Parodie und Prophezeiung zugleich, zwinkernd führt er den Zuschauern die zunehmende Abhängigkeit von digitalen Geräten vor und flüstert dabei: Der nächste Schritt in die transhumane Dimension ist nah. So sanft wie Feist singt, suggeriert Noka, verschmelzen Mensch und Maschine.

          Mini-Roboter in der Blutbahn

          2030 soll es so weit sein. Die Computer werden den Tod abschaffen. Wir werden nicht mehr leiden und nicht mehr sterben müssen. So verspricht es Ray Kurzweil, Pionier in der Forschung zu künstlicher Intelligenz und Kopf der transhumanistischen Bewegung. Einer Bewegung, die auf die Veränderung und Überwindung des menschlichen Körpers durch die Technologie setzt. Nach Kurzweil könnten schon bald Nanobots, sehr kleine Roboter in der Blutbahn, Viren, Bakterien und Krebszellen bekämpfen. Und der Moment der „Singularität“, verspricht er schon seit Jahren, sei nah: Dann soll künstliche Intelligenz so weit entwickelt sein, dass sie mit der menschlichen verschmelzen kann. Das sei der Augenblick, an dem sich Mensch und Maschine so weit annähern, dass die digitale Kopie von Personen, der Download der Identität möglich wird. Durch die Nanobot-Medizin werden Menschen nicht mehr altern; falls doch, wird ihre jeweilige Gehirn-Software auf robotische Avatare überspielt.

          Das klingt nach wilden Science-Fiction-Phantasien eines Spinners, den man nicht ganz ernst nehmen kann. Doch Ray Kurzweil ist Chefingenieur von Google, Träger von 19 Ehrendoktorwürden, Erfinder des Flachbett-Scanners sowie des ersten Sprach-Synthesizers; er hat Dutzende weiterer Patente erhalten und in den Achtzigern korrekt den Kollaps der Sowjetunion sowie das Jahr vorausgesagt, in dem ein Computer den Weltmeister im Schach schlagen würde. Auf der Exponential-Finance-Konferenz, die im Juni führende Köpfe der IT- und Finanzbranchen in New York zusammenbrachte, verkündete er, dass wir uns bereits in 15 Jahren direkt mit der künstlichen Intelligenz verbinden werden, dass wir selbst die künstliche Intelligenz werden.

          Die Abschaffung des Todes

          Und Kurzweils transhumanistische Ideen verbreiten sich: Während er bei Google an der Abschaffung des Todes arbeitet, haben sich in verschiedenen Ländern transhumanistische Parteien gegründet, die nicht nur eine kleine Zahl von durchgeknallten Bio-Hackern vertreten. In den Vereinigten Staaten will Zoltan Istvan, ein anerkannter Philosoph und Unternehmer, als erster Kandidat der Transhumanisten für die Präsidentschaftswahl 2016 kandidieren.

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