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Transhumanismus : Bring mir den Kopf von Raymond Kurzweil!

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Informationstechnik soll zur egalitären Verteilung von Bildung und der Minderung von Leid eingesetzt werden, findet Leis. So befürwortet sie gleichermaßen den Netzausbau wie die weitere Entwicklung von Maschinen, die den Menschen beim Denken und Lernen helfen. „Die den Menschen dienen“, fasst sie zusammen. Von außen wie von innen, also durch invasive Methoden wie in der prophetischen Apple-Werbespot-Parodie oder eben von außen in Gestalt von humanoiden Robotern, die diverse Dienste übernehmen könnten. Für beides ist in dieser Ideologie die Entwicklung von Computern, Chips oder Maschinen notwendig, die den Menschen, ihrer Funktionsweise und einzelnen Teilen wie dem Gehirn immer ähnlicher sind.

„Solche Maschinen könnten wir für all die Tätigkeiten einsetzen, die früher Sklaven verrichten mussten und bei denen auch heute immer noch Arbeiter ausgebeutet werden. Menschen könnten sich dann der Kultur, den Künsten und der Wellness widmen, alle wären gebildeter, die Grundlagenforschung würde aufblühen.“ So Leis’ Vision. „Doch man sollte nicht forcieren, Roboter zu erschaffen, die eigene Bedürfnisse entwickeln, die dann Lohn oder einen freien Sonntag fordern.“

Alles ist programmierbar

Aber könnte eine Maschine überhaupt Gefühle entwickeln, Ziele und Absichten verfolgen? Warum sollte sie das tun? Basieren Emotionen nicht auf Geburt und Tod? Und dem, was dazwischen liegt: Dem Leben, das aus einer Vereinigung entsteht? Basieren Emotionen nicht darauf, dass ein Lebewesen nie autark ist? Ist das nicht der Grund dafür, dass Menschen Liebe, Begehren und Empathie kennen, Hunger, Angst und Schmerz? „Der Selbsterhaltungs- und damit auch der Fortpflanzungstrieb sind doch auch nur Programmierungen“, antwortet Leis, „biologische Programmierungen.“ Und somit würden sie sich in der Maschine imitieren lassen?

Genau so sieht es Ray Kurzweil. Auf die Frage, ob ein Computer denn ein Bewusstsein, Humor oder Zweifel haben kann, verweist Kurzweil auf einzelne Abschnitte in seinem Buch „How to Create a Mind“, in denen er die Vorstellung eines Bewusstseins dekonstruiert, das mehr sein soll als die Fähigkeit der Selbstwahrnehmung. Und zu einer solchen Fähigkeit könne auch eine Maschine programmiert werden. Identität sei ebenfalls nichts anderes als die Kontinuität der Muster von Information, die „uns“ ausmachen. Erfahrung würde sich in diesen Mustern an Informationen im Gehirn niederschlagen. So lautet Kurzweils Kurz- und Zusammenfassung der verschiedenen Humanwissenschaften: Kultur und Biologie, Sozialisation und Gene vereinen sich zum digitalen Code eines jeden Menschen, und der kann schließlich kopiert werden. Unsere Körper, wie sie bislang funktionierten, seien wunderbar und hätten uns weit gebracht, jetzt aber würden wir aus guten Gründen ein nachhaltigeres Substrat für unsere Identitäten entwickeln, so Kurzweil.

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