https://www.faz.net/-gqz-85k6i

Transhumanismus : Bring mir den Kopf von Raymond Kurzweil!

  • -Aktualisiert am

Die Diskriminierung von Transhumanisten

„Es liegt in unserer Hand, wofür wir künstliche Intelligenz einsetzen und welche Roboter wir erschaffen“, sagt Miriam Leis, Mitglied der transhumanistischen Gesellschaft Deutschland und Thinktank-Manager am Fraunhofer-Institut zur Technikfolgenabschätzung. Sie sitzt im Café des Jüdischen Museums in München. Gestern war Christi Himmelfahrt, und heute spricht Leis darüber, ob die Erde dank der Computer ein bisschen himmlischer für die Menschen werden kann. Sie ist optimistisch. „Aber wir müssen die richtigen Entscheidungen treffen“, sagt sie. Transhumanismus bedeutet für Leis zuallererst, sich mit den technischen Möglichkeiten zu befassen, die „neue Realität“ zu erkennen. „Der Humanismus fragt, wie man das Beste aus der menschlichen Natur machen kann. Der Transhumanismus stellt diese Natur in Frage, um aus dem technischen Fortschritt das Beste für den Menschen zu machen.“

Leis ist zwischen Japan und Deutschland aufgewachsen, war schon als Kind fasziniert von Cyborgs und dem Weltall und kontaktierte als Jugendliche die ersten Transhumanismus-Newsgroups, die es bereits in den frühen Neunzigern im Internet zu finden gab. So war ihr plötzlich der Austausch mit Menschen möglich, die sich ebenso sehr für die Veränderung der Welt durch Computer und Technik interessierten wie sie. „Die saßen natürlich alle in den Vereinigten Staaten“, sagt Leis. Doch schon ein paar Jahre später, 1998, gründete sich die Deutsche Gesellschaft für Transhumanismus, deren Mitglied sie bald wurde. Da hatte Leis gerade angefangen, in Konstanz Soziologie zu studieren, das Fach, in dem sie sieben Jahre später promovierte. Thema ihrer Dissertation: „Die Entwicklung von Robotern im Vergleich zwischen Japan und Deutschland“.

Mit Chip im Ohr geht´s besser. Still aus dem Film „Upgrade“, der eine Apple-Werbung parodiert.

Doch Leis hat der Universität den Rücken gekehrt. Für einen kurzen Moment lässt die Euphorie in ihrer Stimme nach, sie will über die Diskriminierung von Transhumanisten sprechen, darüber, dass sie vor allem im deutschen akademischen Betrieb mit Vorurteilen konfrontiert gewesen sei. Sie hatte eine wissenschaftliche Karriere angestrebt, hatte eine Stelle, unterrichtete. Dabei sei sie jedoch zensiert worden, transhumanistische Texte seien ihr aus dem Lehrplan gestrichen worden. Bei Vorträgen habe man erwartet, dass sie sich mehr distanziere von diesen Ideen. „Die Deutschen tragen so eine Risikobrille“, sagt Leis.

Die sozialdemokratischen Transhumanisten

Aber langsam ändere sich das. Die transhumanistische Gesellschaft hierzulande sei stark gewachsen in den letzten Jahren und dabei auch immer heterogener geworden. Hacker und Menschen mit Asperger-Syndrom seien von Anfang an dabei gewesen, Leute aus der Wissenschaft, der Umweltbewegung und KI-Rechtler, also Menschen, die sich für die Rechte von Robotern einsetzen. Neu dazu kämen nun immer mehr Unternehmer. Nach außen ist nicht sichtbar, wer Mitglied ist, wer sich als Transhumanist bezeichnet. Doch das wird sich ändern: Auch die erste deutsche transhumanistische Partei ist in Planung, seit März wird an einer Satzung gearbeitet, eine eigene Website gibt es schon. Während die amerikanische Szene eher wirtschaftsliberal sei, erzählt Leis, seien die deutschen Transhumanisten großteils sozialdemokratisch eingestellt.

Weitere Themen

„Harri Pinter Drecksau“ Video-Seite öffnen

Trailer : „Harri Pinter Drecksau“

Jürgen Maurer spielt Harri Pinter, einen Mitvierziger, der von sich und seinem Auftritt mehr als überzeugt ist. Als seine Freundin ihn jedoch betrügt, gerät sein Selbstbild ins Wanken. Der österreichische Film läuft am 19.07.2019 um 20.15 Uhr auf arte.

Topmeldungen

Von der Leyen und die EU : Die Hoffnungsträgerin

An Enthusiasmus fehlt es der neuen EU-Kommissionspräsidentin nicht. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Ursula von der Leyen es schafft, ein breites Bündnis im Europaparlament für sich zu gewinnen.

737 Max : Flugverbot kostet Boeing Milliarden

Der amerikanische Konzern stellt sich nach den Abstürzen der 737-Max-Maschinen auf hohe Entschädigungen ein. Es könnte sogar noch schlimmer kommen. Doch die Investoren goutieren die Klarheit.
Unsere Sprinter-Autorin: Rebecca Boucsein

FAZ-Sprinter : Wiedersehen mit Greta und Abschied von unserem Wald

Das Klimakabinett streitet über höhere Preise fürs Fliegen, Greta Thunberg reist mit dem Zug nach Berlin und Forstwirte bangen um einen tief in der deutschen Geschichte verwurzelten Baum. Was sonst noch wichtig wird, steht im FAZ-Sprinter.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.