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Tourismus : Die Vertreibung aus dem Urlaubsparadies

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Die Angst vor Arbeitslosigkeit läßt die Urlauber nach Ausweichmöglichkeiten suchen: Deutschland als Traumziel. Und in Surferparadiesen, wo man früher beim Surfen im Einklang mit der Natur stand, herrscht ein Verdrängungswettbewerb wie am Arbeitsmarkt.

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          Die beiden montäglich erscheinenden Zeitschriften „Spiegel“ und „Focus“ stellen die Urlaubswelt auf den Kopf: Deutschland als Abenteuer, Wellenreiten als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

          In München entdeckt man Deutschland als Traumziel mit zweistelligen Zuwachsraten. Hauptgrund für die Abkehr von den südlichen Urlaubsparadiesen ist offenbar die geopolitische Gesamtlage - der einzelne spürt sie als als Angst vor Terroranschlägen. Aber die Konjunktur ist ebenso wichtig: Die „Gefahr weiter steigender Arbeitslosigkeit“ läßt die Urlauber nach preiswerten Ausweichmöglichkeiten suchen.

          Eine Fotoserie läßt dabei den Allgäu wie den Himalaja erscheinen, die sächsische Schweiz wie den Amazonas und Inseln in der Elbe wie eine Idylle in der Südsee. Ausgewählte touristische Angebote auf einigen Serviceseiten können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch in Deutschland Abgründe der Abenteurlichkeit lauern: Erwartet hätte man so etwas wie „Streßabbau“ im Wellnesshotel auf der Insel Rügen. Doch am Hotel „Zur Mühle“ bei Leipzig lockt uns das „Abenteuer Heißluftballon“, im hessischen Odenwald müssen wir auf den „Spuren der Nibelungen“ beim Radeln auf Lindwürmer im Unterholz gefaßt sein, in Berlin drohen gar „humoristische Reisebegleiter“.

          Schaufelbagger-Diplom

          Dann lieber Bildungsurlaub in der Eifel: In Hürtgenwald-Vossenack machen wir für 157 Euro inklusive zwei Übernachtungen unser „Schaufelbagger-Diplom“. Das hilft uns nach dem Urlaub bei den Gehaltsverhandlungen. Mit sicherem Arbeitsplatz und mehr Geld in der Tasche buchen wir dann eine Woche Wellenreiten in Südkalifornien, auf Lanzarote, oder an der Goldküste Australiens. Doch wie der „Spiegel“ warnt, herrscht in diesen Wellenparadiesen inzwischen ein Darwinismus wie am Arbeitsmarkt.

          Trotz Terror oder Ölpest lassen sich fanatische Surfer durch Billigflüge an die exotischten Plätze mit den imponierendsten Wellenbergen locken. Doch die einheimischen Surfer verteidigen ihre Reviere gegen die ausländischen Surfermassen mit nackter Gewalt: von zerstochenen Autoreifen über gezielte Rammversuche bis zum klassischen Faustkampf reicht das Spektrum der Mittel im Verdrängungswettbewerb um lange Ritte und die Blicke der Frauen und Fotografen.

          Da bleiben wir lieber mit „Focus“ beim „coolen City-Surf“ im Eisbach am Englischen Garten, gleich neben dem Haus der Kunst. In der „ruhigsten deutschen Großstadt“ regelt sicher die Polizei den Surfverkehr.

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