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Top 10 der Passwörter : Da kommt nie einer drauf

Kleiner Tipp: „hallo“ ist nicht die beste Wahl. Bild: dpa

Was geht eigentlich in der deutschen Psyche vor? Sie ist auf jeden Fall tief gespalten. Eine einfühlsame Bestandsaufnahme anhand geleakter Passwörter.

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          Singen Sie mal ein Lied! Fällt Ihnen da sofort etwas ein? Wenn ja, ist es wahrscheinlich nichts besonders Individuelles, sondern „Last Christmas“, weil das eben heute morgen im Radio lief. Genau so stehen wir dauernd vor Formularen, in die wir neue Passwörter eintragen sollen. Wie jetzt, so spontan? Und dann noch eines, das ich mir merken kann?

          Da flüchten sich doch viele Menschen zu „Last Christmas“, in diesem Fall: „hallo“. „hallo“ ist das meistgenutzte Passwort auf deutschen Websites, wie das Hasso-Plattner-Institut durch die Analyse von 31 veröffentlichten Datenlecks und rund einer Milliarde Nutzerkonten feststellte. „hallo“, das ist so schlicht, dass man sich schon wieder fragen muss, ob da wirklich jemand drauf kommen würde, aber offenbar sind ja sehr viele drauf gekommen, sonst wäre es nicht auf Platz eins gelandet.

          Die Silbermedaille geht an „passwort“, was ungefähr so ist, als würde jemand auf die Aufforderung „Singen Sie mal ein Lied“ eine Melodie auf den Text „Singen Sie mal ein Lied“ improvisieren. Bronze trägt „hallo123“, klar erkennbar als Reaktion auf das Dialogfeld: „Das Passwort muss Buchstaben und Zahlen enthalten.“

          Es folgen, in dieser Reihenfolge: „schalke04“ (wie viele Fans hat dieser Verein eigentlich?!), „passwort1“, „qwertz“, „arschloch“, „schatz“, „hallo1“ und „ficken“. Sehr romantisch: „schatz“ kommt noch vor „ficken“. Deutschland, Land der Dichter!

          Aber was sagt uns diese Liste? Zumindest, wie tief gespalten die deutsche Seele ist. Da ist zum einen der ganze Pragmatismus von „hallo1“, „passwort1“ und dem leicht zu tippenden „qwertz“. Pragmatismus, auch eine zutiefst deutsche Tugend. Dann der Herzenswunsch, sich bei jedem Einloggen an den oder die Liebste erinnern zu wollen, zum Ausdruck gebracht im genderneutralen „schatz“, aber in diese Kategorie fällt offenbar auch „schalke04“. Auf der anderen Seite der Trotz: Der deutsche Wutbürger schreit „arschloch“ ins Formular, das kann er sich merken, das liegt ihm eh dauernd auf der Zunge.

          Und in welche Kategorie fällt „ficken“? Wahrscheinlich eine sozialverträgliche Form des Tourette-Syndroms: so schlimme schmutzige Wörter auch mal benutzen wollen, aber eben nur ganz geheim als Passwort, das ja sonst keiner sieht. Bis die Nutzerkonten gehackt werden, dann kommen Wissenschaftler, und schon taucht das in so einer Rangliste auf. Fragen Sie doch mal rum, Sie werden sehen: Jetzt will es wieder keiner gewesen sein.

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