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Tonträger : Wenn Schönheit weh tut: Filmmusik von Belle and Sebastian

  • -Aktualisiert am

Schmerzlich schutzlos: Belle and Sebastian Bild: Efa-Medien

Mit "Storytelling" haben Belle and Sebastian den Soundtrack für den gleichnamigen Film von Todd Solondz eingespielt.

          2 Min.

          Von der Seelenlage des typischen Belle-and-Sebastian-Fan heißt es, sie sei weich und ein wenig wehklagend. Mit ihrem fünften Album zeigt das Musikerkollektiv, warum das so ist: Die 18 Stücke locken den Hörer in einen fragilen emotionalen Schwebezustand.

          Auch der amerikanische Filmregisseur Todd Solondz hat nun seine Liebe für Belle and Sebastians Schönklänge entdeckt. Für seinen neuen Film "Storytelling" lockte er die Glasgower Band nach New York, um dort den Score einzuspielen. Zwar schafften es letztendlich nur sechs Minuten in die Kinofassung - der kostbare Rest ist dafür nun auf CD zu hören.

          Im Dickicht der Referenzen

          Aufwändig und angenehm altmodisch haben Belle and Sebastian den Score instrumentiert; man hört Flügelhorn und Viola, Harfe und Cello. Die Mundharmonika-Momente erinnern an die eigenartige Sentimentalität von Ennio Morricones Western-Soundtracks, während an anderer Stelle die Introvertiertheit von Nick Drake und Simon and Garfunkel aufscheint.

          Belle and Sebastian: Storytelling (Cover)

          Im CD-Booklet erklärt die Band, sie sei besessen von den 60er Jahren. Die Atmosphärik von Nouvelle-Vague-Filmen wird deshalb ebenso angeklickt wie Bubblegum-Pop. Aus dem Dickicht der Referenzen tritt die Band immer wieder eigensinnig hervor, drückt der Geschichte ihren eigenen Stempel auf. Dann hört man die für Belle and Sebastian typischen verhuschten Melodien und die zitternde hohe Stimme von Sänger Stuart Murdoch.

          Trojanisches Pferd

          Filmmusik ist seit jeher ein Medium, in dem sich Avantgarde-Experimente massenwirksam verpacken lassen. Auch Belle and Sebastian nutzen den Soundtrack als trojanisches Pferd: Die Songs wirken emotional ungeschützt, kommen einem manchmal fast aufdringlich nahe. Gepanzerten Seelen könnte es bei soviel Zerbrechlichkeit fast peinlich werden. Doch wie heißt es so schön in Adornos Minima Moralia: "Geliebt wirst du einzig da, wo du Schwäche zeigen kannst, ohne Stärke zu provozieren." In diesem Sinne sind Belle-and-Sebastian-Songs Hymnen auf die universelle Liebe. Denn diese Musik zeigt und zeugt eine manchmal schier unzumutbare Marklosigkeit und Labilität.

          Unzeitgemäße Botschaften

          Zusätzlich wird die Hörerimagination durch die eingestreuten Filmdialogfetzen angeregt: Man weiß nie so genau, worum es gerade geht und muss sich seinen eigenen Reim machen. Eine stringente Geschichte ergibt sich nicht, eher eine zerfaserter Gedanken- und Gefühlsstrom. Doch auch musikalisch gehen Belle and Sebastian trotz des Titels nicht sonderlich linear und erzählerisch vor. Ihr Vorgehen ähnelt eher dem der klassischen Fuge: Wiederkehrende Themen und Melodiefragmente tauchen in unterschiedlichen Situationen und Klanggebungen wieder auf.

          Auch dadurch klingt die Musik unzeitgemäß, ja gleichsam antizyklisch der Gegenwart enthoben. Eine Textzeile aus dem Song "I don't want to play Football" unterstreicht dies: "I don't want to play Football, I don't understand the thrill of the game." Nicht nur mit dieser Haltung stehen Belle and Sebastian derzeit ziemlich alleine da.

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