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Tonträger : "Strass im Getriebe der Welt" - Laub betreibt Filesharing

Hörprobe: "Neulich" von Laub Bild: Kitty-Yo

Neu im Plattenladen: "Filesharing", ist die dritte CD des Elektronik-Duos Laub. Klangliche Klarheit, schwebende Texte, Substanz zum Eigengebrauch.

          2 Min.

          Was sie sein wolle im Getriebe der Welt, überlegt Antye Greie-Fuchs, die Stimme und eine Hälfte von Laub, in einem Stück auf "Filesharing", der neuen CD des Berliner Elektronik-Duos.

          Sand als nächstliegende Antwort ist schnell verworfen, Wasser könnte allenfalls - und immerhin - Rost im Getriebe verursachen. Wind, aber wen störte der schon? Öl im Getriebe der Welt - ein Kräfte schonendes Konzept. Schließlich kommt der Text, und mit ihm der Gesang, zum Leuchten: Strass sollten wir sein, Strass im Getriebe der Welt.

          Querstand und Entsprechung

          An dieser Stelle verdichtet sich der fein gewebte, zugleich abstrakte und kaum strukturierende Klanghintergrund des Stückes zu einer Art Musik. Der Singsang verliert an Beiläufigkeit, gewinnt an Fülle, die wiederholte Zeile wird zu einer Art Refrain, bevor das Stück in Akkorden verklingt, um kurz darauf für weitere Minuten anzusetzen, in denen die elektronisch verfremdeten Geräusche von Schlägen einen Rhythmus für Klangfügungen bieten, die mit dem Vorhergehenden nichts mehr verbindet. So funktioniert die Musik von Laub: Sie kombiniert Abstraktion mit Assoziativität, klanglich und textlich fügen sich Sprünge und Windungen aneinander. Die Texte haben etwas Verträumtes, Tagebuchhaftes. Sie stehen in ihrer Intimität quer zur klanglichen Kühle, in ihrer intelligenten Klarheit entsprechen sie zugleich der Musik.

          Laub: „Filesharing” (Cover)

          Das Duo Laub, an dem neben Antye Greie-Fuchs auch der Sounddesigner und -produzent Jotka beteiligt ist, hat die neun Stücke auf der CD nach dem Prinzip des Filesharing komponiert. Anstatt die Stücke raum- und zeitgleich zu erarbeiten, hat Laub sich Soundfiles, Klang- und Textideen über Netz und Netzwerke zugeschickt, sie verändert, ergänzt. So hat Laub in einer Art gemeinsamem Dateiengebrauch das entwickelt, was später zum Track auf der CD wurde.

          Tausch von Sounds und Samples

          "Filesharing" beschreibt neben der Arbeitsweise des Duos auch ein Angebot an seine Hörer. Das Kompositionsprinzip, meilenweit entfernt von den gängigen Verfahren des Songwriting oder der Zusammenarbeit in einer Band, findet seine Entsprechung in den CD-ROM-Funktionen des "Filesharing"-Silberlings.

          Einfach über ein Browser-Fenster lässt sich eine Datenbank öffnen, die nicht nur Zugang zu den Texten des Albums nebst englischen Übersetzungen, zu Bildmaterial und Hinweisen zu den Künstlern bietet. Laub hat 140 Audiosamples ihrer Stücke auf der CD-ROM abgelegt, die sich nach Stücken sortiert abrufen und abspeichern lassen. Sie können aber auch in frei gewählter Reihenfolge als Schleifen angewählt werden - und erzeugen so reduzierte, eigene Versionen der neun auf "Filesharing" versammelten Arbeiten.

          Eine erstaunliche CD: Abstrakte Musik, eine merkwürdige Transformation von Pop, mit eigenwilligen, alltagsbezogenen, immer wieder umgangssprachlich strukturierten - und dabei schönen - Texten. Laub verbindet elektronische Reinheit mit einer verblüffende Wärme. Zukunftsmusik, die im Getriebe des Gegenwärtigen strahlt. Wie ein Silberling aus Strass.

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