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Tonträger : Pop-Musik aus der Prärie: Prefab Sprout erfindet den Cowboy neu

  • -Aktualisiert am

Prefab Sprout: amerikanische Populärmythen in britischer Aufbereitung Bild: Liberty / EMI

Auf „The Gunman and other Stories“ spielen Prefab Sprout Country-Musik. Und überwinden die Klischees und Grenzen dieses Genres.

          2 Min.

          Seit 1985 das zweite Prefab Sprout-Album „Steve McQueen“ erschien, gilt Band-Leader Paddy McAloon als einer der begnadetsten Songwriter des internationalen Musik-Business. In den Jahrhundertcharts aller wichtigen Musikmagazine nahm „Steve McQueen“ einen Ehrenplatz ein.

          „The Gunman and other Stories“ ist nun das siebte Album der Band aus dem nordenglischen Newcastle. McAloon verarbeitet darauf amerikanische Western-Mythen zu zeitlosen Popsongs.

          Country? Muss das sein?

          Normalerweise handelt Country-Musik von harten Männer und ihrem einsamen Ritt durch die Prärie. Country ist eine zivilisationsfeindliche Musik, die deshalb meist recht altbacken und konservativ klingt. Es gibt also gute Gründe, sich nicht weiter mit dieser Musik zu beschäftigen. Paddy McAloon sieht das allerdings anders. Auf „The Gunman and other Stories“ entlockt der 43-jährige Songwriter dem Genre völlig neue Ausdrucksmöglichkeiten. Zwar sind von Banjo, Slide-Gitarre und Mandoline bis hin zu Lagerfeuerknistern und Kuhglocken alle Country-Ingredenzien zu vernehmen, dennoch klingt dies Konzeptalbum niemals klischeehaft. Die zehn Songs bieten Country-Musik für all jene, die mit diesem Genre bisher nicht allzu viel anzufangen wussten.

          Prefab Sprout: „The Gunman And Other Stories” (Cover)

          Kornfelder und streunende Katzen

          Schon McAloons Gesang gibt den gängigen Konventionen eine gänzlich neue Wendung. Wenn er im Eröffnungsstück „Cowboy Dreams“ mit seiner unnachahmlichen Stimme „Yippie-ay-a“ singt, dann scheint es, als würde der Lebensentwurf „Cowboy“ hier völlig neu definiert. Die Stimme klingt weich und zerbrechlich, von maskuliner Marlboro-Romantik ist sie meilenweit entfernt. Mit „The Gunman and other Stories" fügt McAloon die jahrhundertealten Mythen des Mittleren Westen in sein persönliches Universum ein - und verwandelt sie in zeitlose Popsongs. Schnell hat man vergessen, dass es sich hier um Cowboy-Musik handelt. Die altertümlichen Sounds und Instrumente, ebenso die Texte über Kornfelder und streunende Katzen klingen plötzlich völlig selbstverständlich, so als habe man nie etwas anderes gehört.

          Die universelle Prärie

          Die Art und Weise, wie McAloon sich aus dem fernen Nordengland in die Prärie des Wilden Westens imaginiert, hat etwas Unwirkliches, ja Märchenhaftes. Ähnlich wie das letzte Prefab Sprout-Album „Andromeda Heights“ aus dem Jahr 1997 klingt „The Gunman and other Stories“ wie von einer anderen Welt. Die umschmeichelnden Harmonien und das unglaublich komplexe Arrangement aus ungewöhnlichen Instrumenten weisen weit über das Spezialgenre „Country“ hinaus. Das gilt ganz besonders für bittersüße Liebeslieder wie „Love will find someone for you“ oder „Blue Roses“.

          Es ist eine Musik, die mit ihrer einfühlsamen Wärme und Ernsthaftigkeit universelle Gefühle anspricht - den Raum- und Zeitgrenzen des Alltags scheint sie enthoben zu sein, tagesaktuelle Moden werden nichtig. Die Prärie, die auf dem Cover zu sehen ist, erscheint da als passende Metapher. Denn auch McAloons sagenhafte Songs erklingen aus einem gesellschaftlichen Off, wo - wie im Wilden Westen - ganz besondere Regeln gelten. Als Hörer sitzt man nur noch staunend da und ist verzaubert. Die Frage, ob Country nun „cool“ oder „uncool“ verflüchtigt sich zu einer lächerlichen Lappalie.

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