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Tonträger : Köstliche Geheimniskrämerei: Die CD „Secret Rhythms“

Hörprobe: "Royal Roost" von Jaki Liebezeit und Burnt Friedman Bild: Nonplace

Jaki Liebezeit und Burnt Friedman verstecken auf ihrer CD „Secret Rhythms“ vor allem eines - geheime Melodien.

          2 Min.

          „Ich persönlich“, sagte der Schlagzeuger Jaki Liebezeit kürzlich in einem Interview der Online-Ausgabe der „Zeit“, „habe dem Jazz schon lange abgeschworen, schon vor 30 Jahren, inzwischen habe ich auch den Rock überwunden.“

          Damals, vor 30 Jahren, gehörte Liebezeit zu Can, einer der wichtigsten experimentellen Rockbands ihrer Zeit in Europa. Davor hat Liebezeit mit Jazzgrößen wie Chet Baker gespielt. Später haben so unterschiedliche Musiker wie Depeche Mode und Bill Laswell auf sein Schlagzeugspiel zurück gegriffen. Jetzt hat der eigenwillige Rhythmiker mit dem Produzenten Bernd Friedmann alias Burnt Friedman die CD „Secret Rhythms“ veröffentlicht.

          Und das ist nicht zuviel versprochen: Tatsächlich sind beide in einem geheimnisvollen musikalischen Niemandsland jenseits von Jazz und Rock angekommen. Hier verbinden sich elektronisch erzeugte und manipulierte Klänge, Samples aller erdenklichen Instrumente, originär Jazziges und vielschichtige Rhythmik zu einer abenteuerlichen, anspruchsvollen, faszinierenden Musik.

          Jaki Liebezeit, Burnt Friedman: „Secret Rhythms” (Cover)

          Emanzipation des Schlagzeugs

          Es sind allerdings nicht so sehr die Titel gebenden Rhythmen, die das Geheimnis der Aufnahme ausmachen. Selten eingesetzte Taktarten ersetzen das gängige Auf und Ab des Metrums durch ein ungewohntes Kreisen, das nur selten mehrdeutig wird. Den Rhythmus konstituiert nicht allein das reduzierte Schlagzeug Liebezeits, der ohne Bassdrum spielt, dafür nach Bedarf Hirschglocke, Gong oder die indische Dholak.Eine Vielzahl elektronischer Klangschnipsel, melodiefähige Perkussionsinstrumente wie das afrikanische Daumenklavier Kalimba und Gitarren- oder Bassamples, die durch ihre Kürze ebenfalls zum Teil eine perkussive Funktion bekommen, umgeben die Drum-Spur, ersetzen sie zum Teil und bewirken neben klanglicher Komplexität und beachtlichem Groove vor allem eines: Sie unterstützen die musikalische Emanzipation des Schlagzeugs.

          Geheime Melodien

          Josef Suchy und Morten Grønvad waren mit Friedman und Liebezeit im Studio. Ihnen verdanken die „Secret Rhythms“ einerseits die Funk-Einwürfe und delikaten verzerrten Gitarren-Riffs, andererseits die glasklar-glockigen Linien und sanft schwingenden Akkorde des Vibraphons. Friedmann ergänzt die Melodiebildung mit verschiedenen Synthesizern, mit Steeldrum, Kinderklavier und Melodika.

          Das Irritierende: Melodien kommen kaum vor. Und wenn sich die Phrase eines Instruments doch zu einer melodischen Aussage verdichtet, zieht sie sich schnell wieder zurück. Und dennoch entsteht aus den vielfältigen Einwürfen der verschiedenen Instrumente und ihrer elektronischen Verfremdungen etwas Melodisches, eher als Wirbel als Spuren.

          Der CD liegt ein Faltblättchen mit Tracklisting und einer Liste der eingesetzten Instrumente bei. Auf ihm wendet sich eine gezeichnete Figur fordernder Geste direkt an den Leser: „Remember: Less Is A Bore, Humans Need More!“ Langeweile kann man Friedman und Liebezeit tatsächlich nicht vorwerfen bei ihrer Gratwanderung zwischen der freien Kombination signalhafter Klänge und strenger musikalischer Struktur, jenseits der Konventionen von Jazz und Rock.

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