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Titel „erschlichen“ : Uni Salzburg entzieht Konrad Lorenz die Ehrendoktorwürde

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Konrad Lorenz bei der Verleihung des Medizinnobelpreises im Jahr 1973 Bild: AFP

Seine wissenschaftliche Lebensarbeit habe „im Dienste nationalsozialistischen Denkens“ gestanden. Mit dieser Begründung entzog die Uni Salzburg jetzt postum dem Nobelpreisträger Konrad Lorenz die Ehrendoktorwürde.

          Die Universität Salzburg hat dem österreichischen Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz posthum die Ehrendoktorwürde aberkannt. Die Universität begründet den Entzug mit dessen Aufnahmegesuch an die NSDAP aus dem Jahr 1938. Seine „ganze wissenschaftliche Lebensarbeit“ stehe „im Dienste nationalsozialistischen Denkens“, schreibt Lorenz in dem Antrag. Er habe „erfolgreiche Werbetätigkeit entfaltet“ und Studenten zum „Nationalsozialismus bekehrt“. Daneben stützt sich die Aberkennung auf eine Publikation von 1940, in der sich Lorenz für Ausmerzung und Auslese aus rassenhygienischen Gründen ausspricht. Neben Lorenz wurde auch dem deutschen Juristen und früheren SS-Obersturmführer Wolfgang Hefermehl die Ehrendoktorwürde aberkannt.

          Beide verloren ihren Titel im Rahmen einer umfassenden Untersuchung der Salzburger Universität zum Verhalten ihrer Laureaten in der NS-Zeit. Neuheiten förderte sie im Fall von Lorenz nicht zutage. Die NS-Anhängerschaft des Zoologen, der für seine Studien über das Sozialverhalten von Gaugänsen Weltruhm erlangte, ist lange bekannt. Das Aufnahmegesuch in die NSDAP wurde 2001 erstmals publiziert. Die nachweisliche Mitgliedschaft hat Lorenz aber stets bestritten.

          Mehrere Titel fragwürdig

          Auch nach dem Krieg distanzierte sich Lorenz nicht entschieden vom Nationalsozialismus. Analogien zwischen der Domestikation von Tieren und zivilisatorischen Praktiken finden sich noch in einem Werk von 1973, das vor gesellschaftlichen Fehlentwicklungen durch biologisch degenerierte Menschen warnt. Unklar ist, wie stark Lorenz im zweiten Weltkrieg als Heerespsychiater an eugenischen Untersuchungen beteiligt war, die möglicherweise zur Einweisung von Probanden in Konzentrationslager führten.

          Juristisch begründet die Universität ihre Entscheidung damit, dass Lorenz seine NS-Vergangenheit im Ehrungsverfahren verschwieg, sich den Titel somit „erschlichen“ habe. Der damaligen Jury dürfte sie jedoch bekannt gewesen sein. Die Salzburger Universität räumt ein, mehrere Ehrentitel seien in der Nachkriegszeit zu unrecht vergeben worden. Nach der Satzung der Universität würdigt das Ehrendoktorat die ganze Persönlichkeit. Das politische Verhalten ist daher Titelkriterium, für den Entzug muss die Verfehlung aber gravierend sein.

          Das Salzburger Ehrendoktorat, das Lorenz 1983 verliehen wurde, war sein zehnter und letzter Dr. h.c., der einzige, der ihm bisher aberkannt wurde. Schon bei der Vergabe des Nobelpreises 1973 war es zu einer Debatte über seine NS-Vergangenheit gekommen.

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