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Gemeinsame Stiftung : Enteignung der Schlossherren?

Bald von Halle aus verwaltet? Schloss Altenstein in Bad Liebenstein. Bild: Jan Brachmann

Wo bleibt die Residenzkultur? In Thüringen regt sich Widerstand gegen die Pläne des Bundes, das Kulturerbe mit dem aus Sachsen-Anhalt zu fusionieren.

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          Am Ende weiß wie häufig niemand mehr, wie der obskure Plan zustande kam. Aber nun nimmt er Gestalt an: Thüringens Residenzkultur und Sachsen-Anhalts Schlösser und Burgen sollen in einer gemeinsamen Stiftung eine neue Heimat finden. Das „Kulturstiftung Mitteldeutsche Schlösser und Gärten“ genannte Konstrukt beruht nicht etwa auf einem gemeinsamen kulturellen Erbe, sondern vor allem auf dem Willen des Bundes, nur unter dieser neuen Struktur Geld zu geben. Und zwar so viel, dass die beiden klammen Länder kaum anders können, als der Bedingung zuzustimmen, wollen sie ihre historischen Hinterlassenschaften retten. Insbesondere in Thüringen aber regt sich massiver Widerstand gegen den Plan, der dadurch befeuert wird, dass der erste Entwurf der neuen Großstiftung nahezu sämtliche ihrer Kompetenzen – vom Hauptsitz in Halle über den Generaldirektor bis hin zu Rechtsaufsicht, Haushaltsrecht und Rechnungsprüfung – in Sachsen-Anhalt ansiedelt. Vom Ausverkauf des historischen Thüringer Erbes ist die Rede.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          In Thüringen, dem erst vor hundert Jahren aus sieben Mini-Freistaaten geformten Land, haben sie seit jeher Schwierigkeiten mit Machtzentralen; die Ministerpräsidenten in Erfurt, egal welcher Partei, können ein Lied davon singen. Erst vor zwei Jahren stoppten Bürger das Großvorhaben von Amtsinhaber Bodo Ramelow (Linke), die Zahl der Landkreise zu halbieren und Hunderte Kommunen zu riesigen Einheiten zu fusionieren. Nun wirkt der Stiftungsplan wie ein Versuch, auf kulturellem Gebiet die Kleinteiligkeit zu überwinden: Dreißig Schlösser, darunter die Residenzen Dornburg, Gotha, Greiz, Rudolstadt und Sondershausen, die in der „Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten“ eine Heimat haben, sollen in dem Großgebilde aufgehen; Sachsen-Anhalt bringt 19 Objekte inklusive der Option auf neun weitere ein.

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